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19.11.2013

22:17 Uhr

Börse New York

Kaum Veränderungen an der Wall Street

An den US-Börsen fehlten am Dienstag die Impulse. Die Wall Street tendierte zwischen zeitlich leicht abwärts, schloss dann aber fast unverändert. Interesse gab es zum Handelsschluss nur für Aktien von JP Morgan.

Auf ihre Bildschirme schauen derzeit nur sehr wenige US-Händler. Es fehlen die Impulse. ap

Auf ihre Bildschirme schauen derzeit nur sehr wenige US-Händler. Es fehlen die Impulse.

New YorkAn den US-Aktienmärkten sind die Anleger nach der jüngsten Rekordjagd vorsichtiger geworden. Die Wall Street schloss am Dienstag insgesamt etwas schwächer. "Es gibt keine Neuigkeiten, die den Markt nach oben treiben, aber auch keine Optionen für die Investoren, ihr Geld anderswo anzulegen", sagte Rick Meckler, Präsident der Investmentfirma LibertyView Capital Management.

Gegen Handelsschluss richtete sich das Interesse der Börsianer auf die milliardenschwere Einigung von JP Morgan Chase im Hypothekenstreit mit der Regierung in Washington. Die Anleger reagierten erleichtert, dass das Institut den Zwist hinter sich lassen will und griffen bei JP Morgan-Aktien zu.

Wie der Wall Street Handel lief

Video: Wie der Wall Street Handel lief

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Der Dow-Jones-Index der Standardwerte pendelte im Verlauf zwischen einem Hoch von 16.025 und einem Tief von 15.943 Punkten. Er verabschiedete sich knapp 0,1 Prozent leichter auf einem Stand von 15.967 Stellen. Der breiter gefasste S&P 500 fiel um 0,2 Prozent auf 1787 Zähler. Beim Index der Technologiebörse Nasdaq betrug das Minus 0,4 Prozent auf 3931 Punkte. In Frankfurt gab der Dax 0,4 Prozent auf 9193 Stellen nach.

"Der Markt wird wahrscheinlich bis Anfang kommenden Jahres auf diesem Niveau bleiben", sagte Meckler von LibertyView. Dann dürfte die US-Notenbank entscheiden, wann der richtige Zeitpunkt gekommen sei, um mit dem Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik anzufangen. Neue Hinweise soll das Sitzungsprotokoll der jüngsten Fed-Zinssitzung liefern, das am Mittwoch veröffentlicht wird.

Steil abwärts ging es am Dienstag mit den Titeln von Best Buy, die fast elf Prozent abrutschten. Der Einzelhändler kehrte zwar dank seiner Sparbemühungen in die schwarzen Zahlen zurück. Doch Anleger sorgten sich um das Weihnachtsgeschäft.

Folgen der Leitzinssenkung

Wie funktioniert der Leitzins?

Der Leitzins bestimmt die Konditionen, zu denen sich Kreditinstitute Geld bei der EZB leihen können. Außerdem richten sich die Banken auch bei ihren Geldgeschäften untereinander nach den Entscheidungen der EZB.

Was, wenn der Leitzins sinkt?

Sinkt der Leitzins, fallen in der Regel auch die Interbankzinssätze. Die niedrigeren Zinsen am Geldmarkt können die Banken an ihre Kunden weiterreichen. Sparzinsen - wie für Tages- oder Festgeld - liegen dabei oft unterhalb des Leitzinssatzes, Kreditzinsen eher darüber. Mit dieser Spanne zwischen Geldmarktzins und den Zinssätzen, die Banken Verbrauchern gewähren oder von diesen kassieren, verdienen die Institute ihr Geld.

Was bedeutet die Leitzinssenkung für Sparer?

Die erneute Leitzinssenkung deutet nach Angaben von Marcus Preu vom Finanzportal Biallo darauf hin, dass die Niedrigzinsphase länger anhält als erwartet. Eine schnelle Trendwende sei damit unwahrscheinlich. „Da schauen die Anleger jetzt erstmal in die Röhre“, sagt Preu. Andererseits profitierten die Verbraucher derzeit von der niedrigen Inflationsrate. Die Verbraucherpreise in Deutschland waren im Oktober im Vergleich zum Vorjahr nur um 1,2 Prozent gestiegen.

Was sollten Verbraucher mit ihrem Ersparten tun?

Nach den Worten von Max Herbst von der FMH Finanzberatung ist es derzeit„"ziemlich egal, ob ich mein Geld zur Bank trage oder zuhause lasse. Einige Sparkassen böten schon jetzt einen Zinssatz von 0,1 Prozent für Tagesgeldkonten. Die Finanzinstitute seien wegen des billigen Geldes derzeit nicht auf das Geld von Privatleuten angewiesen und müssten sie nicht mit attraktiven Sparzinsen locken. „Die Banken brauchen den Anlagekunden momentan nicht“, stellt Herbst fest.

Was bringen langfristige Anlagen?

Verbraucher, die nicht unbedingt auf ihre Rücklagen zurückgreifen müssen, sollten ihr Geld den Experten zufolge längerfristig anlegen, um sich auskömmliche Zinsen zu sichern. Bei zweijähriger Laufzeit gibt es laut Herbst derzeit maximal 1,9 Prozent Zinsen, bei drei Jahren Laufzeit 2,15 Prozent. Bei vierjähriger Laufzeit gebe es 2,30 oder 2,40 Prozent, „aber da wird die Luft schon dünn“, sagt Herbst mit Blick auf die Auswahl attraktiver Festgeldangebote.

Werden Baukredite billiger?

Auch wenn der Leitzins nicht unbedingt der Referenzzins für Baukredite ist, können Bauherren nach den Worten von Preu derzeit "in Ruhe planen". Der zwischenzeitige Zinsanstieg beim Baugeld sei inzwischen wieder gestoppt. Laut Michiel Goris vom Immobilienfinanzierer Interhyp sind die Zinsen für Immobilienkredite mit zehnjähriger Zinsbindung in den vergangenen Tagen zum Teil auf rund 2,5 Prozent gesunken. Er empfehle Immobilienkäufern und Bauherren daher, die derzeit günstigen Zinsen zu nutzen und sie sich langfristig zu sichern.

Was wird aus der Restschuld?

Käufer mit viel Eigenkapital bekämen derzeit einen Immobilienkredit mit einem Zinssatz von 2,5 Prozent, erklärte Goris. Darlehen mit fünfjähriger Zinsbindung seien sogar für rund 1,7 Prozent erhältlich. Derart kurzfristige Finanzierungen kämen aber nur für Anschlussfinanzierungen mit geringer Restschuld in Frage.

JPMorgan gewannen gegen den Trend 0,7 Prozent. Das Institut räumte Fehlverhalten beim Verkauf umstrittener Produkte ein, die als Auslöser der weltweiten Finanzkrise gelten. Mit 13 Milliarden Dollar blättert die Bank für den Vergleich eine Rekordsumme hin, hat aber nach eigenen Angaben 23 Milliarden Dollar für Rechtsstreitigkeiten beiseitegelegt.

Auch die Papiere von Home Depot standen im Interesse. Der Kurs der Baumarktkette stieg um 0,9 Prozent und half, die Verluste des Dow einzudämmen. Das Unternehmen übertraf im abgelaufenen Quartal die Erwartungen und hob seine Geschäftsziele für das Gesamtjahr an.

Eine große Nachfrage gab es nach den Aktien von Tesla Motors, die 3,7 Prozent stiegen. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde hat mit einer Untersuchung begonnen, da zuletzt drei Fahrzeuge des Elektroauto-Herstellers in Brand geraten waren. Anleger kauften dennoch die Papiere, nachdem diese im November fast ein Viertel ihres Wertes verloren hatten.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 645 Millionen Aktien den Besitzer. 905 Werte legten zu, 2072 gaben nach, und 124 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von gut 1,7 Milliarden Aktien 947 Titel im Plus, 1616 im Minus und 80 unverändert.

Von

rtr

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