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13.07.2016

23:44 Uhr

Börse New York

Die Wall Street schnauft durch

Nach der Rekordjagd am gestrigen Dienstag, hat sich die Wall Street eine Atempause gegönnt. Offenbar suchen die Märkte nun nach einem zusätzlichen Antrieb. Vor den anstehenden Quartalsberichten steigt die Spannung.

Händler an der New Yorker Stock Exchange. AP

Bewegung auf dem Parkett

Händler an der New Yorker Stock Exchange.

New YorkAn der Wall Street ist am Mittwoch nach neuen Rekordständen Ruhe eingekehrt. Die Börsenbarometer Dow Jones und S&P-500 notierten wenig verändert, nachdem sie im frühen Handel abermals auf Höchstwerte geklettert waren. „Nach der kräftigen Rally suchen die Märkte jetzt nach zusätzlichem Antrieb“, sagte Andre Bakhos, Geschäftsführer des Finanzdienstleisters Janlyn Capital. Die anstehenden Quartalsberichte der Unternehmen werden seinen Worten zufolge die weitere Richtung vorgeben.

Anlagestratege Daniel Kern vom Vermögensverwalter TFC Financial Management sagte: „Ich glaube, es wird schwer für uns, noch viel weiter nach oben zu gehen, wenn es nicht ein paar positive Überraschungen gibt.“

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,1 Prozent höher bei 18.372 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 trat bei 2152 Punkten auf der Stelle. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab dagegen 0,3 Prozent auf 5006 Punkte nach. In Frankfurt ging der Dax 0,3 Prozent schwächer bei knapp 9931 Punkten aus dem Handel.

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Zu den Verlierern an der Wall Street zählten insbesondere Energieaktien. Im Dow Jones gehörten ExxonMobil und Chevron mit moderaten Abschlägen zu den schwächeren Werten. Im S&P 500 ging es für ConocoPhillips sogar um 2,12 Prozent bergab. Die Titel des Öldienstleisters Halliburton sanken um 1,78 Prozent. Wie aus einem Bericht des US-Energieministeriums hervorgeht, sind die heimischen Bestände an Rohöl in der vergangenen Woche wie erwartet gefallen.

Die Aktie des Botox-Herstellers Allergan legte dagegen 0,6 Prozent zu. Die Ratiopharm-Mutter Teva stach mit einem Kursplus von 3,81 Prozent heraus. Der Pharmakonzern blickt zuversichtlicher als bisher auf das zweite Quartal und erwartet nun einen Umsatz von bis zu 5 Milliarden US-Dollar sowie einen bereinigten Gewinn je Aktie (EPS) von bis zu 1,22 Dollar. Damit liegt Teva über den Analystenprognosen. Zudem veröffentlichte der Konzern die mittelfristigen Geschäftsziele bis 2019.

Beim Düngerkonzern Mosaic konnten sich die Anleger über ein Plus von 3,51 Prozent freuen. Dass der K+S-Rivale die Kaliförderung in einem kanadischen Bergwerk für den Rest des Jahres aussetze, belege seine Kostendisziplin, lobte Jonas Oxgaard vom US-Analysehaus Bernstein Research.

Jetblue-Papiere zogen 1,1 Prozent an. Die Titel von American Airlines zollten dagegen dem gestrigen Kurssprung Tribut und sanken um 0,61 Prozent. Der bestätigte Margenausblick gab keine positiven Impulse. Am Dienstag hatten die Aktien der Fluggesellschaft gut 11 Prozent gewonnen - dank einer positiven Branchenstudie und der erwarteten Gewinnsteigerung durch Kreditkarten-Abkommen mit der Citigroup und Barclays.

Für Tesla-Papiere ging es um 0,94 Prozent bergab, nachdem der Elektroauto-Hersteller einen weiteren tödlichen Unfall mit seinem Fahrassistenz-System „Autopilot“ bestätigt hatte. Tesla-Chef Elon Musk betonte ungeachtet der Ermittlungen der US-Verkehrsbehörde NHTSA, das System werde weiterhin aktiviert bleiben. Den Fahrern solle in einem Blogeintrag aber besser erklärt werden, wie es funktioniere und wie sie sich dabei verhalten sollten, sagte Musk dem „Wall Street Journal“.

Die besten Anlagen im ersten Halbjahr 2016

Aktien USA

Zu Jahresbeginn ging es auch für die großen US-Aktienindizes kräftig nach unten, später erholten sich die Börsen jedoch - anders als in Europa wieder deutlich - und steuerten sogar auf neue Jahreshochs zu. Der Brexit verhagelte auch US-Anlegern die Stimmung. Dennoch liegt Leitindex Dow Jones auf Halbjahressicht 2,9 Prozent im Plus. Für Euro-Anleger ist der Gewinn etwas geringer, aus 100.000 investierten Euro wurden für sie aber immerhin 100.720 Euro.

Aktien Schwellenländer

Die Aktien der Schwellenländer haben sich insgesamt von ihrem Absturz des vergangenen Jahres erholt als der MSCI Index für Emerging Markets noch um 16 Prozent abgestürzt war. Im ersten Halbjahr 2016 legte der auf Dollar lautende Index gut fünf Prozent zu. In Euro gerechnet blieb ein Plus von 3,07 Prozent – aus 100.000 Euro machten Anleger 103.070 Euro.

US-Staatsanleihen

Die Unsicherheit der Investoren hat US-Staatsanleihen Zulauf beschwert Dazu kommt, dass Investoren inzwischen nicht mehr daran glauben, dass die US-Notenbank Fed ihren im Dezember vergangenen Jahres ganz vorsichtig eingeleiteten Zyklus der Leitzinserhöhungen fortsetzt. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in US-Staatsanleihen gesteckt hat, hat jetzt 103.320 Euro.

Euro-Unternehmensanleihen

Seit Juni kauft die Europäische Zentralbank (EZB) Euro-Anleihen von Unternehmen abseits der Bankbranche mit guter Bonität. Die Käufe beziehungsweise schon vorher die Erwartung der EZB als neuen großen Investor trieben die Kurse. Gemessen am Index der Bank of America Merrill Lynch verdienten Anleger mit den Firmenbonds 5.350 Euro, wenn sie im Januar 100.000 Euro investierten.

Deutsche Staatsanleihen

Bundesanleihen sorgten im ersten Halbjahr für viel Aufsehen. Die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank, die Niedrigzinsen und die Unsicherheit der Anleger über die wirtschaftliche Entwicklung bescherten den deutschen Staatsanleihen regen Zulauf. Selbst die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe rentiert im Minus, am Tag nach dem Brexit-Entscheid fiel sie auf bis zu minus 0,17 Prozent. Für Anleger, die gleich zu Jahresbeginn 100.000 Euro in deutsche Staatsanleihen investierten machten damit Gewinn aus den minimalen Zinsen und den deutlichen Kurssteigerungen von 6.800 Euro.

Anleihen Schwellenländer

Die Anleihen der Schwellenländer haben sich kräftig erholt. Das liegt auch daran, dass die US-Zinswende stockt und die Renditen der US-Staatsanleihen so deutlich gefallen sind. Außerdem haben sich die Fundamentaldaten in vielen Emerging Markets verbessert. Euro-Anleger machten mit auf Dollar lautenden Staatsanleihen gemessen am Index von JP Morgan einen Gewinn von 10.160 Euro, wenn sie am Jahresanfang 100.000 Euro investierten.

Gold

Gold glänzte nach einer fünfjährigen Talfahrt wieder. Zum einen sorgte die Unsicherheit der Anleger mit Blick auf die Weltwirtschaft für die Flucht in die Krisenwährung Gold. Zum anderen machen die Negativrenditen vieler Staatsanleihen in der Euro-Zone und in Japan Gold als Anlage erneut attraktiver. Allein im Juni stieg der Goldpreis um 8,5 Prozent. So stark ist er in einem Juni zuletzt im Jahr 1980 gestiegen. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in Gold investierte hat nach einem halben Jahr 122.860 Euro.

Öl

Der Ölpreis fiel zwar bis Ende Januar auf ein Zwölfjahrestief von rund 27 Dollar, setzte dann aber zu einer Rally an und kostet aktuell rund 50 Dollar. „Das liegt vor allem, dass die USA deutlich weniger Öl produzieren“, erklärt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. In Euro gerechnet wurden aus 100.000 am Ölmarkt investierten Euro auf 130.450 Euro.

Sojabohnen

Auftrieb gab es auch bei vielen Agrarrohstoffen, die ebenfalls ihre jahrelange Talfahrt stoppten. Hauptgründe dafür waren Dürren und extreme Wetterlagen, die teils die Ernte bedrohen. Allen voran stieg der in Dollar notierte Preis für Sojabohnen um fast 35 Prozent. Aus 100.000 in den Agrarrohstoff investierten Euro wurden so im ersten Halbjahr 131.800 Euro.

Aktien Peru

Die Börse in Peru ist als Überraschungsaufsteiger weit nach vorne gerückt, nachdem die Kurse zuvor fast vier Jahre stetig gefallen waren. Aus 100.000 an der Börse in Lima investierten Euro wurden in diesem Jahr bislang 142.990 Euro. Die US-Bank Goldman Sachs sieht Peru „makrookönomisch in optimaler Verfassung“ mit zunehmenden Wirtschaftswachstum und sinkender Inflation. Allerdings sind die Umsätze an der Börse gering, und dort sind nur wenige Werte notiert.

Aktien Brasilien

Der brasilianische Bovespa-Index legte in den ersten sechs Monaten des Jahres zweistellig zu, nachdem er im Januar noch auf ein Siebenjahrestief gefallen war. Da auch der zuvor unter die Räder gekommene Real deutlich aufwertete machten Anleger die 100.000 Euro in Brasiliens Leitindex investiert haben, daraus im ersten Halbjahr 143.420 Euro. Besser schnitt keine andere Anlage ab. Dabei setzen Anleger nach der Ablösung von Präsidentin Dilma Rousseff auf ein Ende des politischen Stillstands und auf Reformen. Aber: Brasilien steckt nach wie vor in der Rezession, als wirtschaftlich gerechtfertigt, gilt der Börsenaufschwung in dieser Form nicht.

Schlussstand für alle Werte: 30.06.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Der Eurokurs kämpfte im New Yorker Handel mit der Marke von 1,11 US-Dollar und kostete zuletzt 1,1094 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs davor auf auf 1,1072 (Dienstag: 1,1092) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9032 (0,9016) Euro.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 840 Millionen Aktien den Besitzer. 1391 Werte legten zu, 1605 gaben nach und 120 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,64 Milliarden Aktien 1166 im Plus, 1647 im Minus und 183 unverändert.

Die US-Kreditmärkte erholten sich nach zwei Tagen mit Kursabschlägen. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 14/32 auf 101-14/32. Die Rendite sank auf 1,468 Prozent. Der 30-jährige Bond erhöhte sich um 1-9/32 auf 107-2/32 und rentierte mit 2,177 Prozent. Händler erklärten die Aufschläge mit der starken Nachfrage bei einer milliardenschweren Auktion von 30-jährigen Papieren und kursgünstigen Anschaffungen.

Wie der Wall Street-Handel lief

US-Börsen auf Rekordniveau

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