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23.12.2013

23:39 Uhr

Börse New York

Kurse an der Wall Street klettern auf neue Rekorde

Die US-Börsen setzen ihre Rekordjagd zu Beginn der Weihnachtswoche fort. Immer mehr Investoren gehen davon aus, dass die US-Wirtschaft die Abkehr von der ultra-lockeren Geldpolitik gut verkraften wird.

Am Montag setzt die Wall Street ihre Rekordjagd weiter fort. ap

Am Montag setzt die Wall Street ihre Rekordjagd weiter fort.

New York Die US-Börsen haben auch am Tag vor Heiligabend ihre Rekordjagd fortgesetzt. Angeführt wurde die Rally am Montag vom Schwergewicht Apple, weil sich Anleger viel von einer neuen Allianz mit China Mobile versprachen. Der Dow-Jones-Index stieg erstmals über die Marke von 16.300 Punkten. Heiligabend gibt es in den USA nur einen verkürzten Handel. Am Mittwoch bleiben die Börsen dann geschlossen. Der Umsatz blieb gering, weil viele Anleger bereits im Weihnachtsurlaub sind.

Der Dow Jones mit den 30 Standardwerten ging 0,5 Prozent höher aus dem Handel bei 16.295 Punkten - so hoch hatte er noch nie zuvor geschlossen. Im Handelsverlauf schwankte er zwischen 16.225 und 16.318 Stellen. Auch der breiter gefasste S&P 500 verbuchte einen neuen Rekord-Schlusskurs mit 1828 Punkten - ebenfalls 0,5 Prozent höher als am Tag zuvor. Der technologielastige Nasdaq-Index kletterte 1,1 Prozent auf 4149 Zähler. In Frankfurt schloss der Dax 0,9 Prozent höher auf einem Allzeithoch von 9488,82 Zählern.

Kurswechsel bei der Fed – Ist die Geldschwemme jetzt zu Ende?

Warum blicken die Finanzmärkte so nervös auf die Fed-Entscheidungen?

Die extrem lockere Geldpolitik der Fed ist der entscheidende Treibstoff für die Rally an den Börsen. Seit 2008 pumpt die US-Notenbank auf beispiellose Weise Geld in den Markt. Einmal hält sie die Zinsen nahe Null – und damit auf historisch niedrigem Niveau. Außerdem hat sie zu einem eigentlich unkonventionellen Instrument gegriffen und kauft Monat für Monat mit quasi frisch gedruckten Dollar-Noten Anleihen auf. Auf beide Arten kommt die Wirtschaft zu Massen billigen Geldes.

Welche Folgen hat die Geldschwemme?

Weil andere Anlagen angesichts niedriger Zinsen unattraktiv sind, fließen viele Milliarden in Aktien – die Börsen klettern von Rekord zu Rekord. So oder so soll die US-Konjunktur weiter angekurbelt werden, um endlich auch dem lahmenden Arbeitsmarkt der weltweit größten Volkswirtschaft auf die Sprünge zu helfen. Bisherige Faustregel: Sobald die Arbeitslosenquote von derzeit immer noch rund sieben Prozent unter 6,5 Prozent sinkt, sollte über die erste Anhebung der Leitzinsen nachgedacht werden.

Was ändert sich nun im Detail?

Auf den ersten Blick beginnt die große Wende in der US-Geldpolitik. Im Detail zeigt sich aber, dass faktisch alles beim Alten bleibt. Das Anleihe-Kaufprogramm wird zunächst nur etwas gedrosselt und soll dann allmählich auslaufen. Noch wichtiger: Das Versprechen extrem niedriger Zinsen soll noch für längere Zeit weiter gelten.

Warum ist der große Schock an den Märkten ausgeblieben?

Die Sorge war groß, dass die Fed allzu abrupt ihren Kurs wechseln könnte. Allein die Ankündigung von Fed-Chef Ben Bernanke, über das sogenannte „Tapering“ nachzudenken, hatte vor rund einem halben Jahr für massive Turbulenzen an den globalen Finanzmärkten gesorgt. Diesmal lief es anders, weil Bernanke seine seit langem befürchtete Botschaft geschickt verpackt hat – und die Märkte so sehr behutsam auf die Veränderungen vorbereitete. Er versprach nicht nur weiter niedrige Zinsen, sondern auch, dass die Fed nicht mehr automatisch die geldpolitischen Zügel anzieht, sollte sich die Lage am Arbeitsmarkt weiter spürbar aufhellen. „Die US-Notenbank hat in den vergangenen Wochen genug Zuversicht in die konjunkturelle Erholung der US-Wirtschaft gewonnen. Das ist ein positives Signal – nicht nur für die USA, sondern für den globalen Konjunkturausblick 2014“, schreibt der Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel.

Was ändert sich für Sparer?

Auf absehbare Zeit nichts. Weil auch die Europäische Zentralbank (EZB) an ihrer extremen Niedrigzinspolitik festhält, werden Sparbücher hierzulande auf absehbare Zeit weiterhin nur maue Renditen abwerfen. Unklar ist es, ob sich die ebenfalls niedrigen Kapitalmarktzinsen für Anleihen wieder bessern. Weil deutsche Staatspapiere in der Euroschuldenkrise als sicherer Hafen gelten, hängt die Entwicklung dort unter anderem davon ab, ob sich die Lage in den Euro-Krisenländern weiter stabilisiert.

Geht jetzt auch die Rekordjagd des Dax weiter?

Der Deutsche Aktienmarkt reagierte mit leichten Kursgewinnen auf die Fed-Ankündigung. Einige Analysten rechnen damit, dass der Dax 2014 die Marke von 10.000 Punkten knacken wird. Sie hoffen, dass Anleger nicht mehr in erster Linie auf die Notenbanken schielen, sondern dass die guten Aussichten in der realen Wirtschaft wieder zur treibenden Kraft an den Finanzmärkten werden.

Immer mehr Investoren gehen inzwischen davon aus, dass die US-Wirtschaft die Abkehr von der ultra-lockeren US-Geldpolitik gut verkraften wird - dies ist die wichtigste Triebfeder der jüngsten Rally. Einige Anleger warnten jedoch vor einer Enttäuschung im US-Weihnachtsgeschäft. So erklärte etwa Oliver Pursche von Gary Goldberg Financial Services, dass viele Einzelhändler die Verbraucher mit extremen Rabatten in die Geschäfte locken mussten, was die Gewinne drücken dürfte. So fielen die Aktien der Target-Kette um ein Prozent, weil das "Wall Street Journal" von einem Kundenrückgang berichtete.

Apple legten fast drei Prozent zu auf 570 Dollar. Der iPhone-Hersteller verschafft sich durch die Allianz mit dem weltgrößten Mobilfunkanbieter China Mobile Zugang zu dessen mehr als 700 Millionen Kunden. "Die Einigung wird eine ganz neue Generation von Nutzern an Apple-Produkte heranführen", schwärmte Todd Schoenberger von LandColt Capital.

Zu den starken Gewinnen an der Nasdaq trugen auch Facebook mit einem Kursplus von fünf Prozent bei. Grund für den Anstieg war das Debüt des Internet-Konzerns im S&P-500-Index.

Die Papiere von Tiffany gaben dagegen leicht nach. Der Juwelier muss dem Schweizer Uhrenhersteller Swatch nach dem Platzen einer geplatzten Allianz umgerechnet 328 Millionen Euro Schadenersatz zahlen.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 0,61 Milliarden Aktien den Besitzer. 2165 Werte legten zu, 883 gaben nach und 97 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,77 Milliarden Aktien 1902 im Plus, 722 im Minus und 88 unverändert.

Von

rtr

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