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29.06.2015

23:05 Uhr

Börse New York

Grexit-Gefahr drückt US-Börsen ins Minus

Die Verschärfung des griechischen Schuldendramas hat den Aktienhandel an der Wall Street am Montag ins Minus gedrückt. Dow Jones & Co. verlieren jeweils. Insgesamt bleiben die Reaktionen der Aktionäre jedoch verhalten.

Die Bilanzsaison fällt bisher gemischt aus. AFP

Börse New York

Die Bilanzsaison fällt bisher gemischt aus.

New YorkDie Zuspitzung im griechischen Schuldenstreit hat auch die Wall Street zum Wochenauftakt ins Minus gedrückt. Der Abbruch der Verhandlungen zwischen der griechischen Regierung und den Gläubigern schürte an den Finanzmärkten die Furcht vor einer Pleite des Euro-Landes.

Auslöser war die überraschende Ankündigung der griechischen Regierung vom Wochenende, ein Referendum über die Reformforderungen der Geldgeber abzuhalten. Ohne weitere Finanzspritzen kann Griechenland nach Regierungsangaben die nächste 1,6 Milliarden Euro schwere Rate an den Internationalen Währungsfonds (IWF) am Dienstag nicht zurückzahlen.

„Durch die vergleichsweise gefasste Reaktion der Finanzmärkte auf die neue politische Ausgangslage und die hiermit deutlich gestiegene 'Grexit'-Gefahr sehen wir uns in unserer Auffassung bestätigt, dass ein Euro-Ausscheiden Griechenlands zwar ein herber Einschnitt für Europa wäre, aber außerhalb Griechenlands kein Katastrophenszenario darstellt“, erklärte LBBW-Experte Markus Herrmann.

Wie der Wall-Street-Handel lief

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Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss zwei Prozent tiefer auf 17.596 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 2,1 Prozent auf 2057 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank 2,4 Prozent auf 4958 Punkte.

Unter den Einzelwerten standen die Titel des Versicherers Assured Guaranty im Fokus, die mehr als 13 Prozent abstürzten. Hintergrund war eine Herabstufung der Aktie im Zusammenhang mit den Schuldenproblemen Puerto Ricos.

Auf den Verkaufslisten der Börsianer befanden sich auch die Anteilscheine der Banken. Goldman-Sachs-Papiere verbilligten sich um 2,6 Prozent, Bank-of-America-Scheine um knapp drei Prozent.

Der Frankfurter Leitindex Dax verabschiedete sich mit einem Minus von 3,6 Prozent auf 11.083,20 Punkte aus dem Handel. Der europäische Auswahlindex EuroStoxx50 schloss 4,2 Prozent tiefer bei 3468,90 Zählern.

Die schwärzesten Börsentage seit 1987

Vor 1987

Beim größten Crash der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987 - als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index um 23 Prozent einbrechen ließen - hatte es den Dax noch nicht gegeben. Der deutsche Index, in dem die 30 börsennotierten Top-Unternehmen abgebildet sind, wurde erst am 1. Juli 1988 eingeführt. Auf Dax-Basis zurückberechnet hatten sich die Verluste an diesem Tag in Frankfurt aber auf gut neun Prozent belaufen.

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten beim Kauf der US-Fluggesellschaft UAL einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

In Reaktion auf den später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow verliert der Dax gut neun Prozent.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise verliert der Dax im Handelsverlauf bis zu 13 Prozent und schließt mit 3.567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

5. August 2002 und 3. September 2002

US-Rezessionsängste drücken den Dax um 5,7 beziehungsweise 5,8 Prozent in die Tiefe. Darüber hinaus sorgt die Unsicherheit über die Lage im Irak für Aktienverkäufe.

24. März 2003

Wenige Tage nach Beginn des Irak-Krieges wachsen die Zweifel an den Finanzmärkten. Viele Anleger fürchten, der Krieg könnte sehr viel länger als von den USA erwartet dauern. Der Dax stürzt um 6,1 Prozent ab.

21. Januar 2008

Angst vor einer Rezession in den USA drückt den Dax um sieben Prozent auf 6.790 Punkte ins Minus.

15. September 2008

Die Pleite von Lehman drückt den Dax um moderate 2,7 Prozent.

06. Oktober 2008

Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

08. Oktober 2008

Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

10. Oktober 2008

Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

24. Oktober 2008

Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

01. Dezember 2008

Konjunktursorgen lassen den Dax um rund sechs Prozent fallen.

15. März 2011

Vier Tage nach der Erdbebenkatastrophe flüchten die Anleger weltweit aus den Aktienmärkten. Die Kernschmelzen in Fukushima erschüttern das Vertrauen zusätzlich: Der Nikkei-Index schließt 10,6 Prozent im Minus, der Dax verliert zeitweise 5,6 Prozent.

8. August 2011

Die USA verlieren am Wochenende bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer. Obwohl dies keine Überraschung ist, reagieren die Anleger mit Aktienverkäufen in großem Stil. Als an der Wall Street der Dow-Jones-Index 3,4 Prozent abstürzt, beschleunigt der Dax seine Talfahrt und verliert bis zu 5,2 Prozent auf 5921 Punkte.

5. September 2011

Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

1. November 2011

Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

29. Juni 2015

Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

Am Devisenmarkt fiel der Euro zu Wochenbeginn zeitweise um etwa zwei US-Cent auf ein Vier-Wochen-Tief von 1,0953 Dollar, allerdings fing sich die Gemeinschaftswährung relativ schnell wieder und legte am Abend sogar auf 1,1242 Dollar zu.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 870 Millionen Aktien den Besitzer. 282 Werte legten zu, 2874 gaben nach und 70 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von zwei Milliarden Aktien 369 im Plus, 2468 im Minus und 94 unverändert.

Die US-Kreditmärkte legten angesichts der Griechenland-Krise kräftig zu. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 1-9/32 auf 98-7/32. Die Rendite sank auf 2,330 Prozent. Der 30-jährige Bond erhöhte sich um 2-26/32 auf 98-2/32 und rentierte mit 3,100 Prozent. Händler sagten, dass die Staatspapiere als sicherer Hafen gesucht gewesen seien.

Von

rtr

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