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08.11.2013

23:47 Uhr

Börse New York

Arbeitsmarkt-Zahlen treiben Dow Jones auf Allzeithoch

Die positiven US-Arbeitsmarkt-Daten ließen die Anleger zugreifen. Besonders gefragt waren zum Ende der Woche Bankaktien. Der S&P legte einen guten Abschluss hin - der Dow Jones stieg auf ein neues Hoch.

Von Rally ist 2015 keine Spur mehr an den Börsen. AFP

Von Rally ist 2015 keine Spur mehr an den Börsen.

New YorkUnerwartet starke Zahlen vom US-Arbeitsmarkt haben die Wall Street am Freitag in Kauflaune versetzt. Die Unternehmen schufen im Oktober trotz des Haushaltsnotstandes der Regierung in Washington 204.000 Stellen. Experten waren im Schnitt von 125.000 ausgegangen.

Als Reaktion auf die Zahlen fielen die Futures zunächst, weil viele Investoren befürchteten, dass die Notenbank ihre ultralockere Geldpolitik schneller zurückfahren könnte. Später setzte ein Umdenken ein. "Wenn es Unternehmen gutgeht und die Geschäfte laufen, sind für den Aktienmarkt keine kurzfristigen Kredite zu einem Zinssatz von null Prozent nötig, um zuzulegen", sagte Eric Kuby von North Star Investment Management in Chicago.

Der Dow-Jones-Index mit den 30 Standardwerten stieg um 1,1 Prozent auf 15.761 Punkte. Im Tagesverlauf pendelte er zwischen den Marken von 15.579 und 15.764. Der breiter aufgestellte S&P 500 legte 1,3 Prozent auf 1770 Stellen zu. Der Nasdaq-Index gewann 1,6 Prozent und stand bei 3919 Zählern. In Frankfurt ging der Dax fast unverändert aus dem Handel und lag bei 9078 Punkten. Der Dow beendete die Woche mit einem Plus von 0,9 Prozent und der S&P mit 0,5 Prozent. Der Nasdaq gab dagegen um 0,1 Prozent nach.

Zu den Gewinnern zählten am Freitag Bankentitel. Viele Investoren gehen davon aus, dass eine strengere Geldpolitik und höhere Zinsen die Gewinne der Institute steigen lassen. JPMorgan Chase legten um 4,5 Prozent und Bank of America um 3,8 Prozent zu.

Um 9,7 Prozent ging es mit Aktien der Modekette Gap nach oben. Das Unternehmen machte in seinen Läden im Oktober deutlich mehr Umsatz als erwartet.

Folgen der Leitzinssenkung

Wie funktioniert der Leitzins?

Der Leitzins bestimmt die Konditionen, zu denen sich Kreditinstitute Geld bei der EZB leihen können. Außerdem richten sich die Banken auch bei ihren Geldgeschäften untereinander nach den Entscheidungen der EZB.

Was, wenn der Leitzins sinkt?

Sinkt der Leitzins, fallen in der Regel auch die Interbankzinssätze. Die niedrigeren Zinsen am Geldmarkt können die Banken an ihre Kunden weiterreichen. Sparzinsen - wie für Tages- oder Festgeld - liegen dabei oft unterhalb des Leitzinssatzes, Kreditzinsen eher darüber. Mit dieser Spanne zwischen Geldmarktzins und den Zinssätzen, die Banken Verbrauchern gewähren oder von diesen kassieren, verdienen die Institute ihr Geld.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für Sparer?

Die erneute Leitzinssenkung deutet nach Angaben von Marcus Preu vom Finanzportal Biallo darauf hin, dass die Niedrigzinsphase länger anhält als erwartet. Eine schnelle Trendwende sei damit unwahrscheinlich. „Da schauen die Anleger jetzt erstmal in die Röhre“, sagt Preu. Andererseits profitierten die Verbraucher derzeit von der niedrigen Inflationsrate. Die Verbraucherpreise in Deutschland waren im Oktober im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,2 Prozent gestiegen.

Was sollten Verbraucher mit ihrem Ersparten tun?

Nach den Worten von Max Herbst von der FMH Finanzberatung ist es derzeit„"ziemlich egal, ob ich mein Geld zur Bank trage oder zuhause lasse. Einige Sparkassen böten schon jetzt einen Zinssatz von 0,1 Prozent für Tagesgeldkonten. Die Finanzinstitute seien wegen des billigen Geldes derzeit nicht auf das Geld von Privatleuten angewiesen und müssten sie nicht mit attraktiven Sparzinsen locken. „Die Banken brauchen den Anlagekunden momentan nicht“, stellt Herbst fest.

Was bringen langfristige Anlagen?

Verbraucher, die nicht unbedingt auf ihre Rücklagen zurückgreifen müssen, sollten ihr Geld den Experten zufolge längerfristig anlegen, um sich auskömmliche Zinsen zu sichern. Bei zweijähriger Laufzeit gibt es laut Herbst derzeit maximal 1,9 Prozent Zinsen, bei drei Jahren Laufzeit 2,15 Prozent. Bei vierjähriger Laufzeit gebe es 2,30 oder 2,40 Prozent, „aber da wird die Luft schon dünn“, sagt Herbst mit Blick auf die Auswahl attraktiver Festgeldangebote.

Werden Baukredite billiger?

Auch wenn der Leitzins nicht unbedingt der Referenzzins für Baukredite ist, können Bauherren nach den Worten von Preu derzeit "in Ruhe planen". Der zwischenzeitige Zinsanstieg beim Baugeld sei inzwischen wieder gestoppt. Laut Michiel Goris vom Immobilienfinanzierer Interhyp sind die Zinsen für Immobilienkredite mit zehnjähriger Zinsbindung in den vergangenen Tagen zum Teil auf rund 2,5 Prozent gesunken. Er empfehle Immobilienkäufern und Bauherren daher, die derzeit günstigen Zinsen zu nutzen und sie sich langfristig zu sichern.

Was wird aus der Restschuld?

Käufer mit viel Eigenkapital bekämen derzeit einen Immobilienkredit mit einem Zinssatz von 2,5 Prozent, erklärte Goris. Darlehen mit fünfjähriger Zinsbindung seien sogar für rund 1,7 Prozent erhältlich. Derart kurzfristige Finanzierungen kämen aber nur für Anschlussfinanzierungen mit geringer Restschuld in Frage.

Auch die Papiere des Medienkonzerns Walt Disney standen auf den Kaufzetteln. Das Unternehmen konnte im abgelaufenen Quartal unter anderem von kauffreudigen Gästen in seinen Unterhaltungsparks in den USA profitieren. Die Aktie stieg um 2,1 Prozent.

Der Kurznachrichtendienst Twitter verlor am zweiten Handelstag 7,2 Prozent. Am Donnerstag hatte das Unternehmen einen überwältigenden Start hingelegt: Die Papiere legten im Vergleich zum Ausgabekurs zeitweise um mehr als 90 Prozent zu.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 820 Millionen Aktien den Besitzer. 1722 Werte legten zu, 1285 gaben nach, und 78 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,96 Milliarden Aktien 1929 im Plus, 642 im Minus und 85 unverändert.

Von

rtr

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