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17.09.2016

00:23 Uhr

Börse New York

Finanzwerte und niedrigere Ölpreise belasten die Wall Street

Die Milliardenforderung des US-Justizministeriums an die Deutsche Bank hat für Kursverluste bei Finanzwerten und schlechte Stimmung an der Wall Street gesorgt. Auch US-Konkurrenten kamen dabei unter die Räder.

Läuft der Motor noch? Reuters

Genug graue Daten

Läuft der Motor noch?

New YorkKursverluste bei Finanzwerten wegen der drohenden Mega-Strafe für die Deutsche Bank haben zum Wochenschluss die Wall Street belastet. Das US-Justizministerium will von Deutschlands größtem Geldhaus als Wiedergutmachung für Tricksereien auf dem amerikanischen Immobilienmarkt 14 Milliarden Dollar. Dadurch kamen nicht nur Deutsche-Bank-Aktien unter die Räder, sondern auch die Titel der US-Konkurrenten Goldman Sachs und JPMorgan. Auf die Stimmung drückte zudem der niedrigere Ölpreis und die Nervosität vor der anstehenden Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed in der kommenden Woche.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor 0,5 Prozent auf 18.123 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,38 Prozent auf 2139 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 0,1 Prozent auf 5244 Punkte nach. Am Aktienmarkt stach Oracle mit einem Kursrutsch von 4,75 Prozent negativ heraus. Trotz eines Umsatz- und Ergebnisanstiegs im vergangenen Quartal hatte der Softwarekonzern die Erwartungen der Analysten enttäuscht. Die Anteilsscheine von Apple zollten derweil ihrem jüngsten Höhenflug Tribut: Zum Schluss notierten sie 0,56 Prozent im Minus. Mit dem Verkaufsstart des neuen iPhone 7 ging der Aktie der Schwung aus, für den zuletzt positive Meldungen zu den Vorbestellungen gesorgt hatten. Bei Exxon ging es 1,2 Prozent nach unten. Die Behörden des Bundesstaates New York prüfen einem Insider zufolge, warum der Energiekonzern trotz des Einbruchs beim Ölpreis keine Abschreibungen vorgenommen hat.

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Die US-Regierung verlangt eine überraschend hohe Strafe über 14 Milliarden Dollar von der Deutschen Bank. Das Geldhaus ist zuversichtlich, die Summe herunterhandeln zu können und verweist dabei auf vergleichbare Fälle.

In Frankfurt ging der Dax mit einem Minus von 1,5 Prozent auf 10.276 Punkten aus dem Handel. Das war der tiefste Stand seit Anfang August. Auf Wochensicht beliefen sich die Verluste auf 2,8 Prozent. Der EuroStoxx50 verabschiedete sich mit einem Abschlag von 1,3 Prozent auf 2935 Zähler ins Wochenende. Die drohende Strafe für die Deutsche Bank machte die Anleger nervös. Sie warfen die Titel des größten deutschen Geldhauses in hohem Bogen aus ihren Depots und lösten einen Kurssturz von 8,5 Prozent aus. Auch andere Finanzwerte rauschten in die Tiefe.

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Dagegen gehörten die Anteilsscheine von Intel mit einem Plus von 2,3 Prozent zu den Gewinnern. Der Chipkonzern hob seine Prognose für das dritte Quartal an, weil die Nachfrage nach PCs gestiegen ist.

In der Aussicht auf einen Bieterwettkampf haben sich Anleger mit Aktien des US-Pharmakonzerns Depomed eingedeckt. Die Papiere sprangen um 13 Prozent in die Höhe. Das Unternehmen stellte sich Insidern zufolge selbst zum Verkauf und kam damit dem Druck des aktivistischen Investors Starboard Value nach, der sich im April bei dem Schmerzmittel-Produzenten mit zehn Prozent eingekauft hatte.

Wo die Deutsche Bank überall Ärger hat

US-Sanktionen

Schon länger steht die Deutsche Bank im Verdacht, gegen Sanktionen verstoßen zu haben, die die USA gegen Länder wie den Iran verhängt haben. Für die Missachtung von Sanktionen zahlte das Geldhaus im November 2015 bereits 260 Millionen US-Dollar. Die Bank hatte betont, sie habe sich bereits 2007 aus Iran-Geschäften zurückgezogen. Auch andere Finanzinstitute mussten für Vergleiche in der Sache bereits tief in die Tasche greifen: Die französische BNP Paribas zahlte knapp neun Milliarden Dollar, die Commerzbank 1,45 Milliarden Dollar.

Zinsskandal

Wegen der Manipulation wichtiger Referenzzinssätze wie Euribor und Libor musste die Deutsche Bank viel Geld abdrücken. Die EU-Kommission verhängte bereits Ende 2013 eine Strafe von 1,7 Milliarden Euro gegen sechs Großbanken, davon entfiel mit 725 Millionen Euro (990 Millionen US-Dollar) der Löwenanteil auf das Frankfurter Geldhaus. Die Behörden in Großbritannien und den USA brummten der Bank eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar auf, davon 2,175 Milliarden US-Dollar in den USA und 226,8 Millionen in Großbritannien.

Diese Beträge wurden bis auf 150 Millionen US-Dollar vollständig gezahlt, ein Urteil zu dem ausstehenden Betrag wird für den 7. Oktober 2016 erwartet. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat in ihrem Bericht zur Zinsaffäre eine Reihe von Top-Managern scharf angegriffen und ihnen zu laxe interne Kontrollen beziehungsweise eine mangelnde Aufklärung der Tricksereien vorgeworfen. Darunter war auch Co-Vorstandschef Anshu Jain, der im Frühsommer 2015 sein Amt zur Verfügung stellte. Einen Zusammenhang zwischen dem Rücktritt und dem Bafin-Bericht wies die Bank allerdings zurück.

Mit vier mutmaßlich in den Zinsskandal verwickelten Händlern hat sich die Deutsche Bank in Frankfurt nach langem Hin und Her auf einen Vergleich geeinigt, der ebenfalls Geld kostete. Ob das Zinskapitel wirklich abgeschlossen ist, ist offen. In den USA könnten auch Sammelklagen von Anlegern gegen die Bank zugelassen werden. Sie müssen aber eindeutig nachweisen, dass ihnen durch die Manipulationen Nachteile entstanden sind.

US-Hypotheken

Ende 2013 zahlte die Deutsche Bank 1,4 Milliarden Euro (1,919 Milliarden US-Dollar) für die Beilegung ihres größten Rechtsstreits im Zusammenhang mit fragwürdigen Hypothekengeschäften in den USA. Das Institut soll vor der Finanzkrise beim Verkauf von Wertpapieren, die mit Hypotheken unterlegt sind, falsche Angaben gemacht haben. Andere Verfahren, die die amerikanischen Federal Housing Finance Agency (FHFA) gegen die Deutsche Bank und weitere Häuser angestrengt hatte, sind aus dem Vergleich jedoch ausgeklammert. Auch andere Klagen liegen noch auf dem Tisch und könnten potenziell viel Geld kosten.

CO2

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelte gegen die Bank wegen des Verdachts der Umsatzsteuerhinterziehung im Zusammenhang mit dem Betrug mit CO2-Verschmutzungsrechten. Rund 500 bewaffnete Polizisten und Steuerfahnder hatten deshalb Ende 2012 den Hauptsitz der Bank in Frankfurt und andere Büros durchsucht. Ex-Co-Chef Fitschen und der langjährige Finanzvorstand Stefan Krause gehörten zu ursprünglich 25 Mitarbeitern der Bank, gegen die in der Affäre wegen schwerer Steuerhinterziehung ermittelt wurde. Denn Fitschen und Krause hatten die auf dem CO2-Betrug basierende Steuererklärung unterzeichnet. Im August 2015 erhob die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt schließlich gegen acht beteiligte Kundenbetreuer und Händler der Deutschen Bank Anklage wegen „bandenmäßiger Steuerhinterziehung“. Im Juni 2016 verurteilte das Frankfurter Landgericht sechs ehemalige Beschäftigte der Deutschen Bank, weil sie die millionenschweren Steuerbetrügereien ermöglicht hatten.

Devisen und Derivate

Aufseher, darunter auch die Bafin, gehen dem Verdacht nach, dass Banken am billionenschweren Devisenmarkt ebenfalls getrickst haben. Einige internationale Großbanken haben in der Sache bereits milliardenschwere Vergleiche geschlossen. Die Deutsche Bank als einer der größten Devisenhändler der Welt allerdings noch nicht.

Sie hat Finanzkreisen zufolge aber mehrere Händler vom Dienst suspendiert. Sie stehen offenbar im Verdacht, an Referenzkursen gedreht zu haben. Die Bank ist beklagte in drei Sammelklagen in den USA und zwei kanadischen Sammelklagen, die im September 2015 erhoben wurden. Die Deutsche Bank hat erklärt, dass sie zur Aufklärung des Skandals mit verschiedenen Aufsichtsbehörden zusammenarbeitet und zudem eine interne Untersuchung gestartet hat. Diese Untersuchung ergab nach Angaben aus Finanzkreisen, dass es bislang keinerlei Hinweise auf Tricksereien bei den großen Währungen Euro, Dollar, Pfund und Yen gibt, wohl aber vereinzelt beim russischen Rubel und dem argentinischen Peso.

Vom Haken sind die Frankfurter aber nicht: In der US-Niederlassung der Bank installierte die New Yorker Finanzaufsicht DFS einen Kontrolleur, der sich Finanzkreisen zufolge nun schon seit einigen Monaten das elektronische Devisenhandelssystem genauer anschaut. Demnach sind Algorithmen der Plattform „Autobahn“ Teil der Ermittlungen. Amerikanische und deutsche Aufseher gehen zudem dem Verdacht nach, dass Geldhäuser den viel beachteten Marktindex für Swap-Geschäfte (Isdafix) zu ihren Gunsten beeinflusst haben. Die Deutsche Bank hat für Zinsswap-Manipulationen bereits 50 Millionen US-Dollar zahlen müssen.

Geldwäsche in Russland

Im Juni 2015 war bekannt geworden, dass Ermittler rund um den Globus dem Verdacht nachgehen, russische Kunden könnten über die Deutsche Bank Rubel-Schwarzgeld im Wert von mindestens sechs Milliarden Dollar gewaschen haben. Die Bank hat versprochen, zur Aufarbeitung der Affäre mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Mehrere Mitarbeiter in der Moskauer Niederlassung wurden deshalb vor die Tür gesetzt, darunter auch der ehemalige Chef-Händler in Russland, Tim Wiswell.

Inzwischen hat die Affäre eine neue Dimension erreicht: Das US-Justizministerium und die Finanzbehörde von New York (DFS) prüfen laut einem Medienbericht, ob die Bank gegen Sanktionen verstoßen hat. Dabei gehe es auch um die Frage, ob Geschäfte mit Vertrauten von Russlands Präsident Wladimir Putin gemacht wurden und ob die Bank intern geeignete Vorkehrungen getroffen hat, um solche Verstöße zu verhindern.

US-Steuerstreit

Das US-Justizministerium ermittelt seit mehr als fünf Jahren gegen Finanzinstitute in der Schweiz wegen mutmaßlicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Am Haken haben die Behörden seit 2013 auch die Deutsche Bank. Deren Schweizer Tochter erstatte Selbstanzeige. Finanzkreisen zufolge hat sich die Deutsche Bank bei den US-Behörden gemeldet, weil sie den Verdacht hegte, einige US-Kunden könnten ihr Vermögen in der Schweiz vor dem heimischen Fiskus versteckt haben. Seither würden Daten an die USA geliefert und Anfragen beantwortet. Eine Strafzahlung könne die Bank damit aber wohl nicht abwenden, sondern nur auf einen Rabatt hoffen. Eine Entscheidung steht noch aus. Das Bußgeld kann sich auf bis zu 50 Prozent der versteckten Gelder belaufen. Bereits im Dezember 2010 hatte die Deutsche Bank 550 Millionen US-Dollar Strafzahlungen für Beihilfe zur Steuerhinterziehung zahlen müssen.

An den Devisenmärkten flammten Zinsspekulationen wieder auf, nachdem die US-Verbraucherpreise im August stärker gestiegen waren als Volkswirte erwartet hatten. Sie legten 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu. Der Dollar baute daraufhin seine Gewinne deutlich aus, der Euro verbilligte sich im Gegenzug um fast einen US-Cent auf 1,1155 Dollar. Kaum ein Börsianer rechnet jedoch damit, dass die US-Notenbank Fed bereits bei ihrer nächsten Sitzung kommenden Mittwoch die Zinsen anhebt. Für Dezember ist die Wahrscheinlichkeit an den Terminmärkten aber gestiegen.

Von

rtr

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