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07.10.2013

22:27 Uhr

Börse New York

Haushaltspatt lässt US-Indizes in den Keller rutschen

Der weiterhin ungelöste Haushaltsstreit in den USA und das näher rückende Erreichen der Schuldengrenze drücken am Montag die Wall Street ins Minus. Die Angst der Investoren nimmt zu.

Der weiterhin ungelöste Haushaltsstreit in den USA lässt die amerikanischen Indizes in den Keller rutschen. dapd

Der weiterhin ungelöste Haushaltsstreit in den USA lässt die amerikanischen Indizes in den Keller rutschen.

New YorkDer weiterhin ungelöste Haushaltsstreit in den USA und das näher rückende Erreichen der Schuldengrenze haben am Montag die Wall Street belastet. "Die Angst der Investoren nimmt zu, dass die Politiker die nahende Frist für die Schuldengrenze genauso schlecht in den Griff bekommen wie den Haushaltsnotstand", sagte Direktor Andre Bakhos von Janlyn Capital. Angesichts der schlechten Zusammenarbeit zwischen Demokraten und Republikanern machten sich alle Anleger nur noch wenig Hoffnung und dies spiegelten die schwachen Aktienmärkte wider.

Es gibt bisher keine Anzeichen für Kompromissbereitschaft. Auch am Montag blieben zahlreiche Bundeseinrichtungen geschlossen. Der Kongress hatte sich bis zum Anfang des neuen Haushaltsjahres am 1. Oktober nicht auf einen Übergangsetat geeinigt. Zudem wird die Regierung irgendwann nach dem 17. Oktober wegen der Schuldengrenze nicht mehr in der Lage sein, neue Verbindlichkeiten aufzunehmen.

Was passiert, wenn der Supermacht USA das Geld ausgeht?

Wie wahrscheinlich ist ein Zahlungsausfall der Supermacht?

Experten sind zunehmend besorgt. „Genauso, wie in den fünfziger Jahren ein Nuklearkrieg im Bereich des Möglichen lag, ist auch ein Zahlungsausfall der USA nicht mehr ausgeschlossen“, sagt Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank.

Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank und normalerweise eher als Optimist bekannt, sieht ebenfalls „ernsthafte Risiken“. Robert Halver, Leiter der Aktienanalyse bei der Baader Bank, demonstriert hingegen Zuversicht: „Ich bin mir sicher, sie bekommen das hin.“ Doch fest steht: Die Gelassenheit schwindet. Die politischen Fronten in den USA scheinen verhärteter denn je.

Was passiert am Tag X?

Laut US-Finanzminister Jack Lew muss bis zum 17. Oktober eine Einigung erfolgen, ansonsten kommt die Pleite. Dennoch wird am Tag X zunächst kein Zahlungsausfall bei US-Staatsanleihen eintreten. Nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's könnten sich die USA mit Haushaltstricks noch bis Mitte November über Wasser halten. Dann läuft die Zeit aus. Für viele Analysten wäre dies der größte anzunehmende Unfall.

Sollte es im November zu einem Zahlungsausfall der USA kommen, könnten Anleger in Panik verfallen. „Vor allem bei US-Staatsleihen würde es starke Verwerfungen geben“, sagt Asoka Wöhrmann, oberster Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter DWS.

Nehmen die Märkte die Unsicherheit klaglos hin?

Nein. „Je länger sich die US-Streitigkeiten hinziehen, desto bedrohlicher wird die Situation auch für die internationalen Aktienmärkte und den nationalen Rentenmarkt“, warnt Analyst Jan Bopp vom Bankhaus Metzler. Zwar sind herbe Verluste oder größere Verwerfungen an den Aktienmärkten bislang ausgeblieben.

Zum Wochenstart zeigten die Kurven an den Kurstafeln an den meisten Börsenplätzen allerdings bereits nach unten - sowohl in Asien als auch in Europa. Die Angst vor einem Zahlungsausfall macht sich auch am US-Anleihemarkt bemerkbar: Die Versicherungsprämien auf amerikanische Staatsanleihen haben am Freitag den höchsten Stand in diesem Jahr erreicht.

Warum ist die Schuldenobergrenze überhaupt so wichtig?

Die USA können nur etwa 80 Prozent ihrer staatlichen Ausgaben aus Einnahmen wie beispielsweise Steuern finanzieren. Deshalb muss viel Geld in Form von Krediten an den Finanzmärkten aufgetrieben werden. Das ist grundsätzlich kein Problem. US-Staatsanleihen gelten traditionell als sicher.

Ein Grund: Die USA verschulden sich in der globalen Leitwährung Dollar, die ihre Notenbank Fed theoretisch in unbegrenzter Menge drucken kann. Allerdings hat sich das Land bereits im Ersten Weltkrieg selbst ein Schulden-Limit verordnet.

Das könnte nun zum Verhängnis werden. Das Debakel ist aber vor allem ein Ergebnis politischer Grabenkämpfe - die USA schieben zwar einen enormen Schuldenberg vor sich her, doch das hat ihre Gläubiger bislang noch nie wirklich gestört.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,9 Prozent tiefer auf 14.936 Punkten. Im Handelsverlauf bewegte sich das Marktbarometer zwischen 14.920 und 15.069 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 fiel 0,9 Prozent auf 1676 Zähler und setzte damit seine seit zwei Wochen andauernde Talfahrt fort. Der Index der Technologiebörse Nasdaq ließ ein Prozent auf 3770 Punkte Federn. In Frankfurt schloss der Dax 0,4 Prozent tiefer auf 8591 Zählern.

Bei den Einzelwerten stachen die in New York notierten BlackBerry -Papiere hervor. Der kanadische Smartphone-Pionier, der sich selbst zum Verkauf gestellt hat, befindet sich Kreisen zufolge in Verhandlungen mit SAP, Google und Cisco. Die Aktie stieg um 3,6 Prozent.

Für Boeing hingegen ging es abwärts. Die Aktie büßte 0,4 Prozent ein. Airbus brach mit einem Milliarden-Auftrag die Vormachtstellung des Erzrivalen Boeing in Japan.

Daneben stand noch der Reifenhersteller Tire & Rubber im Mittelpunkt. Bei der Übernahme durch den indischen Konkurrenten Apollo Tyres gibt es Unstimmigkeiten. Die Aktie fiel um knapp 13 Prozent.

Abgestraft wurden auch die Aktien von Time Warner Cable. Die Anteilsscheine verbilligten sich um 1,6 Prozent, nachdem der Kabelnetzbetreiber den Kauf des Glasfaser-Netzwerkbetreibers DukeNet Communications für 600 Millionen Dollar in bar angekündigt hatte.

Auf den Einkaufslisten der Börsianer standen dagegen Apple. Die Dividendenpapiere des iPhone-Herstellers rückten um rund ein Prozent vor. Ein Broker hatte zuvor die Aktie hochgestuft und das Kursziel erhöht.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 590 Millionen Aktien den Besitzer. 633 Werte legten zu, 2377 gaben nach und 91 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,45 Milliarden Aktien 658 im Plus, 1884 im Minus und 100 unverändert.

Von

rtr

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