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28.09.2015

22:14 Uhr

Börse New York

Konjunkturdaten aus China belasten US-Börsen

Aus Sorge vor einer Abkühlung der chinesischen Wirtschaft haben sich Anleger auch von den US-Börsen zurückgezogen: Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gab am Montag deutlich nach. Alcoa-Aktien sind jedoch gefragt.

Wie nachhaltig ist der Wachstum der US-Wirtschaft? dpa

Bange Blicke an der NYSE

Wie nachhaltig ist der Wachstum der US-Wirtschaft?

New YorkZum Wochenauftakt haben sich Anleger aus Sorge vor einer Abkühlung der chinesischen Wirtschaft auch aus den US-Börsen zurückgezogen. Auf die Stimmung drückte der Einbruch der Gewinne in der Industrie der Volksrepublik. Nun richteten Investoren ihren Blick auf das Stimmungsbarometer der chinesischen Einkaufsmanager am Donnerstag, sagte Andreas Paciorek, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. Von diesen Daten erhoffen sie sich Hinweise darauf, ob die nach den USA weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft die Talsohle erreicht hat.

Zudem belastete Unsicherheit über den Zeitpunkt der ersten US-Zinsanhebung seit Jahren die Wall Street. US-Notenbankchefin Janet Yellen hatte vergangene Woche erklärt, sie werde die Zinswende wohl noch in diesem Jahr wagen. Wann genau es so weit sein wird, blieb aber offen. Auch aus aktuellen Konjunkturdaten vom Montag, die einen etwas stärker als erwarteten US-Konsum auswiesen, konnten Händler nicht ablesen, ob die Fed schon im Oktober handeln könnte. Die Notenbank hält den Leitzins seit dem Höhepunkt der Weltfinanzkrise Ende 2008 auf dem historisch niedrigen Niveau von null bis 0,25 Prozent.

Die Fed ist nach Angaben ihres Mitglieds Charles Evans jedoch grundsätzlich zu weiteren Konjunkturimpulsen bereit, sollte dies nötig sein. "Sollten sich die Dinge sehr abschwächen", wären zusätzliche Anleiheaufkäufe eine Möglichkeit, sagte der Präsident der Notenbank von Chicago am Montag bei einer Veranstaltung in Milwaukee. Ein Plan B wie dieser müsse in Betracht gezogen werden. Das globale Umfeld bleibe schwierig. Die Wirtschaft könne aber auch überraschend anziehen.

Wie der Wall Street Handel lief

Hoffnung auf Zinspolitik

Wie der Wall Street Handel lief: Hoffnung auf Zinspolitik

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Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,9 Prozent tiefer auf 16.001 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 fiel 2,6 Prozent auf 1881 Zähler, der Index der Technologiebörse Nasdaq drei Prozent auf 4543 Stellen. In Frankfurt ging der Dax 2,1 Prozent tiefer auf 9483,55 Punkte aus dem Handel, der EuroStoxx50 büßte 2,4 Prozent ein.

Der US-Konsum zog im August um 0,4 Prozent zum Vormonat an. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur 0,3 Prozent erwartet. Die Amerikaner gaben vor allem mehr für Autos und andere größere Anschaffungen aus. Ihre Einkommen erhöhten sich um 0,3 Prozent. Die Daten signalisieren, dass die Konjunktur der weltgrößten Volkswirtschaft rund läuft.

Unter den Einzelwerten stiegen Alcoa um 5,7 Prozent. Der Aluminiumkonzern hat überraschend angekündigt, sich in zwei Unternehmen aufzuspalten. Das Traditionsgeschäft der Aluminiumproduktion soll von der Sparte getrennt werden, die höherwertige, weiterverarbeitete Produkte unter anderem für die Autobranche anbietet.

Wie es nach dem Fed-Entscheid weitergeht

Zinswende bleibt vorerst aus

Noch scheuen sich die Geldpolitiker um Fed-Chefin Janet Yellen, erstmals seit Jahren wieder am Geldhahn zu drehen. Allerdings könnte die US-Notenbank noch in diesem Jahr handeln – und damit auch die Konjunktur im Euroraum anschieben. Seit Ende 2008 liegen die Zinsen in den USA, zu dem Banken Zentralbankgeld leihen können, auf dem Tief zwischen null und 0,25 Prozent.

Warum hat die Fed die Zinsen diesmal nicht angehoben?

Ein Hauptgrund sind die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten. Im August hatte ein Kurssturz in China Europas Börsen in einen Abwärtsstrudel gezogen und an der Wall Street für massive Verluste gesorgt. „Wir achten insbesondere auf China und aufstrebende Märkte“, sagt Yellen. Die Fed spricht von „globalen wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen“, die den Aufschwung gefährden könnten.

Spielt das die Hauptrolle für die Entscheidung der Notenbanker?

Nein. Am wichtigsten sind hohe Beschäftigung und ein stabiles Preisniveau. Die Inflation liegt aber noch deutlich unter dem Zielwert von zwei Prozent, und vom Arbeitsmarkt kommen trotz hoffnungsvoller Zeichen zwiespältige Signale. Aus Sicht von Ökonomen wie Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau ist eine Zinserhöhung angesichts der US-Konjunktur aber schon lange überfällig: „Die US-Wirtschaft dürfte weiter kräftig wachsen, es herrscht praktisch Vollbeschäftigung und die Inflation, obwohl auf niedrigem Niveau, sollte sich in Richtung Zielwert der Fed von zwei Prozent bewegen.“ Die aktuelle US-Konjunkturlage verlange eine Bewegung hin zu Leitzinsen zwischen 2 und 3 Prozent.

Also geht die Spekulation um die Zinswende weiter?

Die Mehrzahl der Notenbanker ist nach wie vor der Meinung, dass die Fed das Ende ihre Nullzinspolitik noch dieses Jahr einläuten sollte. Der Offenmarktausschuss tagt bis Jahresende nur noch zweimal: Ende Oktober und am 16. Dezember. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, erwartet spätestens im Dezember die Zinswende: „Reagieren Janet Yellen und ihre Kollegen auch nicht zum Jahresende, verspielen die Notenbanker ihre Glaubwürdigkeit.“

Ist die Fed zu zaghaft?

Nach Einschätzung vieler Beobachter schon. „Einen Zeitpunkt, zu dem eine Zinserhöhung in einer völlig stabilen weltwirtschaftlichen Situation erfolgt und keine Risiken birgt, wird es kaum geben“, warnt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Das Problem ist, dass der Druck mit jedem Aufschub zunimmt. Schließlich soll beim ersten Zinsschritt nicht der Eindruck entstehen, dass die Ära des ultrabilligen Geldes schlagartig vorüber ist. „Die Haltung der Geldpolitik wird vermutlich noch für einige Zeit nach der anfänglichen Erhöhung der Leitzinsrate hochexpansiv bleiben“, versichert Yellen deshalb.

Warum sind die Zinsen überhaupt auf dem Rekordtief?

Mit den Mini-Zinsen hatte die Fed auf die Finanzkrise von 2008 und die folgende Rezession reagiert. Bei niedrigen Zinsen investieren Unternehmen tendenziell mehr, Verbraucher geben mehr Geld aus. Das schiebt die Konjunktur an.

Welche Folgen hätte eine Zinserhöhung?

Höhere Zinsen verhindern Blasen etwa an Immobilien- und Aktienmärkten sowie eine zu hohe Inflation. Banken verleihen mehr Geld, statt es zu parken. Für viele Sparer sind Zinserträge auch eine wichtige Einnahmequelle. Allerdings würde der Dollar an Wert gewinnen, wenn gleichzeitig andere Notenbanken auf Null-Zins-Kurs bleiben. Das hätte zwei Konsequenzen, betont Targobank-Chefvolkswirt Otmar Lang: „Zum einen brächen die US-Exporte weg, zum anderen würden aus den Schwellenländern sehr hohe Geldbeträge abfließen und dort einen dramatischen konjunkturellen Einbruch herbeiführen. Und das könnte die gesamte Weltwirtschaft schwer in Mitleidenschaft ziehen.“

Wird die EZB die Zügel im Euroraum bald anziehen?

Nein. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Geldschleusen noch lange weit geöffnet und den Zins nahe der Nulllinie lassen. EZB-Präsident Mario Draghi hat sogar weitere Lockerungen in Aussicht gestellt. Liane Buchholz vom Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) rechnet frühestens 2017 mit einem ersten Zinsschritt: „Die extreme Niedrigzinsphase in Europa wird uns noch länger begleiten.“ Das ist gut für Häuslebauer, die ihre Immobilie extrem günstig finanzieren können. Aber es ist schlecht für Sparer, weil vermeintlich sichere Anlagen kaum Geld abwerfen.

Was würde eine frühere Zinserhöhung in den USA für Europa bedeuten?

Steigen die Zinsen in den USA, aber nicht in Europa, gewinnt der Dollar gegenüber dem Euro an Wert. In Dollar gehandelte Importe wie Rohstoffe werden so im Euroraum teurer. Das stärkt den mickrigen Preisauftrieb. Gleichzeitig werden hiesige Produkte auf dem Weltmarkt günstiger. Das befeuert den Export und die Konjunktur im Euroraum.

Apple verloren rund zwei Prozent, obwohl der Konzern nach eigenen Angaben binnen drei Tagen nach Markteinführung rund 13 Millionen Stück seiner neuen iPhones 6s und 6s Plus verkauft und damit einen hauseigenen Rekord aufgestellt hat.

Auf den Verkaufslisten der Börsianer standen auch die Papiere des amerikanischen Gaspipeline-Betreibers Williams Companies, der für lediglich knapp 38 Milliarden Dollar vom Konkurrenten Energy Transfer Equity (ETE) übernommen wird. Im Juni hatte Williams eine Offerte von ETE von 53,1 Milliarden Dollar noch als zu niedrig zurückgewiesen. Williams- und ELE-Aktien brachen um jeweils rund zwölf Prozent ein.

Die Aktien von Facebook verloren knapp vier Prozent, nachdem die Internetseite des sozialen Netzwerks nicht mehr aufrufbar war.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,05 Milliarden Aktien den Besitzer. 316 Werte legten zu, 2796 gaben nach und 95 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,37 Milliarden Aktien 452 im Plus, 2397 im Minus und 153 unverändert.

Die US-Kreditmärkte waren als sicherer Hafen gesucht und legten zu. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 20/32 auf 99-4/32. Die Rendite sank auf 2,098 Prozent. Der 30-jährige Bond erhöhte sich um 1-22/32 auf 100-1/32 und rentierte mit 2,874 Prozent.

Von

rtr

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