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23.10.2013

23:52 Uhr

Börse New York

Ernüchterung an der Wall Street

Viele Firmen aus dem Börsenindex S&P-500 haben ihre Gewinnerwartungen übertroffen, allerdings sieht es beim Umsatz nicht ganz so gut aus. Auch die geplante Bankenaufsicht der EZB schlägt auf die Wall-Street-Gemüter.

Händler an der NYSE: Inmitten der Bilanzsaison gerät die Frage nach dem Ende der ultralockeren Geldpolitik kurzfristig in den Hintergrund. ap

Händler an der NYSE: Inmitten der Bilanzsaison gerät die Frage nach dem Ende der ultralockeren Geldpolitik kurzfristig in den Hintergrund.

New YorkAn der Wall Street ist nach der jüngsten Rekordjagd Ernüchterung eingekehrt. Enttäuschende Geschäftsberichte von Caterpillar und Chipherstellern erinnerten die Anleger am Mittwoch daran, dass es viele Unternehmen schwerfällt, mit ihren Zahlen die Erwartungen zu übertreffen. "Wir hatten bislang eine gemischte Ausbeute bei den Ergebnissen", sagte Investmentexperte Jerry Villella von JP Morgan Private Bank. "Man muss vorsichtiger sein mit seinen Investments. Die Erwartungen werden gedämpfter."

Bislang haben zwar zwei Drittel der S&P-500-Firmen, die ihre Quartalszahlen vorgelegt haben, die Gewinnerwartungen übertroffen. Bei der Umsatzentwicklung sorgte aber nur etwas mehr als die Hälfte für eine positive Überraschung. Außerdem drückte die Ankündigung der Europäischen Zentralbank auf die Stimmung, in den kommenden zwölf Monaten 128 Banken aus den Euro-Ländern unter die Lupe zu nehmen.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,35 Prozent tiefer auf 15.413 Punkten. Im Handelsverlauf pendelte der Leitindex zwischen 15.366 und 15.465 Stellen. Der breiter gefasste S&P rutschte um 0,5 Prozent auf 1746 Zähler ab. Damit endete eine viertägige Serie, in denen der S&P ein Rekordhoch markierte. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 0,6 Prozent auf 3907 Punkte. In Frankfurt schloss der Dax mit 8919 Punkten 0,3 Prozent niedriger.

Zu den Verlierern zählte der weltgrößte Baumaschinen-Hersteller Caterpillar, der seine Gewinn- und Umsatz-Ziele für 2013 spürbar nach unten schraubte. Die Aktien brachen um 6,1 Prozent ein.

So beeinflussen die USA die weltweiten Börsen

Warum steigen die Börsenkurse trotz des US-Haushaltsstreits?

Erstmals in seiner 25-jährigen Geschichte knackte der Dax in dieser Woche die Marke von 8800 Punkten, auch an anderen Aktienmärkten ging es nach oben. Getrieben wurden die Kurse von der Hoffnung der Anleger, dass im Haushaltspoker in Washington noch eine Lösung gefunden wird. Doch das ist nicht der einzige Grund.

Was bewegt die Börsen sonst noch?

Die Notenbanken fluten die Märkte mit extrem billigem Geld, damit soll die Konjunktur angeregt werden. Die Hoffnung auf Kursgewinne und Dividenden in Zeiten extrem niedriger Zinsen locken Investoren seit Monaten an den Aktienmarkt. „Die Finanzmarktexperten bleiben optimistisch. Ein größerer Einfluss des Streits über die Schuldenobergrenze in den USA ist derzeit nicht sichtbar“, sagt ZEW-Präsident Clemens Fuest. Zudem sorgt der Beginn der Berichtssaison mit guten Zahlen einiger US-Konzerne für Lichtblicke.

Wie lange pumpen die Notenbanken noch billiges Geld in den Markt?

Ein rascher Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik ist angesichts der schwachen Konjunktur weder bei der US-Notenbank Fed noch bei der Europäischen Zentralbank wahrscheinlich. Im Gegenteil: Die EZB hatte klar gemacht, dass sie den Geldhahn so schnell nicht zudrehen wird.

Hatte die Fed nicht die Drosselung ihrer Anleihenkäufe angekündigt?

Notenbankchef Ben Bernanke hatte im Juni in Aussicht gestellt, die Anleihenkäufe noch in diesem Jahr zurückzufahren und Mitte 2014 eventuell auslaufen zu lassen - vorausgesetzt, die Konjunktur zieht an. Doch die Fed kauft weiter jeden Monat Anleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar (63,6 Milliarden Euro). Da Etatstreit und Verwaltungsstillstand das Wachstum bremsen dürften, könnte der Einstieg in den Ausstieg auch in den USA noch auf sich warten lassen. „Wenn die Etatschlacht Wirtschaft und Finanzmärkte zu hart trifft, dürfte die Drosselung der Anleihenkäufe auf März verschoben werden“, schätzt Unicredit-Ökonomin Chiara Silvestre.

Was passiert, wenn es keine Einigung gibt?

Je länger die Hängepartie dauert, umso nervöser dürften die Märkte werden. Sobald ernsthafte Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der USA aufkämen, sei mit schwersten Erschütterungen zu rechnen, sagen Experten. Ökonom Brian Horrigan von Natixis Global Asset Management warnt vor einem Absturz: „Die Kombination aus einer Panik im Finanzsektor mit plötzlichen, tiefen Einschnitten bei den Staatsausgaben und steigender Unsicherheit könnten leicht zu einer Rezession führen.“ Die Ratingagentur Fitch droht den USA mit dem Verlust ihres Spitzenratings. Fitch fürchtet, dass die Regierung ihre Angestellten im schlimmsten Fall nicht mehr bezahlen kann und Sozialleistungen ausbleiben: „All das würde die Wahrnehmung der US-Kreditwürdigkeit sowie die Wirtschaft beschädigen.“ Für die Ratingexperten wäre aber am schlimmsten, wenn das Vertrauen in das System und in den Dollar als weltweite Reservewährung verloren ginge.

Wie lange kann die Hängepartie dauern?

An diesem Donnerstag ist die Schuldengrenze erreicht: Wenn sich die politischen Lager nicht auf eine Anhebung verständigen, dürfen sich die Vereinigten Staaten kein neues Geld mehr am Kapitalmarkt leihen. Mit dem Stichtag ist aber nicht automatisch Schluss: Dem Staat bleiben dann noch rund 30 Milliarden Dollar an Barreserven, um seine Verpflichtungen zu erfüllen. Das ist allerdings zu wenig, um zum Beispiel bald anstehende 60 Milliarden Dollar an Rentenzahlungen zu leisten. Ohne neue Kredite würde es danach richtig ernst, auch um die Zinsen und Tilgungen für US-Staatspapiere zu zahlen.

Ist bei einer Einigung alles im Lot ?

Das Image der USA als Weltmacht ist bereits angekratzt. Die Streitereien untergraben das Vertrauen in das Funktionieren des politischen Systems. Hinzu kommen ökonomische Folgen. „Untersuchungen zeigen, dass die Konjunktur durch einen Anstieg der politischen Unsicherheit zumindest vorübergehend erheblich gedämpft werden kann“, erklärt Ökonom Nils Jannsen vom Institut für Weltwirtschaft (IfW). Unternehmen hielten sich mit Investitionen zurück, Verbraucher zögerten größeren Anschaffungen hinaus. Erste Ökonomen haben bereits ihre Prognosen für die weltgrößte Volkswirtschaft gesenkt.

Was bedeutet das für die Anleger?

Die Börsen sind nervös. Am Dienstag sorgte die Hoffnung auf eine Einigung im Haushaltsstreit für einen Höhenflug. Doch die Luft ist dünn. Weil sich der Poker am Mittwoch hinzog, erstarrten die Börsianer wie das Kaninchen vor der Schlange. Privatanleger sollten sich derzeit also gut überlegen, ob sie ein- oder aussteigen wollen. Doch alternative Anlagen sind weiter unattraktiv. Das Sparbuch wirft so gut wie nichts mehr ab, Staatsanleihen von Ländern mit guter Bonität wie Deutschland bringen mickrige Erträge, meist unter der Inflationsrate.

Die Titel des LED-Herstellers Cree sackten um über 16,9 Prozent ab. Das Unternehmen hatte die Anleger mit seinem Ausblick enttäuscht. Die Chiphersteller Broadcom, Altera und RF Micro Devices konnten mit ihren Zwischenberichten ebenfalls nicht überzeugen: Die Aktien der drei Unternehmen lagen an der Nasdaq zwischen 3 und 13 Prozent im Minus.

Auf der Gewinnerseite stand dagegen Boeing. Der Flugzeugbauer hob nach einem deutlichen Gewinnanstieg im dritten Quartal seine Jahresprognose deutlich an. Die Aktien zogen um 5,4 Prozent an.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 710 Millionen Aktien den Besitzer. 1348 Werte legten zu, 1629 gaben nach und 101 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,88 Milliarden Aktien 998 im Plus, 1539 im Minus und 113 unverändert.

Von

rtr

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