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05.03.2018

11:25 Uhr

Börse Mailand

Italienische Aktien nach Wahl unter Druck – Bank-Titel verlieren deutlich

VonIngo Narat

Die Unsicherheit über die Regierungsbildung in Italien schreckt Anleger ab. Vor allem Finanztitel liegen im Minus.

Modeschau im September 2017. Reuters

Börsengebäude in Mailand

Modeschau im September 2017.

FrankfurtIn Italien zeichnet sich eine schwierige Regierungsbildung ab – und das trifft an den Märkten vor allem Finanztitel hart. Der italienische Leitindex FTSE-Mib liegt am Morgen zeitweise mehr als 1,5 Prozent im Minus und notiert am Vormittag noch ein Prozent unter dem Wert von Freitag.

Ein Index italienischer Bankaktien liegt 2,4 Prozent im Minus. Deutliche Abschläge verbucht etwa die Banca popolare dell’Emilia Romagna (minus 6,5 Prozent), die Banco BPM (minus 5,7 Prozent) und Ubi Banca (minsu 4,3 Prozent).

Der Hauptgrund für die Skepsis der Bankaktionäre: Nach Hochrechnungen geht die euroskeptische Fünf-Sterne-Bewegung als stärkste Einzelpartei durchs Ziel. Die Gruppe aus Silvio Berlusconis Forza Italia und der Lega mit ihrem Anti-Immigrationskurs wird aber gemeinsam noch vor der Fünf-Sterne-Bewegung liegen. Eindeutiger Verlierer ist die Demokratische Partei des früheren Premierministers Matteo Renzi.

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Europas Börsen haben Ängsten vor einem Handelskrieg und einer Hängepartie in Italien getrotzt. Grund war auch der Ausgang des SPD-Mitgliedervotums.

Die Aktienmärkte in Europa erholten sich zügig von kleinen Rückschlägen wegen des italienischen Resultats. Sie sind nach vorbörslichen Verlusten mit positiver Tendenz in die neue Woche gestartet. Denn das zweite wichtige politische Ereignis des Wochenendes – die Einigung auf eine große Koalition in Berlin – stärkte die Position von Optimisten. Am Vormittag lagen viele Aktienbörsen mit knapp einem halben Prozent im Plus. Das galt auch für den Deutschen Aktienindex, wobei Adidas, Deutsche Bank oder Allianz jeweils mehr als ein Prozent gewannen.

„Der Wahlausgang in Italien wird die Verunsicherung an den Märkten hoch halten. Mit dem überraschend guten Abschneiden der populistischen Parteien setzt sich der global zu beobachtende ‚anti-elitäre‘ Wahltrend weiter fort“, kommentiert Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der Dekabank.

„Zur Beruhigung der Märkte taugt das Wahlergebnis sicher nicht“, ergänzt er. Italien stehe jetzt vor einer langen Phase von Verhandlungen und somit vor Unsicherheit, eventuell vor Neuwahlen. Schallmayer resümiert: „Damit ist zumindest eines, nämlich Stillstand garantiert. Langfristig ist dies weder für die Volkswirtschaft, noch für den Kapitalmarkt eine vielversprechende Perspektive.“

Hohe Hürde für europäische Bankenunion

Experten beschäftigen die Auswirkungen der Wahl auf die europäische Politik. Eine Regierung unter Führung der Fünf-Sterne-Bewegung würde kurzfristig die Schaffung einer europäischen Bankenunion erschweren, glaubt Nicola Nobile, Volkswirtin bei Oxford Economics in Mailand. „Das Ergebnis wird die europäische wirtschaftliche Integration noch weiter verlangsamen als es jetzt schon der Fall ist“, glaubt sie.

Positivere Töne kommen von der VP Bank. „An den Finanzmärkten dürfte man derweil froh sein, dass Deutschland eine neue Regierung hat“, meint Chefökonom Thomas Gitzel. Der schlimmste Fall wäre seiner Meinung nach eingetreten, wenn zum Ergebnis der italienischen Parlamentswahlen auch noch ein ‚Nein‘ der SPD zur großen Koalition gekommen wäre.

An den Anleihemärkten hielten sich die Ausschläge in Grenzen. Die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen stieg um 0,03 Prozentpunkte auf knapp zwei Prozent. Spiegelbildlich sank die Rendite der entsprechenden Bundesanleihe um etwa 0,03 auf 0,6 Prozent. Darin spiegelte sich das gestiegene Risikoempfinden der Anleger wider.

Analysten wollen die Tagestendenz an den Bondmärkten allerdings nicht überbewerten, daraus keine wachsende Gefahr eines Austritts Italiens aus der Europäischen Union oder dem Euro ableiten. „Wir glauben nicht, dass es das unmittelbare Risiko eines ‚Italexit‘ gibt“, urteilt beispielsweise Giovanni Zanni, Ökonom der Credit Suisse.

Diese Einschätzung spiegelte auch der Euro wider. Die Gemeinschaftswährung gab zwar zunächst mehr als ein halbes Prozent nach, berappelte sich dann aber wieder. Am Vormittag wurde der Euro bei rund 1,23 Dollar und damit auf kaum verändertem Niveau zum Freitag gehandelt.

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Kommentare (3)

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Frau Lana Ebsel

05.03.2018, 12:30 Uhr

Gut, wenn die Italiener den Briten folgen. Dann kommt endlich wieder Markt in die europäische Planwirtschaft von Junker und Merkel.

Herr Peter Spiegel

05.03.2018, 12:53 Uhr

"Frau Lana Ebsel
05.03.2018, 12:30 Uhr
Gut, wenn die Italiener den Briten folgen. Dann kommt endlich wieder Markt in die europäische Planwirtschaft von Junker und Merkel."


PLANWIRTSCHAFT !!!!

AUA AUA AUA........

keine Ahnung von gar nix, aber wenigstens einen Kommentar rausgehauen.


Herr Moritz J. Mueller

05.03.2018, 13:47 Uhr

Das gesamte Italienische Bankensystem ist völlig morsch. Und Mr. Draghi hat auch eine grosse Mitschuld daran. So hat er als Präsident der Italienischen Zentralbank (es liegt seine Unterschrift vor) den Verkauf der "Banca Antonveneta" an die, sich zu diesen Zeitpunkt schon in grossen Schwierigkeiten befindenden (50 Milliarden € faule Kredite) MONTE DEI PASCHI DI SIENA abgewunken, wohl wissend dass die Antonveneta praktisch pleite war. Dann die Rettung (absolut illegal und daher hochkriminell) der Banca Veneto durch Mr. Gentiloni, wieder zu Lasten der Steuerzahler. Und immer das tolle Europa dass dies alles zu lässt und gut heist. Dass jetzt die selbigen Titel nach geben ist nur logisch und Zeichen dafür dass, durch den Wahlausgang, die kriminellen Mächte sich eben nicht mehr sicher sein können dass ihre ergaunerten Einlagen immer wieder vom Steuerzahler saniert werden.

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