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16.11.2012

22:34 Uhr

Börse New York

Hoffnung auf Lösung im Haushaltsstreit gibt Wall Street neuen Schwung

Der Dow gewann vor dem Hintergrund positiver Haushaltsgespräche. Anleger zeigten sich optimistisch, dass US-Parteiführer und das Weiße Haus eine Lösung finden können. Doch nicht allen lief es so gut.

Händler an der New York Stock Exchange. Es geht abwärts. AFP

Händler an der New York Stock Exchange. Es geht abwärts.

New YorkDie US-Börsen haben zum Wochenschluss zugelegt. Es gebe Hoffnung auf eine Lösung im US-Haushaltsstreit, das stimme die Anleger optimistisch, sagten Händler. Die Republikaner hatten sich zuvor nach einem Treffen mit Präsident Barack Obama und dessen Demokraten im Weißen Haus unter Bedingungen auch zu Gesprächen über höhere Steuern bereit erklärt. Bislang schien der Streit zur Umschiffung der gefürchteten Fiskalklippe festgefahren.

Die Zuspitzung der Krise in Nahost belastete hingegen die positive Grundstimmung. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent stieg aus Sorge vor einem Lieferengpass um weitere 1,1 Prozent.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss mit einem Plus von 0,5 Prozent bei 12.588 Punkten. Im Verlauf war er zwischen 12.471 und 12.604 Stellen gependelt. Der breiter gefasste S&P-500 stieg um 0,5 Prozent auf 1359 Zähler, der Index der Technologiebörse Nasdaq um 0,6 Prozent auf 2853 Punkte. Für die Handelswoche ergibt sich damit für den Dow noch ein Minus von 1,8 Prozent, für den S&P von 1,5 und für die Nasdaq ebenfalls von 1,8 Prozent. Der Deutsche Aktienindex Dax schloss in Frankfurt mit einem Abschlag von 1,3 Prozent bei 6950 Stellen.

Nach dem Treffen zum US-Haushaltsstreit sagten führende Republikaner, sie seien bereit zu Gesprächen auch über höhere Steuern. Das müsse aber einhergehen mit Ausgabenkürzungen des Staates und Änderungen bei Sozialprogrammen. Einigen sich Republikaner und Demokraten nicht, setzen mit Beginn 2013 automatisch Steuererhöhungen und Einsparungen ein.

Die schwärzesten Börsentage seit 1987

Vor 1987

Beim größten Crash der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987 - als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index um 23 Prozent einbrechen ließen - hatte es den Dax noch nicht gegeben. Der deutsche Index, in dem die 30 börsennotierten Top-Unternehmen abgebildet sind, wurde erst am 1. Juli 1988 eingeführt. Auf Dax-Basis zurückberechnet hatten sich die Verluste an diesem Tag in Frankfurt aber auf gut neun Prozent belaufen.

16. Oktober 1989

Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten beim Kauf der US-Fluggesellschaft UAL einen Ausverkauf auslösten.

19. August 1991

In Reaktion auf den später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow verliert der Dax gut neun Prozent.

28. Oktober 1997

Im Sog der Asienkrise verliert der Dax im Handelsverlauf bis zu 13 Prozent und schließt mit 3.567 Punkten acht Prozent niedriger.

1. Oktober 1998

Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

11. September 2001

Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

5. August 2002 und 3. September 2002

US-Rezessionsängste drücken den Dax um 5,7 beziehungsweise 5,8 Prozent in die Tiefe. Darüber hinaus sorgt die Unsicherheit über die Lage im Irak für Aktienverkäufe.

24. März 2003

Wenige Tage nach Beginn des Irak-Krieges wachsen die Zweifel an den Finanzmärkten. Viele Anleger fürchten, der Krieg könnte sehr viel länger als von den USA erwartet dauern. Der Dax stürzt um 6,1 Prozent ab.

21. Januar 2008

Angst vor einer Rezession in den USA drückt den Dax um sieben Prozent auf 6.790 Punkte ins Minus.

15. September 2008

Die Pleite von Lehman drückt den Dax um moderate 2,7 Prozent.

06. Oktober 2008

Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

08. Oktober 2008

Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

10. Oktober 2008

Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

24. Oktober 2008

Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

01. Dezember 2008

Konjunktursorgen lassen den Dax um rund sechs Prozent fallen.

15. März 2011

Vier Tage nach der Erdbebenkatastrophe flüchten die Anleger weltweit aus den Aktienmärkten. Die Kernschmelzen in Fukushima erschüttern das Vertrauen zusätzlich: Der Nikkei-Index schließt 10,6 Prozent im Minus, der Dax verliert zeitweise 5,6 Prozent.

8. August 2011

Die USA verlieren am Wochenende bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer. Obwohl dies keine Überraschung ist, reagieren die Anleger mit Aktienverkäufen in großem Stil. Als an der Wall Street der Dow-Jones-Index 3,4 Prozent abstürzt, beschleunigt der Dax seine Talfahrt und verliert bis zu 5,2 Prozent auf 5921 Punkte.

5. September 2011

Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

1. November 2011

Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

29. Juni 2015

Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

Die Maßnahmen im Volumen von etwa 660 Milliarden Dollar könnten die USA aber zugleich in eine Rezession stürzen. Das Thema belastet die Börsen seit längerem. „Ich gehe mal davon aus, dass die Regierung in irgendeiner Form zu einer Lösung gelangt“, sagte Robert Pavlik von Banyan Partners. Aber mit jedem Tag ohne konkrete Fortschritte gehe der Börsentrend automatisch nach unten.

Im Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis hat die radikal-islamische Hamas am Freitag Jerusalem und Tel Aviv mit Raketen beschossen, verletzt wurde aber niemand. Dennoch wuchs in Tel Aviv die Angst vor Raketenangriffen wie im Golfkrieg vor gut 20 Jahren. Israel schließt eine Bodenoffensive nicht aus. Die Armee kann bis zu 75.000 Reservisten einberufen. Nahe der Grenze fuhren Panzer und Panzerhaubitzen auf.

Bei den Einzelwerten bekam Dell die Enttäuschung der Anleger zu spüren. Der Computer-Hersteller hatte einen deutlichen Rückgang des Quartalsgewinns bekanntgegeben. Die Aktie verlor 7,3 Prozent.

Papiere von Sears verloren knapp ein Fünftel ihres Wertes. Der US-Einzelhändler musste einen Umsatzrückgang hinnehmen. Grund war eine schwache Nachfrage nach Elektroartikeln.

Einen Abschlag von 1,5 Prozent gab es bei Applied Materials . Der Chip-Ausrüster wurde für seine Umsatzprognose abgestraft, die hinter den Markterwartungen zurückblieb.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 0,95 Milliarden Aktien den Besitzer. 2258 Werte legten zu, 784 gaben nach und 67 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,18 Milliarden Aktien 1446 im Plus, 997 im Minus und 102 unverändert.

Von

rtr

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