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30.09.2015

22:26 Uhr

Börse New York

Job-Daten geben New Yorker Börsen Auftrieb

Angetrieben von erfreulichen Arbeitsmarktdaten für den Monat September – es wurden mehr Stellen geschaffen als erwartet – haben die US-Börsen am Mittwoch mit einem dicken Plus eröffnet. Besonders Ralph Lauren legte zu.

Die Arbeitsmarktdaten für September beeinflussen die Zinsentscheidung der Fed. ap

Experten an der Börse

Die Arbeitsmarktdaten für September beeinflussen die Zinsentscheidung der Fed.

New YorkBesser als erwartete Arbeitsmarktdaten haben die US-Börsen am Mittwoch angetrieben. Die US-Firmen schufen im September nach Angaben des privaten Arbeitsvermittlers ADP 200.000 neue Stellen nach 186.000 im August. Experten hatten aktuell mit lediglich 194.000 neuen Arbeitsplätzen gerechnet.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,5 Prozent höher auf 16.284 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 rückte um 1,9 Prozent auf 1920 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq kletterte um 2,3 Prozent auf 4620 Stellen. Im Monatsvergleich ließ der Dow 1,5 Prozent Federn, der S&P 2,6 Prozent und die Nasdaq 3,3 Prozent. Im Quartal ergab sich für den Dow ein Abschlag von 7,6 Prozent, für den S&P ein Minus von 6,9 Prozent und die Nasdaq ein Rückgang von 7,4 Prozent.

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Nach den ADP-Daten blicken Fachleute nun mit Spannung auf die am Freitag anstehenden offiziellen Arbeitsmarktdaten für Privatwirtschaft und Staat. Die Zahlen gelten als besonders wichtig, weil die US-Notenbank (Fed) vor der ersten Zinserhöhung seit Jahren weitere Fortschritte am Arbeitsmarkt sehen möchte. Peter Cardillo, Chefvolkswirt bei Rockwell Global Capital, sagte, die ADP-Daten stünden mit der Entwicklung der vergangenen Monate im Einklang. "Die Zinsanhebung ist nur noch eine Frage der Zeit", führte Cardillo aus. "Ich glaube allerdings nicht, dass es schon im Oktober so weit sein wird."

Enttäuschend fiel dagegen der Konjunkturindex für den Großraum Chicago aus. Er signalisierte überraschend ein Schrumpfen des Verarbeitenden Gewerbes der für die US-Konjunktur wichtigen Region im Mittleren Westen.

Unter den Einzelwerten legten Papiere von Ralph Lauren 13,6 Prozent zu. Der gleichnamige Unternehmenschef tritt von der Spitze des von ihm vor knapp einem halben Jahrhundert gegründeten Mode-Konzerns zurück. Sein Nachfolger wird Stefan Larsson von der Marke Old Navy des Rivalen GAP.

Zu den Gewinnern zählten auch Western Digital mit einem Kursaufschlag von 15,3 Prozent. Zuvor war bekanntgeworden, dass die eine Tochtergesellschaften der staatlichen Tsinghua Holdings 15 Prozent an dem Hersteller von Festplattenlaufwerken erwerben und 3,78 Milliarden Dollar investieren will.

Ebenfalls gefragt waren Synaptics mit einem Plus von 27 Prozent. Der Hersteller von Touchpads hat der Agentur Bloomberg zufolge eine Offerte einer chinesischen Investment-Gesellschaft über knapp vier Milliarden Dollar zurückgewiesen.

Wie es nach dem Fed-Entscheid weitergeht

Zinswende bleibt vorerst aus

Noch scheuen sich die Geldpolitiker um Fed-Chefin Janet Yellen, erstmals seit Jahren wieder am Geldhahn zu drehen. Allerdings könnte die US-Notenbank noch in diesem Jahr handeln – und damit auch die Konjunktur im Euroraum anschieben. Seit Ende 2008 liegen die Zinsen in den USA, zu dem Banken Zentralbankgeld leihen können, auf dem Tief zwischen null und 0,25 Prozent.

Warum hat die Fed die Zinsen diesmal nicht angehoben?

Ein Hauptgrund sind die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten. Im August hatte ein Kurssturz in China Europas Börsen in einen Abwärtsstrudel gezogen und an der Wall Street für massive Verluste gesorgt. „Wir achten insbesondere auf China und aufstrebende Märkte“, sagt Yellen. Die Fed spricht von „globalen wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen“, die den Aufschwung gefährden könnten.

Spielt das die Hauptrolle für die Entscheidung der Notenbanker?

Nein. Am wichtigsten sind hohe Beschäftigung und ein stabiles Preisniveau. Die Inflation liegt aber noch deutlich unter dem Zielwert von zwei Prozent, und vom Arbeitsmarkt kommen trotz hoffnungsvoller Zeichen zwiespältige Signale. Aus Sicht von Ökonomen wie Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau ist eine Zinserhöhung angesichts der US-Konjunktur aber schon lange überfällig: „Die US-Wirtschaft dürfte weiter kräftig wachsen, es herrscht praktisch Vollbeschäftigung und die Inflation, obwohl auf niedrigem Niveau, sollte sich in Richtung Zielwert der Fed von zwei Prozent bewegen.“ Die aktuelle US-Konjunkturlage verlange eine Bewegung hin zu Leitzinsen zwischen 2 und 3 Prozent.

Also geht die Spekulation um die Zinswende weiter?

Die Mehrzahl der Notenbanker ist nach wie vor der Meinung, dass die Fed das Ende ihre Nullzinspolitik noch dieses Jahr einläuten sollte. Der Offenmarktausschuss tagt bis Jahresende nur noch zweimal: Ende Oktober und am 16. Dezember. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, erwartet spätestens im Dezember die Zinswende: „Reagieren Janet Yellen und ihre Kollegen auch nicht zum Jahresende, verspielen die Notenbanker ihre Glaubwürdigkeit.“

Ist die Fed zu zaghaft?

Nach Einschätzung vieler Beobachter schon. „Einen Zeitpunkt, zu dem eine Zinserhöhung in einer völlig stabilen weltwirtschaftlichen Situation erfolgt und keine Risiken birgt, wird es kaum geben“, warnt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Das Problem ist, dass der Druck mit jedem Aufschub zunimmt. Schließlich soll beim ersten Zinsschritt nicht der Eindruck entstehen, dass die Ära des ultrabilligen Geldes schlagartig vorüber ist. „Die Haltung der Geldpolitik wird vermutlich noch für einige Zeit nach der anfänglichen Erhöhung der Leitzinsrate hochexpansiv bleiben“, versichert Yellen deshalb.

Warum sind die Zinsen überhaupt auf dem Rekordtief?

Mit den Mini-Zinsen hatte die Fed auf die Finanzkrise von 2008 und die folgende Rezession reagiert. Bei niedrigen Zinsen investieren Unternehmen tendenziell mehr, Verbraucher geben mehr Geld aus. Das schiebt die Konjunktur an.

Welche Folgen hätte eine Zinserhöhung?

Höhere Zinsen verhindern Blasen etwa an Immobilien- und Aktienmärkten sowie eine zu hohe Inflation. Banken verleihen mehr Geld, statt es zu parken. Für viele Sparer sind Zinserträge auch eine wichtige Einnahmequelle. Allerdings würde der Dollar an Wert gewinnen, wenn gleichzeitig andere Notenbanken auf Null-Zins-Kurs bleiben. Das hätte zwei Konsequenzen, betont Targobank-Chefvolkswirt Otmar Lang: „Zum einen brächen die US-Exporte weg, zum anderen würden aus den Schwellenländern sehr hohe Geldbeträge abfließen und dort einen dramatischen konjunkturellen Einbruch herbeiführen. Und das könnte die gesamte Weltwirtschaft schwer in Mitleidenschaft ziehen.“

Wird die EZB die Zügel im Euroraum bald anziehen?

Nein. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Geldschleusen noch lange weit geöffnet und den Zins nahe der Nulllinie lassen. EZB-Präsident Mario Draghi hat sogar weitere Lockerungen in Aussicht gestellt. Liane Buchholz vom Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) rechnet frühestens 2017 mit einem ersten Zinsschritt: „Die extreme Niedrigzinsphase in Europa wird uns noch länger begleiten.“ Das ist gut für Häuslebauer, die ihre Immobilie extrem günstig finanzieren können. Aber es ist schlecht für Sparer, weil vermeintlich sichere Anlagen kaum Geld abwerfen.

Was würde eine frühere Zinserhöhung in den USA für Europa bedeuten?

Steigen die Zinsen in den USA, aber nicht in Europa, gewinnt der Dollar gegenüber dem Euro an Wert. In Dollar gehandelte Importe wie Rohstoffe werden so im Euroraum teurer. Das stärkt den mickrigen Preisauftrieb. Gleichzeitig werden hiesige Produkte auf dem Weltmarkt günstiger. Das befeuert den Export und die Konjunktur im Euroraum.

Twitter -Scheine sprangen mehr als fünf Prozent in die Höhe. Mitbegründer Jack Dorsey wird einem Medienbericht zufolge den Kurznachrichtendienst nun doch dauerhaft führen. Seine Ernennung könne bereits am Donnerstag erfolgen, schreibt die Website für Technologie-Nachrichten Re/code.

Angeführt von Kursgewinnen der Automobilwerte machten die europäischen Aktienbörsen am Mittwoch Boden gut. Der Dax stieg um 2,2 Prozent auf 9660,44 Punkte. Dies bewahrt ihn aber nicht vor einer schlechten Monatsbilanz: Mit 5,8 Prozent ist es der größte September-Verlust seit der Pleite von Lehman Brothers im Jahr 2008. Der EuroStoxx50 gewann 2,3 Prozent, liegt damit aber ebenfalls noch gut fünf Prozent niedriger als zum Vormonatsschluss. "Vielleicht sind heute auch einige Schnäppchenjäger unterwegs, die ihre Monatsbilanz ein wenig aufhellen wollen", sagte ein Händler.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,23 Milliarden Aktien den Besitzer. 2338 Werte legten zu, 761 gaben nach und 109 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,37 Milliarden Aktien 2063 im Plus, 782 im Minus und 146 unverändert.

Die US-Kreditmärkte zeigten sich uneinheitlich. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 2/32 auf 99-19/32. Die Rendite sank auf 2,0438 Prozent. Der 30-jährige Bond verlor 5/32 auf 100-9/32 und rentierte mit 2,8608 Prozent.

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Von

rtr

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