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16.01.2011

13:00 Uhr

Börse Moskau

Hoher Ölpreis legt das Fundament für Kursschübe

VonFlorian Willershausen

Voller Optimismus starten Händler in Moskau ins neue Börsenjahr: Experten erwarten eine Fortsetzung der Aktien-Hausse. Kaum ein Analyst glaubt nicht an ein zweistelliges Plus an den Moskauer Börsen. Auch Werte außerhalb des Rohstoffsektors stehen hoch im Kurs.

Moskau: Die Weltbank erwartet für 2011 ein Wachstum des russischen BIPs um 4,5 Prozent. dpa

Moskau: Die Weltbank erwartet für 2011 ein Wachstum des russischen BIPs um 4,5 Prozent.

MOSKAU. Nicht einmal mit leichten Zuckungen reagierte der Moskauer RTS-Index, als der Unternehmer Michail Chodorkowskij kurz vor Silvester zum zweiten Mal verurteilt wurde. Analysten sind sich einig: Die Investitionsrisiken in Russland, auf die der Schauprozess gegen den Ex-Chef des Ölkonzerns Yukos ein Schlaglicht wirft, sind auf dem Moskauer Parkett eingepreist. Ohne Magenschmerzen und voller Optimismus starten Händler in Moskau damit ins neue Börsenjahr.

Die Vorzeichen sind bestens: Die Weltbank erwartet für 2011 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts um 4,5 Prozent – getrieben vor allem durch steigende Ölpreise und die ungebremste Konsumfreude der Russen. Daher findet sich kaum ein Analyst, der nicht an ein zweistelliges Plus an den Moskauer Börsen glaubt.

Im vergangenen Jahr legte der Leitindex RTS um 23 Prozent zu. Dahinter steht ein starkes viertes Quartal, dessen Trend sich im neuen Jahr fortsetzt – hoffen zumindest Analysten. „Bei einem Ölpreis von 90 Dollar pro Barrel ist das Fundament für neue Einkommensschübe gelegt“, meint Matthias Siller, Russlandexperte bei Barings.

In Russland bilden Aktienindizes in der Regel den Trend an den Rohstoffmärkten nach, was auch letztes Jahr der Fall war. Paradox ist dabei, dass ausgerechnet Energietitel die Erwartungen der Analysten verfehlt haben: Papiere von Gazprom und Lukoil waren Ende 2010 fast exakt soviel wert wie zu Beginn des Jahres, Aktien des größten Ölkonzerns Rosneft sackten gar um 20 Prozent ein. Wachstumstreiber waren dagegen Unternehmen aus Branchen, die nichts mit Öl und Gas zu tun haben, darunter Banken, Konsumgüter- und Stahlindustrie.

Auch im neuen Jahr glaubt Analyst Siller fest an die Werte jenseits des Rohstoffsektors. Vor allem bei Werten aus den Sektoren Banken, Handel, Konsumgüter, Infrastruktur und Telekom sei Musik drin – darunter Aktien kleinerer Unternehmen, die nicht unter Staatseinfluss stehen. Die sind freilich in den Indices unterrepräsentiert: Nach Marktkapitalisierung basiert der RTS-Index zu mehr als der Hälfte auf Aktien der Öl- und Gaskonzerne.

„In Russland gibt ein Überangebot an Energieaktien“, begründet Siller, weshalb Anleger in Zeiten steigender Ölpreise die Papiere von Gazprom und Rosneft ignorieren. Hinzu komme, dass diese Staatskonglomerate zumeist keine Dividenden zahlen und sich zuweilen wenig um die Interessen der Minderheitsaktionäre scheren.

Weiteres Risiko: Die Regierung will dieses Jahr Staatsanteile im Wert von knapp 23 Milliarden Euro verkaufen – vor allem über die Börse. Im Sommer soll die VTB-Gruppe den Anfang machen. Der Verkauf eines 10-Prozent-Anteils an der zweitgrößten russischen Bank dürfte ähnlich unproblematisch sein wie die Teilprivatisierung des Finanzmarktführers Sberbank. Als heikel erweisen könnte sich aber die Platzierung eines Aktienpakets an Rosneft in Höhe von 24 Prozent.

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