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27.10.2014

21:28 Uhr

Börse New York

Ifo-Index belastet Wall Street

Die US-Börsen zeigten sich vom deutschen Konjunkturpessimismus beeindruckt. Die großen Indizes verharrten in der Verlustzone. Besonders tief fiel die Aktie eines Pharmakonzerns, der mit seiner Quartalsbilanz enttäuschte.

Händler an der New York Stock Exchange. Nach Börsenschluss werden die Quartalszahlen von Twitter erwartet. Merck hat die Anleger bereits enttäuscht. AFP

Händler an der New York Stock Exchange. Nach Börsenschluss werden die Quartalszahlen von Twitter erwartet. Merck hat die Anleger bereits enttäuscht.

New YorkDie trübe Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat am Montag auch die New Yorker Börsen belastet. Der Geschäftsklima-Index des Ifo-Instituts für Europas größte Volkswirtschaft verschlechterte sich im Oktober den sechsten Monat in Folge und liegt nun so tief wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Der Rückgang war unerwartet deutlich. Dies schürte auch an der Wall Street Konjunktursorgen.

Der Dow-Jones-Index schloss 0,1 Prozent höher bei 16.817 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 fiel dagegen 0,1 Prozent auf 1961 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte um 0,1 Prozent auf 4485 Punkte vor. In Frankfurt verlor der Dax ein Prozent auf 8902 Punkte, der EuroStoxx50 büßte ebenfalls ein Prozent ein.

Zu den größten Verlierern an den New Yorker Börsen gehörte der amerikanische Pharmakonzern Merck & Co. Er enttäuschte mit seinem Umsatz aufgrund abgelaufener Patente und rückläufiger Geschäfte mit einem wichtigen Krebsimpfstoff. Merck-Aktien verbilligten sich um zwei Prozent.

Dagegen profitierte der Festplattenhersteller Seagate Technology von einer starken Nachfrage bei PCs und Internet-basierten Anwendungen, dem Cloud Computing. Gewinn und Umsatz fielen im Quartal höher aus als von Experten vorhergesagt. Die Seagate-Titel stiegen um 0,7 Prozent.

Die Anteilsscheine von Micron Technology kletterten um fast vier Prozent, nachdem der Chipkonzern einen Aktienrückkauf im Volumen von einer Milliarde Dollar bekanntgegeben hatte.

Gefragt waren auch Amazon.com mit einem Kursaufschlag von mehr als einem Prozent. Der Versandhändler übernimmt den Online-Mediendienstleister Rooftop Media.

Nach Börsenschluss wurden die Kennzahlen von Twitter und Amgen erwartet. Twitter-Papiere fielen um 2,8 Prozent.

Börsen in Aufruhr

Was spielt sich derzeit an den Finanzmärkten ab?

Vor allem eingetrübte Konjunkturperspektiven belasten die Märkte. Die Rohstoffpreise - ein Barometer für die wirtschaftliche Lage - befinden sich auf Talfahrt. Zu den Sorgen über die Wirtschaft kommt die Verunsicherung durch Krisen im Nahen Osten und der Ukraine sowie die Furcht vor einer Ausbreitung von Ebola. „Die Anleger sind nervös und nutzen jede Gelegenheit zum Verkaufen, während noch vor Wochen jede Schwäche zum Nachkaufen genutzt wurde“, sagt Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Die Stimmung sei innerhalb kürzester Zeit von fast schon euphorisch auf sehr negativ gedreht. Auch an den Anleihemärkten dominiert die Angst. Die Risikoaufschläge für Papiere aus den europäischen Krisenländern zogen stark an, während die Renditen auf die deutschen Staatspapiere auf Rekordtiefs fielen. Letzteres deutet auf eine große Nachfrage der Investoren hin - die sogenannten Bundesanleihen gelten als sicherer Hafen in Krisenzeiten.
Quelle: dpa

Haben die Anleger die Gefahren für die Wirtschaft zu lange ignoriert?

Tatsächlich haben insbesondere die Aktienmärkte die politischen Krisen und die Gefahren einer globalen Wachstumsschwäche lange Zeit kaum beachtet. Die Notenbanken pumpten billiges Geld in den Markt. Und wegen der mickrigen Zinsen mangelte es an Alternativen, so dass die Anleger in großem Stil zu Aktien griffen. „Befürchtet wird nun ein Übergreifen der Wirtschaftsschwäche und sinkender Inflationsraten aus der Eurozone auf die USA“, sagt Volkswirt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Sind die Notenbanken mit ihrem Latein am Ende?

Während die US-Notenbank Fed jahrelang Milliarden in die Wirtschaft pumpte und Erfolge vorweisen konnte, gilt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bei vielen Ökonomen mittlerweile als wenig wirksam. „Die jüngst von der EZB beschlossenen Maßnahmen zielen auf das Angebot an Krediten ab, aber tatsächlich fehlt es angesichts der wirtschaftlichen Schwäche an Nachfrage“, sagt Volkswirt Keller. Auch die jetzt diskutierten, breit angelegte Staatsanleihekäufe würden nichts am Grundproblem ändern.

Sind die Konjunkturängste gerechtfertigt?

Laut Volkswirten gibt es zwar Grund zur Vorsicht, allerdings sollten die jüngsten Signale nicht überbewertet werden. Nach Einschätzung der Experten von Goldman Sachs gilt das vor allem mit Blick auf die USA. Dort gebe es wenig Anzeichen einer Konjunkturabkühlung. Auch die Ausbreitung des Ebola-Virus sehen die Experten der US-Investmentbank nicht sonderlich kritisch. Es müsse schon viel passieren, bis derartige Ereignisse tiefere Spuren in der Wirtschaft hinterließen. Mit Blick auf Europa hält Graham Secker, Marktstratege bei Morgan Stanley, die Konjunkturaussichten zwar nicht für rosig, aber längst nicht so trübe wie die Anlegerstimmung es signalisiere.

Droht am Ende der große Crash am Aktienmarkt?

Noch sehen Experten keinen Grund für übertriebene Angst. Nach dem starken Lauf der vergangenen Jahre sind auch größere Korrekturen nicht ungewöhnlich. Investoren sollten nicht die Nerven verlieren und blind der Masse hinterherrennen, sagt Marktexperte Saurenz. Möglicherweise nutzten manche Investoren die niedrigen Kurse auch zum Kaufen, was den Markt stützen würde. Viel schlechter könne die Stimmung am europäischen Aktienmarkt nicht werden, schrieb Morgan-Stanley-Experte Secker wie zur Beruhigung.

Auf den Verkaufslisten standen auch die Aktien von ExxonMobil und Chevron wegen der sinkenden Ölpreise. Die Aktien beider Unternehmen gaben rund ein Prozent nach.

Mit einer Verkaufswelle reagierten die Anleger an der brasilianischen Börse auf die Wiederwahl der in der Wirtschaft unbeliebten Präsidentin Dilma Rousseff. Der Leitindex an der Börse in Sao Paolo verlor 4,4 Prozent.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 760 Millionen Aktien den Besitzer. 1308 Werte legten zu, 1737 gaben nach, und 150 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,56 Milliarden Aktien 1235 im Plus, 1424 im Minus und 139 unverändert.

Die US-Kreditmärkte legten zu. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 4/32 auf 101-1/32. Die Rendite sank auf 2,26 Prozent. Der 30-jährige Bond stieg 8/32 auf 101-22/32 und rentierte mit 3,04 Prozent. Händler sagten, dass die festverzinslichen Papiere angesichts enttäuschender Konjunkturdaten als sicherer Hafen gesucht gewesen seien.

Von

rtr

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