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05.11.2014

23:26 Uhr

Börse New York

Kongresswahlen und Arbeitsmarkt beflügeln US-Börsen

Die Kongresswahlen haben das Regieren für US-Präsident Barack Obama schwieriger gemacht – doch die Börse nimmt den Sieg der Republikaner positiv auf. Sie erhoffen sich wirtschaftsfreundlichere Gesetze.

Die Niederlage der Demokraten schockt die Anleger nicht: Der Dow Jones notiert am Mittwoch im Plus. ap

Die Niederlage der Demokraten schockt die Anleger nicht: Der Dow Jones notiert am Mittwoch im Plus.

New YorkDer klare Sieg der Republikaner bei den Kongresswahlen und starke Daten vom Arbeitsmarkt haben den US-Börsen am Mittwoch Aufwind verliehen. Zu den größten Gewinnern zählten Energiewerte - Anleger setzten darauf, dass die als wirtschaftsfreundlich geltenden Republikaner die Gesetze für die Branche lockern und eher als die Demokraten etwa den Bau von Pipelines genehmigen oder das Öl-Export-Verbot reformieren. Die Investoren reagierten aber auch erleichtert darauf, dass nun die Mehrheitsverhältnisse klar sind und damit politischer Stillstand unwahrscheinlicher geworden ist.

Der Dow-Jones-Index gewann 0,6 Prozent und schloss bei 17.484 Punkten - nur minimal unter seinem neuen Allzeithoch von 17.486 Stellen, das er im Handelsverlauf erklomm. Der breiter gefasste S&P-500 ging ebenfalls 0,6 Prozent höher bei 2023 Stellen aus dem Handel. Die Technologiebörse Nasdaq dagegen verlor minimal an Boden und schloss mit 4620 Punkten, weil hier schwache Bilanzen den Optimismus trübten. In Frankfurt schloss der Dax 1,6 Prozent höher auf 9315,48 Punkten.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Die Republikaner haben künftig im Senat die Mehrheit und behalten zudem die Kontrolle über das Repräsentantenhaus. Dieses Ergebnis war zwar von vielen erwartet worden, aber einige hatten auch eine Hängepartie für möglich gehalten. "Die Ergebnisse waren ziemlich eindeutig", erklärte John Carey von Pioneer Investment Management. "Das ist eine gute Nachricht für Industriebranchen, die mit behördlichen Auflagen zu kämpfen haben."

Auch der überraschend starke Stellenzuwachs in der US-Wirtschaft überzeugte die Anleger. Nach Angaben des privaten Arbeitsvermittlers ADP wurden im Oktober 230.000 Jobs geschaffen - mehr als Analysten erwartet hatten. Viele Investoren werteten dies als gutes Omen für den amtlichen Arbeitsmarktbericht am Freitag, der am Aktienmarkt mit Spannung erwartet wird. Der ISM-Service-Index fiel dagegen etwas niedriger als gedacht aus und bremste die Börsen etwas.

Der S&P-Energieindex war mit einem Plus von 1,8 Prozent das stärkste Branchenbarometer. Gefragt waren auch die Aktien von Time Warner, die sich um vier Prozent verteuerten. Höhere Abo-Gebühren beim Pay-TV-Sender HBO und der Sparte Turner Broadcasting haben dem Medienkonzern mehr Umsatz beschert.

Die Anteilsscheine des Bewertungsportals TripAdvisor kamen dagegen nach einem überraschend schwachen Quartalsergebnis unter die Räder und büßten 14 Prozent ihres Wertes ein.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 0,8 Milliarden Aktien den Besitzer. 1799 Werte legten zu, 1258 gaben nach und 139 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,98 Milliarden Aktien 1408 im Plus, 1278 im Minus und 137 unverändert.

Die US-Kreditmärkte ließen sich von den Wahlergebnissen kaum beeindrucken. Die zehnjährigen Staatsanleihen blieben unverändert bei 100-09/32. Ihre Rendite stagnierte bei 2,34 Prozent. Die 30-jährigen Bonds gaben 4/32 auf 101-09/32 nach und rentierten mit 3,06 Prozent.

Von

rtr

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