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17.10.2013

00:38 Uhr

Börse New York

Deal in Washington stärkt Wall Street

In den USA ist die Haushaltskatastrophe abgewendet, ein Deal nähert sich. Die Märkte ließen sich bereits von der Hoffnung antreiben und schlossen mit Gewinnen. Doch es gab noch andere Gründe zum Feiern.

Wie der Wall-Street-Handel lief

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New YorkDie Aussicht auf eine Einigung im US-Haushaltsstreit hat die US-Börsen am Mittwoch angetrieben. Zudem legten zahlreiche Firmen Quartalszahlen vor, die die Erwartungen zumindest nicht enttäuschten. „Die Bilanz-Saison hat einen guten Start hingelegt“, sagte Jonathan Golub von RBC Capital Markets.

Der Dow-Jones-Index legte 1,4 Prozent zu und schloss mit 15.373 Punkten fast auf seinem Tageshoch. Der breiter gefasste S&P-500 legte ebenfalls 1,4 Prozent auf 1721 Zähler zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq stieg um 1,2 Prozent auf 3839 Punkte. In Frankfurt schloss der Deutsche Aktienindex 0,5 Prozent fester mit 8846 Stellen.

Im US-Haushaltsstreit verständigten sich Demokraten und Republikaner im Senat auf ein gemeinsames Vorgehen, um die ab Donnerstag drohende Zahlungsunfähigkeit der Bundesregierung zumindest bis 2014 hinauszuschieben. Aus Kongress-Kreisen hieß es zudem, auch im Repräsentantenhaus dürfte sich eine Mehrheit für den Entwurf finden. Wann die beiden Kammern formell über den Kompromiss entscheiden, war zunächst unklar.

So beeinflussen die USA die weltweiten Börsen

Warum steigen die Börsenkurse trotz des US-Haushaltsstreits?

Erstmals in seiner 25-jährigen Geschichte knackte der Dax in dieser Woche die Marke von 8800 Punkten, auch an anderen Aktienmärkten ging es nach oben. Getrieben wurden die Kurse von der Hoffnung der Anleger, dass im Haushaltspoker in Washington noch eine Lösung gefunden wird. Doch das ist nicht der einzige Grund.

Was bewegt die Börsen sonst noch?

Die Notenbanken fluten die Märkte mit extrem billigem Geld, damit soll die Konjunktur angeregt werden. Die Hoffnung auf Kursgewinne und Dividenden in Zeiten extrem niedriger Zinsen locken Investoren seit Monaten an den Aktienmarkt. „Die Finanzmarktexperten bleiben optimistisch. Ein größerer Einfluss des Streits über die Schuldenobergrenze in den USA ist derzeit nicht sichtbar“, sagt ZEW-Präsident Clemens Fuest. Zudem sorgt der Beginn der Berichtssaison mit guten Zahlen einiger US-Konzerne für Lichtblicke.

Wie lange pumpen die Notenbanken noch billiges Geld in den Markt?

Ein rascher Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik ist angesichts der schwachen Konjunktur weder bei der US-Notenbank Fed noch bei der Europäischen Zentralbank wahrscheinlich. Im Gegenteil: Die EZB hatte klar gemacht, dass sie den Geldhahn so schnell nicht zudrehen wird.

Hatte die Fed nicht die Drosselung ihrer Anleihenkäufe angekündigt?

Notenbankchef Ben Bernanke hatte im Juni in Aussicht gestellt, die Anleihenkäufe noch in diesem Jahr zurückzufahren und Mitte 2014 eventuell auslaufen zu lassen - vorausgesetzt, die Konjunktur zieht an. Doch die Fed kauft weiter jeden Monat Anleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar (63,6 Milliarden Euro). Da Etatstreit und Verwaltungsstillstand das Wachstum bremsen dürften, könnte der Einstieg in den Ausstieg auch in den USA noch auf sich warten lassen. „Wenn die Etatschlacht Wirtschaft und Finanzmärkte zu hart trifft, dürfte die Drosselung der Anleihenkäufe auf März verschoben werden“, schätzt Unicredit-Ökonomin Chiara Silvestre.

Was passiert, wenn es keine Einigung gibt?

Je länger die Hängepartie dauert, umso nervöser dürften die Märkte werden. Sobald ernsthafte Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der USA aufkämen, sei mit schwersten Erschütterungen zu rechnen, sagen Experten. Ökonom Brian Horrigan von Natixis Global Asset Management warnt vor einem Absturz: „Die Kombination aus einer Panik im Finanzsektor mit plötzlichen, tiefen Einschnitten bei den Staatsausgaben und steigender Unsicherheit könnten leicht zu einer Rezession führen.“ Die Ratingagentur Fitch droht den USA mit dem Verlust ihres Spitzenratings. Fitch fürchtet, dass die Regierung ihre Angestellten im schlimmsten Fall nicht mehr bezahlen kann und Sozialleistungen ausbleiben: „All das würde die Wahrnehmung der US-Kreditwürdigkeit sowie die Wirtschaft beschädigen.“ Für die Ratingexperten wäre aber am schlimmsten, wenn das Vertrauen in das System und in den Dollar als weltweite Reservewährung verloren ginge.

Wie lange kann die Hängepartie dauern?

An diesem Donnerstag ist die Schuldengrenze erreicht: Wenn sich die politischen Lager nicht auf eine Anhebung verständigen, dürfen sich die Vereinigten Staaten kein neues Geld mehr am Kapitalmarkt leihen. Mit dem Stichtag ist aber nicht automatisch Schluss: Dem Staat bleiben dann noch rund 30 Milliarden Dollar an Barreserven, um seine Verpflichtungen zu erfüllen. Das ist allerdings zu wenig, um zum Beispiel bald anstehende 60 Milliarden Dollar an Rentenzahlungen zu leisten. Ohne neue Kredite würde es danach richtig ernst, auch um die Zinsen und Tilgungen für US-Staatspapiere zu zahlen.

Ist bei einer Einigung alles im Lot ?

Das Image der USA als Weltmacht ist bereits angekratzt. Die Streitereien untergraben das Vertrauen in das Funktionieren des politischen Systems. Hinzu kommen ökonomische Folgen. „Untersuchungen zeigen, dass die Konjunktur durch einen Anstieg der politischen Unsicherheit zumindest vorübergehend erheblich gedämpft werden kann“, erklärt Ökonom Nils Jannsen vom Institut für Weltwirtschaft (IfW). Unternehmen hielten sich mit Investitionen zurück, Verbraucher zögerten größeren Anschaffungen hinaus. Erste Ökonomen haben bereits ihre Prognosen für die weltgrößte Volkswirtschaft gesenkt.

Was bedeutet das für die Anleger?

Die Börsen sind nervös. Am Dienstag sorgte die Hoffnung auf eine Einigung im Haushaltsstreit für einen Höhenflug. Doch die Luft ist dünn. Weil sich der Poker am Mittwoch hinzog, erstarrten die Börsianer wie das Kaninchen vor der Schlange. Privatanleger sollten sich derzeit also gut überlegen, ob sie ein- oder aussteigen wollen. Doch alternative Anlagen sind weiter unattraktiv. Das Sparbuch wirft so gut wie nichts mehr ab, Staatsanleihen von Ländern mit guter Bonität wie Deutschland bringen mickrige Erträge, meist unter der Inflationsrate.

Bei den Einzelwerten stand die Bank of America im Blick: Das Geldhaus hat die Finanzkrise endgültig hinter sich gelassen und Altlasten im Hypothekengeschäft spürbar reduziert. Die Aktien stiegen um 2,2 Prozent.

Der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock konnte die Anleger mit einem Gewinnanstieg im dritten Quartal ebenfalls zufriedenstellen - seine Papiere legten 2,9 Prozent zu. Yahoo -Titel verloren 0,9 Prozent. Der schwächelnde Internetpionier hat in seinem Kerngeschäft mit Online-Anzeigen schwer zu kämpfen.

Zu den größten Verlierern gehörten die Titel des Werkzeugherstellers Stanley Black & Decker. Das Unternehmen musste seine Geschäftsprognosen stutzen, der Kurs der Aktie brach um 14 Prozent ein.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 75 Millionen Aktien den Besitzer. 2392 Werte legten zu, 592 gaben nach und 94 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,72 Milliarden Aktien 1829 im Plus, 724 im Minus und 84 unverändert.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Frank62

17.10.2013, 01:54 Uhr

„In den USA ist die Haushaltskatastrophe abgewendet“
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