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20.12.2013

00:02 Uhr

Börse New York

Dow Jones mit neuem Rekord – Facebook gibt nach

Einen Tag nach der Verkündung der Fed, ihr Anleihenkaufprogramm zurückzufahren, kehrt an der Wall Street der Börsenalltag ein. Der Dow Jones übertrumpfte seinen Rekord vom Vortag. Facebook stand im Fokus der Anleger.

Anleger an der Wall Street: Kurzer Ausnahmezustand. ap

Anleger an der Wall Street: Kurzer Ausnahmezustand.

New YorkDie Blue Chips an der Wall Street haben am Tag nach dem Anfang vom Ende der ultra-lockeren Fed-Geldpolitik ihren Rekordkurs fortgesetzt. Der Dow-Jones-Index ging am Donnerstag zwar nur minimal höher aus dem Handel, übertraf damit aber dennoch das Allzeithoch vom Vortag.

Die meisten Händler hakten die Fed-Entscheidung jedoch ab und wendeten sich wieder anderen Themen zu: Etwa dem Weihnachtsgeschäft, den Firmenbilanzen für das vierte Quartal und der Entwicklung am Arbeitsmarkt. Dort löste ein unerwarteter Anstieg der Erstanträge Sorgen um die Entwicklung der US-Konjunktur aus.

Der Dow Jones mit den 30 Standardwerten schloss 0,1 Prozent fester bei 16.179 Punkten. Im Verlauf pendelte er zwischen 16.121 und 16.194 Stellen. Der breiter gefasste S&P 500 gab 0,1 Prozent nach auf 1809 Stellen. Der technologielastige Nasdaq-Index büßte 0,3 Prozent ein auf 4058 Zähler. Der Dax schloss 1,7 Prozent fester mit 9335 Punkten. Damit näherte er sich seinem Rekordhoch vom Monatsanfang auf etwa 100 Zähler.

Die US-Notenbank hatte am Mittwoch bekanntgegeben, das Volumen ihrer Wertpapierkäufe ab Januar um zehn auf monatlich 75 Milliarden Dollar zu reduzieren. Sie bekannte sich jedoch gleichzeitig zu einer langfristigen Nullzinspolitik, was viele Anleger über die Straffung der ultra-lockeren Geldpolitik hinwegtröstete. Die Fed hatte ihre Entscheidung am Mittwoch noch während des laufenden US-Handels bekanntgegeben, die Kurse hatten daraufhin zugelegt.

Kurswechsel der US-Notenbank: Fed drosselt überraschend Konjunkturhilfen

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"Es war ein starkes Jahr, und ich wäre nicht überrascht, wenn Investoren ihr Jahr schon heute oder morgen abschließen", sagte Doug Foreman von Kayne Anderson Rudnick Investment Management. Es scheine wenig wahrscheinlich, dass es bis zum Jahreswechsel noch großes Potenzial nach oben gebe. Ohnehin interessierten sich Händler mehr und mehr für Geschäftszahlen der Unternehmen im laufenden Quartal, sagte Rick Meckler von LibertyView Capital Management. "Bis wir genau wissen, wie es um die Feiertagseinkäufe bestellt ist, wird der Markt kaum großartig zulegen können." Der Konsum macht einen Löwenanteil der US-Wirtschaftsleistung aus.

Bei den Einzelwerten stand unter anderem Facebook mit einem Rückgang von ein Prozent im Fokus. Der Chef des sozialen Netzwerks, Mark Zuckerberg, hatte den Verkauf von Aktien im Wert von 2,3 Milliarden Dollar bekanntgegeben.

Kurswechsel bei der Fed – Ist die Geldschwemme jetzt zu Ende?

Warum blicken die Finanzmärkte so nervös auf die Fed-Entscheidungen?

Die extrem lockere Geldpolitik der Fed ist der entscheidende Treibstoff für die Rally an den Börsen. Seit 2008 pumpt die US-Notenbank auf beispiellose Weise Geld in den Markt. Einmal hält sie die Zinsen nahe Null – und damit auf historisch niedrigem Niveau. Außerdem hat sie zu einem eigentlich unkonventionellen Instrument gegriffen und kauft Monat für Monat mit quasi frisch gedruckten Dollar-Noten Anleihen auf. Auf beide Arten kommt die Wirtschaft zu Massen billigen Geldes.

Welche Folgen hat die Geldschwemme?

Weil andere Anlagen angesichts niedriger Zinsen unattraktiv sind, fließen viele Milliarden in Aktien – die Börsen klettern von Rekord zu Rekord. So oder so soll die US-Konjunktur weiter angekurbelt werden, um endlich auch dem lahmenden Arbeitsmarkt der weltweit größten Volkswirtschaft auf die Sprünge zu helfen. Bisherige Faustregel: Sobald die Arbeitslosenquote von derzeit immer noch rund sieben Prozent unter 6,5 Prozent sinkt, sollte über die erste Anhebung der Leitzinsen nachgedacht werden.

Was ändert sich nun im Detail?

Auf den ersten Blick beginnt die große Wende in der US-Geldpolitik. Im Detail zeigt sich aber, dass faktisch alles beim Alten bleibt. Das Anleihe-Kaufprogramm wird zunächst nur etwas gedrosselt und soll dann allmählich auslaufen. Noch wichtiger: Das Versprechen extrem niedriger Zinsen soll noch für längere Zeit weiter gelten.

Warum ist der große Schock an den Märkten ausgeblieben?

Die Sorge war groß, dass die Fed allzu abrupt ihren Kurs wechseln könnte. Allein die Ankündigung von Fed-Chef Ben Bernanke, über das sogenannte „Tapering“ nachzudenken, hatte vor rund einem halben Jahr für massive Turbulenzen an den globalen Finanzmärkten gesorgt. Diesmal lief es anders, weil Bernanke seine seit langem befürchtete Botschaft geschickt verpackt hat – und die Märkte so sehr behutsam auf die Veränderungen vorbereitete. Er versprach nicht nur weiter niedrige Zinsen, sondern auch, dass die Fed nicht mehr automatisch die geldpolitischen Zügel anzieht, sollte sich die Lage am Arbeitsmarkt weiter spürbar aufhellen. „Die US-Notenbank hat in den vergangenen Wochen genug Zuversicht in die konjunkturelle Erholung der US-Wirtschaft gewonnen. Das ist ein positives Signal – nicht nur für die USA, sondern für den globalen Konjunkturausblick 2014“, schreibt der Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel.

Was ändert sich für Sparer?

Auf absehbare Zeit nichts. Weil auch die Europäische Zentralbank (EZB) an ihrer extremen Niedrigzinspolitik festhält, werden Sparbücher hierzulande auf absehbare Zeit weiterhin nur maue Renditen abwerfen. Unklar ist es, ob sich die ebenfalls niedrigen Kapitalmarktzinsen für Anleihen wieder bessern. Weil deutsche Staatspapiere in der Euroschuldenkrise als sicherer Hafen gelten, hängt die Entwicklung dort unter anderem davon ab, ob sich die Lage in den Euro-Krisenländern weiter stabilisiert.

Geht jetzt auch die Rekordjagd des Dax weiter?

Der Deutsche Aktienmarkt reagierte mit leichten Kursgewinnen auf die Fed-Ankündigung. Einige Analysten rechnen damit, dass der Dax 2014 die Marke von 10.000 Punkten knacken wird. Sie hoffen, dass Anleger nicht mehr in erster Linie auf die Notenbanken schielen, sondern dass die guten Aussichten in der realen Wirtschaft wieder zur treibenden Kraft an den Finanzmärkten werden.

Titel des SAP-Rivalen Oracle legten nach besser als erwarteten Geschäftszahlen um rund sechs Prozent zu.

Berichte über ein geplantes Gebot von Dish für T-Mobile US ließen die Aktien des Satelliten-TV-Betreibers um etwa ein Prozent steigen, während die Titel der Telekom-Tochter fast neun Prozent anzogen.

Der Restaurant-Konzern Darden gab nach einem Gewinnrückgang bekannt, auf Druck eines Finanzinvestors seine Kette Red Lobster verkaufen zu wollen. Die Aktien rutschten daraufhin fast vier Prozent ab.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 0,7 Milliarden Aktien den Besitzer. 1291 Werte legten zu, 1743 gaben nach und 107 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,8 Milliarden Aktien 964 im Plus, 1600 im Minus und 122 unverändert.

Von

rtr

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