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07.03.2012

22:49 Uhr

Börse New York

Arbeitsmarktdaten helfen Wall Street ins Plus

Der amerikanische Arbeitsmarkt rappelt sich weiter auf. Das hat der Wall Street bis zum Handelsschluss Mut gemacht. Bei Anlegern lag vor allem Apple im Fokus. Der Tech-Riese stellte sein neues Tablet vor.

Händler an der Wall Street: Die Arbeitsmarktdaten fallen besser aus als erwartet. dpa

Händler an der Wall Street: Die Arbeitsmarktdaten fallen besser aus als erwartet.

New YorkNach dem enttäuschenden Handelstag vom Dienstag haben am Mittwoch positive Daten vom US-Arbeitsmarkt an der Wall Street die Hoffnung auf eine Konjunkturerholung geschürt und den Kursen Auftrieb gegeben. Private Unternehmen schufen einer Umfrage zufolge zuletzt unerwartet viele Stellen und vertrieben so die Skepsis über Schuldenkrise und Weltkonjunktur, die am Dienstag zum größten Kursverlust seit drei Monaten geführt hatte.

Für gute Stimmung sorgte auch ein Bericht des „Wall Street Journal“, wonach die US-Notenbank über eine neue Strategie für weitere Bond-Käufe nachdenkt. Vor allem Finanzwerte zogen an. Fest im Blick behielten die Anleger die Aktie von Apple, die bei der Vorstellung des neuen iPads eine Berg- und Talfahrt hinlegte und kaum verändert schloss.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verabschiedete sich 0,6 Prozent höher bei 12.837 Punkten aus dem Handel, der breiter gefasste S&P-500 legte 0,7 Prozent auf 1352 Zähler zu und die Technologiebörse Nasdaq gewann 0,9 Prozent auf 2935 Stellen. In Frankfurt schloss der Dax 0,6 Prozent höher bei 6671 Zählern.

Konjunkturindikatoren

ifo-Index

Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

ZEW-Konjunkturerwartungen

Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

Einkaufsmanagerindex

Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

Baltic Dry Index (BDI)

Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

GfK-Konsumklima

Der GfK-Konsumklimaindex soll die Konsumneigung der Privathaushalte abbilden. Hierfür befragt das Institut monatlich 2000 repräsentativ ausgewählte Personen über ihr Anschaffungs- und Sparneigung auf Sicht von 12 Monaten sowie über ihre Erwartungen zur Gesamtwirtschaftlichen Situation.

Geldmenge M1

Das Geldmengenaggregat M1 umfasst den Bargeldumlauf und Sichteinlagen (jederzeit verfügbare Einlagen, zum Beispiel auf Girokonten). Sie ist ein Indikator für die Transaktionshäufigkeit in einer Volkswirtschaft. Steigt die Geldmenge M1, so wird in der Regel auch mehr gekauft.

Dem „Wall Street Journal“ zufolge erwägt die Federal Reserve eine neue Form der Bond-Käufe, die die Inflationsgefahr solcher Maßnahmen verringern soll. Unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen meldete die Zeitung, die Fed könnte sich bei einem nächsten Anleihe-Kauf die dafür eingesetzten Mittel für kurze Zeit zu niedrigen Zinsen zurück leihen und so dem Kreislauf Geld entziehen. Aktienstratege Peter Boockvar von Miler Tabak & Co begrüßte einen solchen Ansatz als willkommenes Signal für die Märkte.

Diese zeigten sich auch von den Arbeitsmarktdaten begeistert. Nach Angaben der Arbeitsagentur ADP stieg die Zahl der Stellen im privaten Sektor im Februar um 216.000, während Analysten nur ein Plus von 208.000 erwartet hatten. Im Januar waren lediglich 173.000 neue Stellen entstanden.

„Es bewegt sich in die richtige Richtung“, kommentierte Ökonomin Beth Ann Bovino von Standard & Poor's. Die ADP-Zahlen gelten als wichtiges Barometer für die mit noch größerer Spannung erwarteten offiziellen Arbeitsmarktdaten, die am Freitag anstehen. Experten gehen davon aus, dass die Arbeitslosenquote bei 8,3 Prozent verharrt.

Kultmarke: Apple-Aktie im Visier von Zockern

Kultmarke

Apple-Aktie im Visier von Zockern

Apple gerät immer mehr ins Visier von Zockern, die den Aktienkurs beeinflussen.

In New York trieben mit Finanztiteln und Rohstoffwerten vor allem jene Unternehmen die Indizes in die Höhe, die am Vortag besonders hart abgestraft worden waren. So erhöhte sich der Kurs von Bank of America am Mittwoch um rund vier Prozent und von Morgan Stanley um 3,2 Prozent. Die Papiere der United States Steel Corp verteuerten sich um 0,9 Prozent.

Im Handelsverlauf richteten sich die Augen vor allem auf die Aktien von Apple, weil sich um die neue Generation des Tablet-Rechners iPad seit Monaten Gerüchte ranken. Das am Abend in San Francisco vorgestellte Gerät hat Internet-Zugang über den neuen - und schnelleren - Mobilfunkstandard LTE sowie einen deutlich besseren Bildschirm.

Wie der Schuldenschnitt funktioniert

Werden sich die Gläubiger freiwillig am Schuldenschnitt beteiligen?

Dass alle dies tun, ist sehr unwahrscheinlich. Jedenfalls stellen sich die internationalen Finanzkontrolleure von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) laut einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ auf einen erzwungenen Umtausch von griechischen Staatsanleihen ein. Entsprechende nachträgliche Klauseln (Collective Action Clauses/CAC), mit denen ein Verzicht privater Gläubiger erzwungen werden kann, hatte das griechische Parlament im Februar beschlossen.

Warum ist dieser Schritt denn umstritten?

Mit der Aktivierung der Zwangsklauseln würde aus der freiwilligen eine unfreiwillige Umschuldung, durch die auch Kreditausfallversicherungen fällig werden könnten. Diese sogenannten Credit Default Swaps (CDS) waren einer der Gründe, warum die Finanzkrise des Jahres 2008 so dramatische Ausmaße angenommen hatte.

Wovon hängt die Aktivierung der Umschuldungsklauseln ab?

Grundsätzlich kann Griechenland den angestrebten freiwilligen Schuldenschnitt auf alle Gläubiger ausweiten, soweit zwei Drittel der Investoren den Umschuldungsklauseln zustimmen. Voraussetzung ist aber ein Quorum, wonach mindestens die Hälfte aller Anleihegläubiger auf das Umschuldungsangebot reagieren müssen, also überhaupt antworten. Grundsätzlich stimmt jeder Gläubiger, der auf das Umschuldungsangebot Athens eingeht, auch den Umschuldungsklauseln zu. Es gibt allerdings die Möglichkeit, das Umschuldungsangebot nicht zu akzeptieren, aber der Aktivierung der Zwangsklauseln zuzustimmen. Von dieser Möglichkeit dürften insbesondere Gläubiger Gebrauch machen, die auf die Auszahlung ihrer Kreditausfallversicherungen spekulieren.

Wie hoch sind die Erfolgsaussichten für die angepeilte Umschuldung?

Im Grunde recht gut, wobei Erfolg oder Misserfolg von bestimmten Quoten abhängt, die Griechenland gesetzt hat. Demnach scheitert der Schuldenschnitt, falls mehr als 25 Prozent der Anleihebesitzer das Umschuldungsangebot Athens und zugleich die CAC-Aktivierung ablehnen. Stimmen hingegen mehr als 75 Prozent der Gläubiger dem Angebot zu, wird es komplizierter: Liegt die Zustimmung unter 90 Prozent, kommt es darauf an, ob sich Griechenland und seine öffentlichen Geldgeber mit der Entlastung durch den Schuldenschnitt zufriedengeben. Stimmen hingegen mehr als 90 Prozent der Gläubiger dem Angebot zu, soll der Schuldenschnitt auf jeden Fall durchgeführt werden.

Welche freiwillige Beteiligung wird erwartet?

Die von Griechenland und seinen öffentlichen Geldgebern anvisierte Zustimmung von mindestens 90 Prozent gilt als sehr hohe Zielmarke, die vermutlich nicht erreicht werden wird. Realistischer ist eine Zustimmung zwischen 75 und 90 Prozent sowohl zum Umschuldungsprogramm als auch zu den CACs. Dann würde die Entscheidung, ob die Umschuldung erfolgt und über die CACs auf alle Gläubiger ausgeweitet wird, letztlich bei Athen und seinen Partner-Staaten liegen. Was passiert, wenn mehr als ein Viertel der Gläubiger ablehnen? In diesem Fall soll die anvisierte geordnete Umschuldung nicht weiter verfolgt werden. Griechenland bliebe die Möglichkeit eines „harten“, ungeordneten Schuldenschnitts. Die Konsequenzen sind aber kaum vorhersehbar, sowohl für Athen als auch für seine Gläubiger. Deshalb gilt dieser Fall unter Experten als unwahrscheinlich.

Welche Entlastung ergibt sich für Athens Schuldenstand?

Liegt die Zustimmung der Investoren über 75 Prozent, geht die italienische Großbank UniCredit von einer Schuldenreduzierung um bis zu 110 Milliarden Euro aus. Dieser Maximalwert wird aber nur dann erreicht, falls Athen die Zwangsklauseln aktiviert und den Schuldenschnitt auf alle privaten Gläubiger ausweitet. Sollten die CACs nicht gezogen werden und es zu einem rein freiwilligen Schuldenerlass kommen, hängt die Schuldenreduktion vom Ausmaß der Beteiligung ab.

Die Zitterpartie um den historischen Schuldentausch in Griechenland hielt den Aufwärtstrend in Grenzen. Es blieb weiter unklar, ob die Regierung in Athen und die privaten Gläubiger den vereinbarten Schuldenschnitt fristgerecht bis Donnerstagnacht über die Bühne bekommen. Sollten sich nicht ausreichend Gläubiger daran beteiligen, droht eine ungeordnete Staatspleite.

Auf den Verkaufszetteln standen Aktien von Minenkonzernen wie Freeport McMoRan Copper & Gold, die 1,1 Prozent nachgaben. Indonesien will mit neuen Gesetzen stärker an den Rohstoffen des Landes beteiligt werden und begrenzt die Beteiligung ausländischer Konzerne an den Minen.

Wie der Wall-Street-Handel lief

Video: Wie der Wall-Street-Handel lief

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An der New York Stock Exchange wechselten rund 800 Millionen Aktien den Besitzer. 2359 Werte legten zu, 637 gaben nach und 84 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,6 Milliarden Aktien 1845 Titel im Plus, 641 im Minus und 108 unverändert.

Von

rtr

Kommentare (1)

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puenktli

07.03.2012, 22:37 Uhr

Ja logisch geht es aufwärts in den USA. Muss es ja, pünktlich vor den Wahlen. Gold runter, Dollar rauf, Statistiken frisiert und hooorayyh vorwärts zum Endsieg! Für wie dumm verkauft man uns denn eigentlich? Wenn dann die wirklichen saisonbereinigten Wahrheiten ans Licht kommen, schaut hoffentlich niemand hin. Es ist doch seit Jahren immer dieselbe Peinlichkeit, die uns das Propaganda-Büro liefert.

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