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22.01.2015

22:53 Uhr

Börse New York

EZB-Geldschwemme treibt Wall Street an

Beflügelt von den EZB-Plänen zum massiven Aufkauf von Staatsanleihen können die großen US-Indizes am Donnerstag deutlich zulegen. Bei den Einzelwerten gab es Licht bei Ebay und Schatten bei American Express.

Skeptische Blicke an der Wall Street. Händler in New York versuchen das Anleihekaufprogramm der EZB einzuordnen. AFP

Skeptische Blicke an der Wall Street. Händler in New York versuchen das Anleihekaufprogramm der EZB einzuordnen.

New YorkBeflügelt von den EZB-Plänen zum massiven Aufkauf von Staatsanleihen haben die US-Aktienbörsen am Donnerstag zugelegt. Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigte an, mehr als eine Billion Euro in das Finanzsystem zu pumpen. Damit soll ein Abrutschen der Wirtschaft in eine langanhaltende Schwächephase mit fallenden Preisen auf breiter Front und schrumpfenden Investitionen verhindert werden.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,5 Prozent höher auf 17.813 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 rückte um 1,5 Prozent auf 2063 Zähler vor, der Index der Technologiebörse Nasdaq erhöhte sich um 1,8 Prozent auf 4750 Stellen.

Bei den Einzelwerten verteuerten sich die Aktien von Ebay um sieben Prozent. Der Konzern erwägt neben der Abspaltung seines Bezahldienstes Paypal auch den Börsengang oder den Verkauf der Sparte Enterprise. Händlern zufolge könnten die drei Teile mehr wert sein als es die derzeitige Ebay-Bewertung widerspiegelt.

Blackberry-Papiere stiegen um knapp sechs Prozent. Einem Medienbericht zufolge erwägt Samsung die Übernahme des Smartphone-Herstellers oder zumindest den Kauf eines größeren Anteils. Ein Übernahmeangebot der Royal Bank of Canada trieb die Aktien der US-Bank City National um knapp 19 Prozent in die Höhe. RBC will das Geldhaus für 5,4 Milliarden Dollar kaufen. Rund ein Fünftel an Wert verloren Papiere von Lands End. Bei dem auch in Deutschland aktiven Modehändler liefen die Geschäfte im Schlussquartal schlechter als erwartet.

Die zentralen Punkte der EZB-Anleihekäufe

Gesamtvolumen

Zunächst etwa 1,14 Billionen Euro

Laufzeit

Ab März bis mindestens Ende September 2016 und bis sich die Inflation nachhaltig angepasst hat an eine Rate von knapp 2,0 Prozent.

Was wird gekauft

unter anderem Staatsanleihen mit Investmentgrad (diese sind von mindestens guter Kreditwürdigkeit) mit einer Laufzeit von 2 bis 30 Jahren, Anleihen von EU-Institutionen und Unternehmensanleihen

Aufteilung der Käufe

Die Aufteilung der Anleihekäufe auf die einzelnen Euroländer richtet sich nach dem Landesanteil am EZB-Kapital (Bevölkerungsanzahl und Wirtschaftsleistung). Deswegen werden vor allem deutsche Bundesanleihen gekauft, gefolgt von französischen und italienischen Papieren.

Risikohaftung

Nur 20 Prozent der Anleihekäufe unterliegen einer gemeinsamen Risikohaftung. Dazu zählen die Anleihen von EU-Institutionen, auf die 12 Prozent der Käufe entfallen sollen.

Auf den Verkaufslisten der Börsianer standen auch die Anteilsscheine von American Express mit einem Minus von rund vier Prozent. Der weltgrößte Kreditkartenkonzern streicht als Teil eines Restrukturierungsprogramms mehr als 4000 seiner fast 63.000 Stellen.

Die EZB will Bonds und Staatsanleihen im Volumen von 60 Milliarden Euro pro Monat aufkaufen. Begonnen werden soll damit im März, das Ende ist für September 2016 angepeilt. EZB-Chef Mario Draghi hielt sich offen, das Programm noch zu verlängern. „Mario Draghi hat geliefert, was er versprochen hat und sogar ein wenig mehr“, sagte Chefstratege Philippe Gijsels von BNP Paribas Fortis Global Markets. Am Vortag hatten Berichte über ein Volumen von monatlich 50 Milliarden Euro kursiert. „Mir fällt nur ein Wort ein: 'Wow'“, sagte NordLB-Analyst Fabian Gerlich.

Die US-Kreditmärkte gaben nach. Die zehnjährigen Staatsanleihen verloren 14/32 auf 103-4/32. Die Rendite stieg auf 1,899 Prozent. Der 30-jährige Bond sank 25/32 auf 111-3/32 und rentierte mit 2,473 Prozent. Händler erklärten die Abschläge mit einer Umschichtung von Kapital aus den Bonds in die riskanteren Aktienmärkte.

Von

rtr

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