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23.07.2014

00:01 Uhr

Börse New York

Erleichterung über Ukraine, Sorge über Nahost

Hoffnung treibt die Kurse in New York an. Anleger sehen nach der Übergabe des MH17-Flugschreibers an malaysische Behörden Lichtblicke im Ukraine-Konflikt. Der Fokus richtet sich wieder mehr auf Unternehmensergebnisse.

Ein Händler in New York zeigt es an: Es geht nach oben. AFP

Ein Händler in New York zeigt es an: Es geht nach oben.

New YorkHoffnungen auf eine Entspannung der Ukraine-Krise haben die Wall Street am Dienstag gestützt. Nach einem anfänglichen Schock wegen der Eskalation in der Ukraine und Nahost scheine sich der Fokus wieder auf die US-Unternehmensergebnisse zu richten, sagte Andreas Paciorek, Analyst von CMC Markets. Eine Verschärfung der Krise in der Ukraine, im Gazastreifen und dem Irak habe aber das Potenzial, die Finanzmärkte ins Wanken zu bringen, warnte Daily-FX-Chefanalyst Jens Klatt.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte um knapp 0,4 Prozent auf 17.113 Punkte zu. Er pendelte zwischen 17.040 und 17.133 Stellen. Der breiter gefasste S&P 500 stieg um 0,5 Prozent auf 1983 Zähler. Zwischenzeitlich war er auf den Rekordstand von 1986 Stellen geklettert. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte 0,7 Prozent auf 4456 Punkte vor. Der Dax schloss 1,3 Prozent höher auf 9734,33 Punkten.

Nach Druck westlicher Staaten hatte der russische Präsident Wladimir Putin zugesichert, bei der Untersuchung des mutmaßlichen Flugzeugabschusses in der Ostukraine seinen Einfluss auf die Separatisten geltend zu machen. Dies wurde an den Märkten als Entspannungssignal aufgenommen.

Die jüngsten US-Inflationsdaten fielen zudem etwa wie erwartet aus und änderten laut Börsianern nichts an den zinspolitischen Spekulationen. Der Druck auf die US-Notenbank, verstärkt über eine Zinswende nachzudenken, werde sich in Grenzen halten.

Die schwärzesten Börsentage seit 1987

Vor 1987

Beim größten Crash der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987 - als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index um 23 Prozent einbrechen ließen - hatte es den Dax noch nicht gegeben. Der deutsche Index, in dem die 30 börsennotierten Top-Unternehmen abgebildet sind, wurde erst am 1. Juli 1988 eingeführt. Auf Dax-Basis zurückberechnet hatten sich die Verluste an diesem Tag in Frankfurt aber auf gut neun Prozent belaufen.

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten beim Kauf der US-Fluggesellschaft UAL einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

In Reaktion auf den später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow verliert der Dax gut neun Prozent.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise verliert der Dax im Handelsverlauf bis zu 13 Prozent und schließt mit 3.567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

5. August 2002 und 3. September 2002

US-Rezessionsängste drücken den Dax um 5,7 beziehungsweise 5,8 Prozent in die Tiefe. Darüber hinaus sorgt die Unsicherheit über die Lage im Irak für Aktienverkäufe.

24. März 2003

Wenige Tage nach Beginn des Irak-Krieges wachsen die Zweifel an den Finanzmärkten. Viele Anleger fürchten, der Krieg könnte sehr viel länger als von den USA erwartet dauern. Der Dax stürzt um 6,1 Prozent ab.

21. Januar 2008

Angst vor einer Rezession in den USA drückt den Dax um sieben Prozent auf 6.790 Punkte ins Minus.

15. September 2008

Die Pleite von Lehman drückt den Dax um moderate 2,7 Prozent.

06. Oktober 2008

Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

08. Oktober 2008

Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

10. Oktober 2008

Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

24. Oktober 2008

Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

01. Dezember 2008

Konjunktursorgen lassen den Dax um rund sechs Prozent fallen.

15. März 2011

Vier Tage nach der Erdbebenkatastrophe flüchten die Anleger weltweit aus den Aktienmärkten. Die Kernschmelzen in Fukushima erschüttern das Vertrauen zusätzlich: Der Nikkei-Index schließt 10,6 Prozent im Minus, der Dax verliert zeitweise 5,6 Prozent.

8. August 2011

Die USA verlieren am Wochenende bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer. Obwohl dies keine Überraschung ist, reagieren die Anleger mit Aktienverkäufen in großem Stil. Als an der Wall Street der Dow-Jones-Index 3,4 Prozent abstürzt, beschleunigt der Dax seine Talfahrt und verliert bis zu 5,2 Prozent auf 5921 Punkte.

5. September 2011

Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

1. November 2011

Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

29. Juni 2015

Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

In New York gehörten McDonald's und Coca-Cola zu den Verlierern. Die Aktien gaben 1,3 Prozent beziehungsweise 2,8 Prozent nach. Der Getränkekonzern verdiente trotz der Fußball-WM im zweiten Geschäftsquartal weniger. Bei der Fastfood-Kette geht der Umsatz zurück. Die Papiere der Online-Videothek Netflix büßten 4,6 Prozent ein. Analysten äußerten Bedenken, dass die Expansionspläne für Europa das Unternehmen teurer werden könnten als gedacht. Die Anteilsscheine von Harley-Davidson gaben um 5,4 Prozent nach. Das Unternehmen wird nach eigenen Prognosen dieses Jahr weniger Motorräder verkaufen als erhofft.

Die Papiere von Fluggesellschaften tendierten unterschiedlich, nachdem sie wegen des Gazakonflikts ihre Flüge nach Tel Aviv stoppten. Während Delta Air Lines und United Airlines zulegten, verloren die Aktien der American Airlines Group leicht an Wert. Nach Börsenschluss wurden die Bilanzen von Apple und Microsoft erwartet.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 580 Millionen Aktien den Besitzer. 2080 Werte legten zu, 936 gaben nach, und 141 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,7 Milliarden Aktien 1804 im Plus, 888 im Minus und 104 unverändert.

Trotz der erhofften Entspannung in der Ukraine waren US-Staatsanleihen als sichere Häfen für Geldanlagen aber weiter gefragt. An den Kreditmärkten stiegen die zehnjährigen Staatsanleihen um 2/32 auf 100-9/32. Sie rentierten mit 2,47 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten um 6/32 auf 102-9/32 und hatten eine Rendite von 3,25 Prozent.

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rtr

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