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14.10.2013

22:34 Uhr

Börse New York

Neue Zuversicht an Wall Street

Die Händler an der New Yorker Börse zeigen sich im US-Etatstreit weniger misstrauisch. Nach schlechtem Wochenauftakt schloss der Dow Jones im Plus. Trotzdem warnen Experten vor deutlichen Krisensignalen.

Der noch ungelöste US-Haushaltsstreit drückte die amerikanischen Börsen am Vormittag ins Minus, konnte sich aber wieder erholen. ap

Der noch ungelöste US-Haushaltsstreit drückte die amerikanischen Börsen am Vormittag ins Minus, konnte sich aber wieder erholen.

New YorkNeue Zuversicht im US-Haushalts- und Schuldenstreit hat der Wall Street am Montag Gewinne beschert. Im Senat habe es einige Fortschritte gegeben, sagte US-Präsident Barack Obama vor einem Treffen mit den Spitzen beider Kongress-Parteien. Ähnlich äußerten sich auch die Mehrheitsführer beider Parteien. Innerhalb von Tagen könnte eine Einigung erzielt werden, um die Haushaltsblockade zu beenden und die Schuldenobergrenze zu erhöhen, sagten der demokratische Mehrheitsführer im US-Senat, Harry Reid, sowie sein republikanischer Kollege, Mitch McConnell. Sollten sich beide Kongress-Kammern nicht auf eine Erhöhung der Schuldengrenze einigen, droht den USA ab Donnerstag die Zahlungsunfähigkeit

Der Dow-Jones-Index schloss nach einem volatilen Handel mit Aufschlägen von 0,4 Prozent auf 15.301 Punkten. Im Verlauf pendelte der Leitindex zwischen 15.136 und 15.309 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500 stieg ebenfalls um 0,4 Prozent und tendierte damit bei 1710 Zählern. Die Technologiebörse Nasdaq gewann 0,6 Prozent auf 3815 Stellen. Angesichts des Feiertages Columbus Day waren die Umsätze an den US-Aktienmärkten recht gering. Der Anleihemarkt blieb geschlossen.

Der Dax in Frankfurt schloss mit 8723,81 Punkten nur gut einen Zähler unter dem Freitags-Rekordschluss von 8724,83 Zählern. Der EuroStoxx50 beendete den Handel ebenfalls kaum verändert.

Was passiert, wenn der Supermacht USA das Geld ausgeht?

Wie wahrscheinlich ist ein Zahlungsausfall der Supermacht?

Experten sind zunehmend besorgt. „Genauso, wie in den fünfziger Jahren ein Nuklearkrieg im Bereich des Möglichen lag, ist auch ein Zahlungsausfall der USA nicht mehr ausgeschlossen“, sagt Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank.

Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank und normalerweise eher als Optimist bekannt, sieht ebenfalls „ernsthafte Risiken“. Robert Halver, Leiter der Aktienanalyse bei der Baader Bank, demonstriert hingegen Zuversicht: „Ich bin mir sicher, sie bekommen das hin.“ Doch fest steht: Die Gelassenheit schwindet. Die politischen Fronten in den USA scheinen verhärteter denn je.

Was passiert am Tag X?

Laut US-Finanzminister Jack Lew muss bis zum 17. Oktober eine Einigung erfolgen, ansonsten kommt die Pleite. Dennoch wird am Tag X zunächst kein Zahlungsausfall bei US-Staatsanleihen eintreten. Nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's könnten sich die USA mit Haushaltstricks noch bis Mitte November über Wasser halten. Dann läuft die Zeit aus. Für viele Analysten wäre dies der größte anzunehmende Unfall.

Sollte es im November zu einem Zahlungsausfall der USA kommen, könnten Anleger in Panik verfallen. „Vor allem bei US-Staatsleihen würde es starke Verwerfungen geben“, sagt Asoka Wöhrmann, oberster Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter DWS.

Nehmen die Märkte die Unsicherheit klaglos hin?

Nein. „Je länger sich die US-Streitigkeiten hinziehen, desto bedrohlicher wird die Situation auch für die internationalen Aktienmärkte und den nationalen Rentenmarkt“, warnt Analyst Jan Bopp vom Bankhaus Metzler. Zwar sind herbe Verluste oder größere Verwerfungen an den Aktienmärkten bislang ausgeblieben.

Zum Wochenstart zeigten die Kurven an den Kurstafeln an den meisten Börsenplätzen allerdings bereits nach unten - sowohl in Asien als auch in Europa. Die Angst vor einem Zahlungsausfall macht sich auch am US-Anleihemarkt bemerkbar: Die Versicherungsprämien auf amerikanische Staatsanleihen haben am Freitag den höchsten Stand in diesem Jahr erreicht.

Warum ist die Schuldenobergrenze überhaupt so wichtig?

Die USA können nur etwa 80 Prozent ihrer staatlichen Ausgaben aus Einnahmen wie beispielsweise Steuern finanzieren. Deshalb muss viel Geld in Form von Krediten an den Finanzmärkten aufgetrieben werden. Das ist grundsätzlich kein Problem. US-Staatsanleihen gelten traditionell als sicher.

Ein Grund: Die USA verschulden sich in der globalen Leitwährung Dollar, die ihre Notenbank Fed theoretisch in unbegrenzter Menge drucken kann. Allerdings hat sich das Land bereits im Ersten Weltkrieg selbst ein Schulden-Limit verordnet.

Das könnte nun zum Verhängnis werden. Das Debakel ist aber vor allem ein Ergebnis politischer Grabenkämpfe - die USA schieben zwar einen enormen Schuldenberg vor sich her, doch das hat ihre Gläubiger bislang noch nie wirklich gestört.

"Die Märkte gehen davon aus, dass es zu einer Lösung in Washington kommen wird, da es gar nicht anders sein kann", fasste ein Händler zusammen. "Ich glaube nicht, dass am 17. Oktober der Jüngste Tag anbricht", stimmte Mike van Dulken von Accendo Markets zu. Aber der Druck angesichts der Zeitnot wachse. Die Volatilitätsindizes , die die Nervosität der Anleger messen, stiegen um bis zu zwölf Prozent und zeigten damit, dass einigen Anlegern bei dem Streit in den USA allmählich doch mulmig wird. Die Zweifel der Investoren ließen sich zudem an den Kursen für Credit Default Swaps (CDS) ablesen, die über kürzere Laufzeiten mehr als über längere kosteten - ein klares Krisensignal, denn üblicherweise sind die längerlaufenden Papiere teurer.

Die Aktien des Video-Streaming-Dienstes Netflix stiegen um 7,8 Prozent. Laut einem Medienbericht befindet sich der Konzern mit mehreren Kabel-Anbietern in Verhandlungen, ob diese das Netflix-Angebot in ihre Set-Top-Boxen aufnehmen. Auch der Facebook -Anteilsschein lag leicht mit 0,8 Prozent im Plus. Das weltgrößte soziale Netzwerk hat den israelischen App-Hersteller Onavo gekauft, der bekannt für eine effiziente Datennutzung zugunsten der Telefonkosten der Nutzer ist.

Eine Herabstufung durch die Deutsche Bank brachte die Papiere des Internet-Reisekonzerns Expedia unter Druck, die rund sechs Prozent fielen. Daneben standen bereits die Unternehmen im Fokus, die am Dienstag für Schlagzeilen sorgen dürften. Unter anderem werden die Citigroup, Coca-Cola und Intel dann Einblick in ihre Quartalsbilanz geben.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 570 Millionen Aktien den Besitzer. 1688 Werte legten zu, 1221 gaben nach und 156 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,48 Milliarden Aktien 1533 im Plus, 946 im Minus und 130 unverändert.

Von

rtr

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