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17.12.2012

22:33 Uhr

Börse New York

Hoffen auf Ende des Haushaltsstreits beflügelt Wall Street

Die Wall Street ist am Montag mit Gewinnen aus dem Handel gegangen. Doch die Anleger schauten genau auf die Haushaltsverhandlungen der USA und lehnten sich nicht weit aus dem Fenster.

Händler an der New York Stock Exchange an der der Wall Street. dapd

Händler an der New York Stock Exchange an der der Wall Street.

New YorkHoffnung auf ein Ende des US-Haushaltsstreits hat den New Yorker Börsen am Montag Auftrieb verliehen. Vor allem Finanzwerte verbuchten Gewinne. Die Anleger ermutigte, dass die oppositionellen Republikaner US-Präsident Barack Obama am Wochenende konkrete Pläne für eine Erhöhung der Spitzensteuer vorlegten. Verhandlungsführer John Boehner und Obama trafen sich am Nachmittag im US-Präsidialamt für weitere Gespräche. Das Treffen galt als zusätzlicher Hinweis darauf, dass Fortschritte gemacht werden. "Die Wette ist gerade, dass bis Ende dieser Woche etwas dabei herauskommt", sagte Analyst Alan Lancz. Am Markt herrschte ähnlicher Optimismus vor. Auch schwache Daten von der Industrieproduktion im Bundesstaat New York, die zum fünften Mal in Folge zurückging, trübten diesen nicht.

So beeinflussen die US-Etatverhandlungen die Börsen

Szenario I: Einigung

Demokraten und Republikaner verständigen sich auf einen Haushalt, der einen Mix aus Steuererhöhungen für Wohlhabende und Ausgabenkürzungen beinhaltet.

"Die Wahrscheinlichkeit einer Einigung liegt bei 50 Prozent, denn wir befinden uns nicht mehr im Wahlkampf", sagt Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. "Dollar und die Aktienmärkte werden von einer Einigung profitieren." Wegen der starken Exportorientierung der deutschen Wirtschaft könne beim Dax mit einem überdurchschnittlichen Plus gerechnet werden.

Gertrud Traud, Chef-Volkswirtin der Helaba, betont dagegen, eine große Erleichterungsrally sei nicht zu erwarten. Schließlich werde allseits mit einer Einigung gerechnet. Auch Marktanalyst Giuseppe Amato vom Brokerhaus Lang & Schwarz äußert sich skeptisch. Angesichts der kräftigen Kursgewinne in den vergangenen Wochen sei das Enttäuschungspotenzial gewachsen.

Szenario II: Hängepartie

US-Präsident und Parlament einigen sich auf einen Minimal-Kompromiss, der vor allem die Anhebung der Schuldenobergrenze vorsieht. Damit verschaffen sie sich Luft für weitergehende Verhandlungen.

Dieses Ergebnis und eine umfassende Einigung machten für Anleger keinen großen Unterschied, sagt Otmar Lang, Chef-Anlagestratege der Targobank. "Dass es bei den Verhandlungen Reibungsverluste gibt, ist klar. Man wird zu einer Lösung kommen, die den USA nicht schadet. Und was den USA nicht schadet, schadet auch den Märkten nicht."

Szenario III: Keine Einigung

Die US-Politik kann sich nicht auf einen neuen Haushalt einigen. Steuererleichterungen laufen aus und die automatischen Ausgabenkürzungen greifen. Das Land stürzt über die "Fiskalklippe" in eine Rezession.

Dies würde die chinesische Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen und damit auch eine Gefahr für das weltweite Wachstum, warnt Analyst Ruland. "Der Dollar wird voraussichtlich nicht allzu tief fallen, denn schließlich hat die Euro-Zone ebenfalls Probleme. Denkbar wäre eine Aufwertung des chinesischen Yuan."

Lang & Schwarz-Experte Amato malt ein weniger schwarzes Bild. "Wir haben einige Fallschirme im Gepäck." Die Notenbanken - allen voran die Federal Reserve Bank der USA - würden mit frischen Geldspritzen sicher alles daran setzen, einen Absturz der Weltwirtschaft zu verhindern.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss bei relativ geringen Umsätzen um 0,8 Prozent auf 13.235 Punkte höher. Im Handelsverlauf pendelte der Leitindex zwischen 13.134 und 13.244 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 stieg um 1,2 Prozent auf 1430 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq kletterte um ebenfalls 1,3 Prozent auf 3010 Punkte. Der Dax in Frankfurt schloss um 0,1 Prozent höher auf 7604 Stellen.

Sollten sich Demokraten und Republikaner nicht einigen, drohen der weltgrößten Volkswirtschaft zum Jahreswechsel automatische Ausgabenkürzungen und das Ende von Steuererleichterungen, was nach Einschätzung von Experten zu einer Rezession führen könnte. Doch Analysten äußerten sich zunehmend optimistisch: "Sie fangen tatsächlich an, die 'Fiskalklippe" aus der Welt zu räumen", sagte Frank Davis von LEK Securities.

Um 3,0 Prozent bergauf ging es für die Titel von American International Group (AIG). Der einst weltgrößte Versicherer leitete den Verkauf seines restlichen Anteils an der Asien-Tochter AIA an institutionelle Investoren in Hongkong ein. Mit der Sache vertrauten Personen zufolge könnte AIG dabei bis zu 6,5 Milliarden Dollar erlösen.

Langsam erholten sich auch die Apple -Aktien und notierten 1,8 Prozent höher, obwohl die Analysten der Citigroup die Titel auf "neutral" von "buy" heruntergestuft hatten. Die Anteilsscheine des iPad-Herstellers haben in den vergangenen drei Monaten rund 30 Prozent an Wert verloren und gaben allein am Freitag 3,8 Prozent nach. Anleger sorgten sich, dass der erfolgsverwöhnte Konzern an Marktdominanz einbüßen könnte.

Die Pfizer -Aktie stieg um 0,8 Prozent. Der Konzern kündigte an, seine Quartalsdividende um rund neun Prozent anzuheben. Aufwärts ging es auch für Compuware, die 13 Prozent gewannen. Der Hedgefonds Elliott Management will den Software-Hersteller für 2,3 Milliarden Dollar übernehmen.

Die Papiere von Clearwire stürzten um 13,6 Prozent ab. Das Internet-Unternehmen stimmte der zuletzt etwas aufgestockten Offerte des Mobilfunkers Sprint Nextel zu, die restlichen Clearwire-Aktien für 2,97 Dollar je Anteilsschein zu erwerben. Kleinaktionäre von Clearwire konnten ihre Forderung nach mehr Geld damit aber nur bedingt durchsetzen. Sprint-Anteilsscheine erhöhten sich leicht um 0,2 Prozent nach.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 700 Millionen Aktien den Besitzer. 2011 Werte legten zu, 1007 gaben nach und 112 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,9 Milliarden Aktien 1720 Titel im Plus, 769 im Minus und 109 unverändert.

Von

rtr

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