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05.09.2014

22:24 Uhr

Börse New York

Auffahrt trotz schwacher Arbeitsmarktzahlen

Die US-Börsen gehen die fünfte Woche in Folge mit Gewinnen aus dem Handel. Und das, obwohl die Wirtschaft im August viel weniger neue Jobs geschaffen hat als erwartet. Für Aufatmen sorgte die Waffenruhe in der Ukraine.

Händler an der Wall Street: Die Zinswende rückt näher. AFP

Händler an der Wall Street: Die Zinswende rückt näher.

New YorkDie US-Börsen haben am Freitag trotz unerwartet schwacher Arbeitsmarktdaten leicht zugelegt. Es sei zwar enttäuschend, dass im August statt der erwarteten 225.000 lediglich 142.000 neue Jobs geschaffen wurden, sagte Russell Price, Volkswirt bei AmeriPrise Financial. „Aber die Wirtschaft nimmt immer noch Fahrt auf."

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,4 Prozent im Plus auf 17.137 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 notierte 0,5 Prozent höher bei 2007 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte um 0,5 Prozent auf 4582 Stellen vor.

Im Wochenvergleich verbesserten sich Dow und S&P um 0,2 Prozent, die Nasdaq um 0,1 Prozent. Damit gingen die US-Börsen die fünfte Woche in Folge mit Gewinnen aus dem Handel.

Wie der Wall Street-Handel lief

Arbeitsmarktdaten dämpfen Stimmung

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In Frankfurt schloss der Dax 0,2 Prozent höher bei 9747 Punkten. Damit summierte sich sein Wochengewinn auf 2,9 Prozent.

Für Aufatmen sorgte die Waffenruhe zwischen der ukrainischen Regierung und den pro-russischen Separatisten. Aus den zuvor umkämpften Gebieten wurde bis zum späten Abend kein Bruch des Pakts gemeldet. Die Leitindizes der Moskauer Börse schlossen fester.

Dem Dollar setzte der schwache US-Arbeitsmarktbericht ebenfalls zu. Der Euro verteuerte sich auf 1,2961 Dollar, nachdem er am Vortag als Reaktion auf die überraschende Zinssenkung und die geplanten milliardenschweren Wertpapierkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) auf ein 14-Monats-Tief von 1,2918 Dollar gefallen war.

Eine schnelle Zinserhöhung durch die Fed sei mit diesen Job-Daten vom Tisch, sagte Wayne Kaufman, Chef-Marktanalyst von Phoenix Financial. "Die Notenbanken sind stärker daran interessiert, eine Rezession zu verhindern als eine Inflation. Das ist ein großartiges Umfeld für Aktien." Der EuroStoxx50 konnte seine Gewinne dennoch nicht halten und verlor 0,1 Prozent auf 3275,25 Zähler.

Händler an der New York Stock Exchange: Die US-Arbeitsmarktdaten können nicht überzeugen. dpa

Händler an der New York Stock Exchange: Die US-Arbeitsmarktdaten können nicht überzeugen.

Bei den US-Einzelwerten brachen Gap um mehr als vier Prozent ein. Der Umsatz des Bekleidungseinzelhändlers war im August überraschend um zwei Prozent zurückgegangen.

Dagegen stiegen die Papiere von Prana Biotechnology um 19 Prozent. Das Prana-Präparat gegen die Huntington-Krankheit wurde von der US-Gesundheitsbehörde als Medikament gegen seltene Krankheiten eingestuft. Damit winken dem Unternehmen bei einer Zulassung Vermarktungsvorteile.

Was Volkswirte über die EZB-Entscheidung halten

Martin Wansleben, DIHK-Hauptgeschäftsführer

„Die EZB muss endlich aus ihrer Feuerwehrrolle herauskommen. Das gelingt nur mit mehr Elan und Konsequenz bei den Strukturreformen - gerade in den großen Volkswirtschaften der Euro-Zone. Dafür konnte die Geldpolitik den Staaten lediglich Zeit verschaffen. So richtig es ist, den Markt für Verbriefungen wiederzubeleben: Das Mittel der Wahl dafür ist eine bessere Regulierung, damit Investoren hier wieder aktiv werden. Hingegen hilft ein Ankaufprogramm für Kreditverbriefungen nichts, wenn die Lage vieler Unternehmen in den Krisenstaaten noch immer so schlecht ist, dass eine vorsichtige Kreditvergabe geboten erscheint. Zugleich birgt diese Maßnahme das Risiko, dass die EZB zur zentralen Bad Bank der Euro-Zone wird.“

Alexander Krüger, Bankhaus Lampe

„Das letzte Aufbäumen der EZB gegen die Krise hat begonnen. Ein breit angelegtes Wertpapierkaufprogramm ist nur eine Frage der Zeit. Es ist aber zu befürchten, dass diese Maßnahmen letztlich erst recht zu rezessiven Tendenzen führen.“

Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands

„Das beschlossene Kaufprogramm kann den europäischen Banken bei der Stärkung ihrer Bilanzen helfen. Die schwache Kreditexpansion in der Währungsunion liegt in vielen Euro-Staaten aber vor allem an der geringen Bonität der Schuldner. Hier kann das ABS-Programm keine Abhilfe schaffen. Die EZB wäre deshalb gut beraten, weiterhin mit Nachdruck wirtschaftspolitische Reformen anzumahnen, die den Euro-Raum wieder auf einen verlässlichen Wachstumskurs bringen. (...) Die ökonomischen Wirkungen der heutigen Zinssenkung sind vernachlässigbar. Die Gefahr, dass der Euro-Raum in eine gefährliche Deflationsspirale rutscht, ist nach wie vor gering.“

Hans-Werner Sinn, Ifo-Präsident

„Die EZB hatte ihr Pulver schon viel zu früh verschossen und die Zinsen zu weit gesenkt. Jetzt ist sie in der Liquiditätsfalle. Sie kann an dieser Stelle kaum noch etwas tun. Bedauerlicherweise deutet sich auch der Kauf von Anleihen durch die EZB an. Damit würde sie das Investitionsrisiko der Anleger übernehmen, wozu sie nicht befugt ist, weil es sich dabei um eine fiskalische und keine geldpolitische Maßnahme handelt. Eine solche Politik ginge zulasten der Steuerzahler Europas, die für die Verluste der EZB aufkommen müssten.“

Ralf Umlauf, Helaba

„Die Notenbanker argumentieren mit den zuletzt schwachen Konjunkturdaten und der geringen Inflation. Auch die gesunkenen mittelfristigen Inflationserwartungen wurden thematisiert. In diesem Zusammenhang wurden auch die Projektionen für Wachstum und Inflation in diesem Jahr nach unten angepasst. Insofern bleibt die Tür für weitergehende Lockerungsschritte weit geöffnet.“

Eugen Keller, Metzler Bank

„EZB-Chef Mario Draghi hat geliefert, warum auch immer. Für uns ist das nicht gerade eine glückliche Maßnahme. Alle Banken und Vermögensverwalter sind jetzt in noch größerer Not, ihre Liquidität irgendwo zu parken, ohne bestraft zu werden. Auch die Sparer dürften sich verraten fühlen und werden immer mehr ins Risiko gezwungen.“

Marco Bargel, Postbank-Chefsvolkswirt

„Das ist überraschend. Eine Zinssenkung hatte niemand so richtig auf der Agenda - zumal sie konjunkturell nichts bringt und verpuffen wird. Die Deflationsgefahr lässt sich damit nicht vertreiben. Dazu bedarf es eher eines Anleihen-Kaufprogramms. Die EZB signalisiert mit ihrer Maßnahme aber, dass sie sehr weit zu gehen bereit ist. Das ist eher ein symbolischer Schritt. Die realwirtschaftlichen Folgen sind bescheiden.“

An der New York Stock Exchange wechselten rund 610 Millionen Aktien den Besitzer. 1895 Werte legten zu, 1119 gaben nach und 158 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,63 Milliarden Aktien 1469 im Plus, 1218 im Minus und 128 unverändert.

Die US-Kreditmärkte zeigten sich nach den Job-Daten uneinheitlich. Die zehnjährigen Anleihen gewannen 1/32 auf 99-12/32. Die Rendite sank auf 2,446 Prozent. Der 30-jährige Bond ließ 11/32 auf 98-5/32 Federn und rentierte mit 3,222 Prozent.

Von

rtr

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