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22.09.2011

23:42 Uhr

Börse New York

Investoren treten die Flucht an

Hiobsbotschaften führten zum Ausverkauf an der Wall Street. Die Fed warnte, die Arbeitsmarktdaten enttäuschen und die Ratingagentur Moody's stufte einige US-Banken ab. Gute Nachrichten gab es heute dennoch.

Wolken über der Wall Street Reuters

Wolken über der Wall Street

New YorkDie Warnung der US-Notenbank vor der prekären Lage der amerikanischen Wirtschaft hat am Donnerstag den Pessimismus an der Wall Street verschärft und die Kurse erneut auf Talfahrt geschickt. Schwache Konjunkturdaten aus China fachten die Furcht vor einer globalen Rezession weiter an und trugen dazu bei, dass die US-Börsen den vierten Tag in Folge Verluste verbuchten. Für zusätzliche Unruhe sorgte der als Barometer für die Konjunkturentwicklung geltende US-Paketdienst FedEx mit der Senkung seiner Geschäftsziele. Das Ergebnis dieser Flut von Hiobsbotschaften war der größte Tagesverlust seit mehr als einem Monat.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 3,5 Prozent schwächer bei 10.733 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 fiel um 3,2 Prozent auf 1129 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 3,3 Prozent auf 2455 Punkte. In Frankfurt ging der Dax mit einem Minus von fünf Prozent aus dem Handel.

Anleger zeigten sich besonders beunruhigt darüber, dass die Federal Reserve in ihrer Erklärung von „erheblichen Abwärtsrisiken“ für die US-Wirtschaft sprach. „Die Fed hat alle hier mit dem Wort „erheblich' zu Tode erschreckt. Sie ist sehr vorsichtig bei der Wahl der Adjektive, und das ist ein sehr, sehr starkes“, sagte Jack de Gan von Harbor Advisory. Auch die Ankündigung der Fed, bis Mitte kommenden Jahres für 400 Milliarden Dollar lang laufende Anleihen zu kaufen, enttäuschte die Börsen.

Ziel der sogenannten „Operation Twist“ ist es, die langfristigen Zinsen zu senken und Kredite tendenziell billiger zu machen. Dies soll Wirtschaft und Verbrauchern helfen. Viele Börsianer und Analysten glauben jedoch nicht, dass die Fed das Ruder so herumreißen kann.

Die letzten Tage bereiteten den Börsianern Kopfzerbrechen. AFP

Die letzten Tage bereiteten den Börsianern Kopfzerbrechen.

Auch aus dem Finanzsektor kamen keine ermutigenden Nachrichten, deshalb gehörten die Titel der Branche erneut zu den größten Verlierern. Neben dem Fed-Kommentar belastete hier noch eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit dreier US-Großbanken - Bank of America , Wells Fargo und Citigroup - durch die Ratingagentur Moody's. Bank-of-America-Papiere fielen 5,0 Prozent, Wells-Fargo-Papiere 2,3 Prozent und Citigroup-Papiere 6,1 Prozent.

Die Anteilsscheine von FedEx wurden mit einem Abschlag von über acht Prozent abgestraft. Der Paketdienst steigerte zwar im abgelaufenen Quartal Gewinn und Umsatz. Wegen des schwachen wirtschaftlichen Umfeldes kappte der Deutsche-Post-Konkurrent jedoch seine Jahresprognose.

Der Wirbel um den Führungswechsel bei dem Technologiekonzerns Hewlett-Packard ließ dessen Aktien um fast fünf Prozent einbrechen. Die Zeit des Deutschen Leo Apotheker ist abgelaufen, nun soll die Ex-eBay -Chefin Meg Whitman den angeschlagenen Konzern wieder auf Kurs bringen. Entgegen den Hoffnungen vieler Experten und Investoren werde HP jedoch keine wesentlichen Änderungen an der bisherigen Strategie vornehmen, hieß es. Erste Gerüchte über den Chefwechsel hatten der Aktie am Vortag noch einen Freudensprung von gut sechs Prozent beschert.

Gegen den Markttrend kletterten die Papiere von Goodrich um gut zehn Prozent und profitierten damit von den Übernahmeplänen des Mischkonzerns United Technologies . Dieser will für 16,5 Milliarden Dollar den Flugzeug-Zulieferer kaufen. Die angekündigte Transaktion ist die größte des General-Electric -Rivalen seit einem Jahrzehnt. Die United-Tech-Aktien fielen indes um fast neun Prozent. An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,71 Milliarden Aktien den Besitzer. 343 Werte legten zu, 2724 gaben nach und 37 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,88 Milliarden Aktien 353 im Plus, 2230 im Minus und 48 unverändert.

Wie der Wall-Street-Handel lief

Video: Wie der Wall-Street-Handel lief

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Der Kurssturz an den Aktienmärkten hat bei den US-Staatsanleihen für eine Rallye gesorgt. Händler sprachen von einer massenweisen Flucht der Anleger in als sicher geltende Anlagen. Angesichts der Sorgen um die US-Konjunktur sowie die Schuldenkrise wollten die Investoren jeder Art von Risiko aus dem Weg gehen, hieß es.

So starke Zuwächse wie in den vergangenen beiden Tagen haben die US-Anleihen seit dem Börsen-Crash von 1987 nicht mehr verbucht. Die zehnjährigen Staatsanleihen stiegen 1-12/32 auf 103-25/32. Die Rendite fiel dabei auf 1,71 Prozent und markierte dabei ein neues 60-Jahres-Tief. Die 30-jährigen Bonds legten sogar 4-19/32 auf 119-12/32 zu. Sie rentierten dabei mit 2,79 Prozent.

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