Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.10.2013

22:10 Uhr

Börse New York

Geschäftszahlen befeuern die Wall Street

Die großen Konzerne wie Google und General Electric übertrafen am Freitag die Analysten-Erwartungen und sorgten für steigende Kurse. Der S&P 500 wuchs nach seinem gestrigen Rekordhoch weiter.

Broker in der Wall Street: Nachdem der Haushaltsstreit sein Ende gefunden hat, rücken nun die Unternehmenszahlen in den Fokus. dpa

Broker in der Wall Street: Nachdem der Haushaltsstreit sein Ende gefunden hat, rücken nun die Unternehmenszahlen in den Fokus.

New YorkStarke Geschäftszahlen haben die New Yorker Börsen am Freitag beflügelt. Schwergewichte wie General Electric, Google und Morgan Stanley konnten die Anleger mit ihren Bilanzen überzeugen und wurden mit deutlichen Kurszuwächsen belohnt. Zusätzlich zeigten sich Börsianer erfreut über das kräftige Wirtschaftswachstum in China, das bereits in Asien und Europa Zuversicht verbreitet hatte.

Der Standardwerteindex Dow Jones ging 0,2 Prozent höher auf 15.399 Punkten aus dem Handel. Im Verlauf bewegte sich das Marktbarometer zwischen 15.321 und 15.412 Punkten. Der breit gefasste S&P 500 rückte um 0,7 Prozent auf ein Rekordhoch von 1744 Stellen vor. Der technologielastige Nasdaq verbesserte sich um 1,3 Prozent auf 3914 Zähler. Im Wochenverlauf erhöhte sich der Dow um ein Prozent, der S&P um 2,4 Prozent und der Nasdaq um 3,2 Prozent. In Frankfurt schloss der Dax mit einem Plus von 0,6 Prozent bei 8865,1 Punkten. Im Vergleich zur Vorwoche legte er 1,6 Prozent zu.

Wie der Wall Street Handel lief

Video: Wie der Wall Street Handel lief

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Zudem trieben Spekulationen auf zusätzliche Geldspritzen der US-Notenbank die Börsen an. In der Diskussion um den Zeitpunkt für eine Straffung der US-Geldpolitik stünden inzwischen nur noch das erste und zweite Quartal 2014 zur Debatte, sagte Derek Halpenny, Chef-Europa-Analyst der Bank of Tokyo-Mitsubishi. Bislang waren Börsianer davon ausgegangen, dass die Fed ab Dezember 2013 damit beginnt, ihre Wertpapierkäufe im Volumen von 85 Milliarden Dollar monatlich zurückzufahren.

"Da die Amerikaner offenbar Fortschritte in der Haushaltsfrage erzielt haben, ist aus unserer Sicht die Grundlage für einen sehr guten November und Dezember am Aktienmarkt gelegt", sagte Finanzmarkt-Experte Craig Ray vom Anlageberater Wilson King. Für Neil Shah, den Chef-Analysten des Research-Hauses Edison, sind vor allem Industriewerte und Dienstleister in Europa und den USA einen genaueren Blick wert. Sie verfügten über solide Bilanzen und böten attraktive Dividendenrenditen.

Bei den Einzelwerten kletterten Aktien von Google um knapp 14 Prozent auf 1011,4 Dollar. Im Verlauf waren sie sogar auf ein Rekordhoch von rund 1015 Dollar gesprungen. Der Internet-Konzern hatte am Vorabend ein deutliches Plus bei Umsatz und Gewinn bekanntgegeben.

So beeinflussen die USA die weltweiten Börsen

Warum steigen die Börsenkurse trotz des US-Haushaltsstreits?

Erstmals in seiner 25-jährigen Geschichte knackte der Dax in dieser Woche die Marke von 8800 Punkten, auch an anderen Aktienmärkten ging es nach oben. Getrieben wurden die Kurse von der Hoffnung der Anleger, dass im Haushaltspoker in Washington noch eine Lösung gefunden wird. Doch das ist nicht der einzige Grund.

Was bewegt die Börsen sonst noch?

Die Notenbanken fluten die Märkte mit extrem billigem Geld, damit soll die Konjunktur angeregt werden. Die Hoffnung auf Kursgewinne und Dividenden in Zeiten extrem niedriger Zinsen locken Investoren seit Monaten an den Aktienmarkt. „Die Finanzmarktexperten bleiben optimistisch. Ein größerer Einfluss des Streits über die Schuldenobergrenze in den USA ist derzeit nicht sichtbar“, sagt ZEW-Präsident Clemens Fuest. Zudem sorgt der Beginn der Berichtssaison mit guten Zahlen einiger US-Konzerne für Lichtblicke.

Wie lange pumpen die Notenbanken noch billiges Geld in den Markt?

Ein rascher Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik ist angesichts der schwachen Konjunktur weder bei der US-Notenbank Fed noch bei der Europäischen Zentralbank wahrscheinlich. Im Gegenteil: Die EZB hatte klar gemacht, dass sie den Geldhahn so schnell nicht zudrehen wird.

Hatte die Fed nicht die Drosselung ihrer Anleihenkäufe angekündigt?

Notenbankchef Ben Bernanke hatte im Juni in Aussicht gestellt, die Anleihenkäufe noch in diesem Jahr zurückzufahren und Mitte 2014 eventuell auslaufen zu lassen - vorausgesetzt, die Konjunktur zieht an. Doch die Fed kauft weiter jeden Monat Anleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar (63,6 Milliarden Euro). Da Etatstreit und Verwaltungsstillstand das Wachstum bremsen dürften, könnte der Einstieg in den Ausstieg auch in den USA noch auf sich warten lassen. „Wenn die Etatschlacht Wirtschaft und Finanzmärkte zu hart trifft, dürfte die Drosselung der Anleihenkäufe auf März verschoben werden“, schätzt Unicredit-Ökonomin Chiara Silvestre.

Was passiert, wenn es keine Einigung gibt?

Je länger die Hängepartie dauert, umso nervöser dürften die Märkte werden. Sobald ernsthafte Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der USA aufkämen, sei mit schwersten Erschütterungen zu rechnen, sagen Experten. Ökonom Brian Horrigan von Natixis Global Asset Management warnt vor einem Absturz: „Die Kombination aus einer Panik im Finanzsektor mit plötzlichen, tiefen Einschnitten bei den Staatsausgaben und steigender Unsicherheit könnten leicht zu einer Rezession führen.“ Die Ratingagentur Fitch droht den USA mit dem Verlust ihres Spitzenratings. Fitch fürchtet, dass die Regierung ihre Angestellten im schlimmsten Fall nicht mehr bezahlen kann und Sozialleistungen ausbleiben: „All das würde die Wahrnehmung der US-Kreditwürdigkeit sowie die Wirtschaft beschädigen.“ Für die Ratingexperten wäre aber am schlimmsten, wenn das Vertrauen in das System und in den Dollar als weltweite Reservewährung verloren ginge.

Wie lange kann die Hängepartie dauern?

An diesem Donnerstag ist die Schuldengrenze erreicht: Wenn sich die politischen Lager nicht auf eine Anhebung verständigen, dürfen sich die Vereinigten Staaten kein neues Geld mehr am Kapitalmarkt leihen. Mit dem Stichtag ist aber nicht automatisch Schluss: Dem Staat bleiben dann noch rund 30 Milliarden Dollar an Barreserven, um seine Verpflichtungen zu erfüllen. Das ist allerdings zu wenig, um zum Beispiel bald anstehende 60 Milliarden Dollar an Rentenzahlungen zu leisten. Ohne neue Kredite würde es danach richtig ernst, auch um die Zinsen und Tilgungen für US-Staatspapiere zu zahlen.

Ist bei einer Einigung alles im Lot ?

Das Image der USA als Weltmacht ist bereits angekratzt. Die Streitereien untergraben das Vertrauen in das Funktionieren des politischen Systems. Hinzu kommen ökonomische Folgen. „Untersuchungen zeigen, dass die Konjunktur durch einen Anstieg der politischen Unsicherheit zumindest vorübergehend erheblich gedämpft werden kann“, erklärt Ökonom Nils Jannsen vom Institut für Weltwirtschaft (IfW). Unternehmen hielten sich mit Investitionen zurück, Verbraucher zögerten größeren Anschaffungen hinaus. Erste Ökonomen haben bereits ihre Prognosen für die weltgrößte Volkswirtschaft gesenkt.

Was bedeutet das für die Anleger?

Die Börsen sind nervös. Am Dienstag sorgte die Hoffnung auf eine Einigung im Haushaltsstreit für einen Höhenflug. Doch die Luft ist dünn. Weil sich der Poker am Mittwoch hinzog, erstarrten die Börsianer wie das Kaninchen vor der Schlange. Privatanleger sollten sich derzeit also gut überlegen, ob sie ein- oder aussteigen wollen. Doch alternative Anlagen sind weiter unattraktiv. Das Sparbuch wirft so gut wie nichts mehr ab, Staatsanleihen von Ländern mit guter Bonität wie Deutschland bringen mickrige Erträge, meist unter der Inflationsrate.

General Electric überzeugte mit einem Rekord-Auftragsbestand und hohen Gewinnmargen in seinen Industriesparten. Die Titel des Mischkonzerns legten 3,5 Prozent zu.

Auch die Investmentbank Morgan Stanley konnte überzeugen, weil sie sich besser als der größere Rivale Goldman Sachs schlug. Obwohl auch Morgan Stanley Einbußen im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren verkraften musste, glichen ein stärkeres Aktien-Geschäft und die immer wichtiger werdende Vermögensverwaltung dies mehr als aus. Morgan-Stanley-Aktien kletterten 2,6 Prozent.

Einer der Verlierer war dagegen der Mischkonzern Honeywell mit einem Abschlag von mehr als zwei Prozent. Der Konzern senkte nach einem enttäuschenden Geschäftsverlauf im dritten Quartal seine Umsatzprognose für 2013.

United Health wurden mit einem Kursrückgang von 3,7 Prozent abgestraft. Der größte US-Krankenversicherer hatte sich am Mittwoch wegen der dortigen Gesundheitsreform zurückhaltend über die Aussichten für 2014 geäußert.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 880 Millionen Aktien den Besitzer. 2162 Werte legten zu, 850 gaben nach und 71 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,92 Milliarden Aktien 1710 im Plus, 828 im Minus und 93 unverändert.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×