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18.12.2015

23:59 Uhr

Börse New York

Öl-Flut drückt Wall Street ins Minus

Die Preise für Rohöl haben am Freitag abermals ein Rekordtief erreicht. Das hat die Kurse an den US-Börsen gedrückt. Der Handel endet deutlich im Minus. Im Fokus außerdem: die Aktien des Handy-Herstellers Blackberry.

Der Ölpreis macht der Wall Street zu schaffen. dpa

New York Stock Exchange

Der Ölpreis macht der Wall Street zu schaffen.

New YorkDie US-Börsen haben sich zum Wochenschluss deutlich schwächer präsentiert. Vor allem der weitere Rückgang des Ölpreises sorgte für Kursverluste. Die Aussicht auf ein anhaltendes Überangebot drückte den Preis für die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee um bis zu 1,8 Prozent auf 36,41 Dollar je Barrel (159 Liter). US-Öl fiel um bis zu 1,6 Prozent auf 34,39 Dollar und damit den tiefsten Stand seit fast sieben Jahren.

Der Börsenhandel stand auch im Zeichen des Verfalls sowohl von Termingeschäften als auch von Optionen auf Börsenindizes und einzelne Aktien. An diesem sogenannten vierfachen Hexensabbat ist der Handel gewöhnlich von vergleichsweise starken Kursschwankungen geprägt, weil Marktteilnehmer die Kurse von Papieren, auf die sie Derivate besitzen, in die gewünschte Richtung treiben wollen.

Wie der Wall-Street-Handel lief

Talfahrt an der Wall Street

Wie der Wall-Street-Handel lief: Talfahrt an der Wall Street

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Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 2,1 Prozent tiefer auf 17.128 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 notierte zuletzt 1,8 Prozent im Minus bei 2005 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel 1,6 Prozent auf 4923 Stellen. Im Wochenvergleich gaben der Dow 0,8 Prozent, der S&P 0,3 Prozent und der Nasdaq 0,2 Prozent nach.

Unter den Einzelwerten kletterten Blackberry-Aktien mehr als zehn Prozent. Der Smartphone-Hersteller kommt offenbar wieder in ruhigeres Fahrwasser und konnte im abgelaufenen Quartal - im Vergleich zum Vorquartal - erstmals seit mehr als zwei Jahren seine Erlöse steigern.

Starke Geschäftszahlen und eine angehobene Prognose gaben Red Hat Auftrieb. Die Aktien des Anbieters einer eigenen Version des Computer-Betriebssystems Linux stiegen zeitweise auf den höchsten Stand seit 16 Jahren.

Reaktionen auf die Fed-Zinsentscheidung

Deutsche Bank - Chefvolkswirt David Folkerts-Landau

"Die heutige Entscheidung der Fed, die Zinsen zum ersten Mal seit fast zehn Jahren zu erhöhen, ist ein historischer Moment. Die Zinsanhebung markiert das offizielle Ende der globalen Finanzkrise für die USA und bildet den Auftakt zu einer Normalisierung der amerikanischen Geldpolitik.

Dieser Schritt wurde allgemein erwartet. Vor dem Hintergrund, dass auf dem US-Arbeitsmarkt nahezu Vollbeschäftigung herrscht und im kommenden Jahr ein Anstieg der Inflation erwartet wird, war eine Anhebung der Zinsen längst überfällig. Diejenigen, die die Zinsanpassung kritisch sehen, lassen außer Acht, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durchaus Zinssätze zwischen zwei und drei Prozent und eine Fed-Bilanz ohne Überschussreserven rechtfertigen - eine Zinspolitik, die weit entfernt vom Krisenmodus ist, der selbst heute noch dominiert."

Dekabank - Chefvolkswirt Ulrich Kater

"Ein kleiner Schritt für die Fed, aber ein großer für das Finanzsystem. Zwei Botschaften verbinden sich mit der Zinswende. Zum ersten begräbt damit die Fed symbolisch die Finanz- und Bankenkrise von 2008. Und zum zweiten schürt diese Zinswende die Hoffnung, dass auch in Euro-Land eine Umkehr bei den Zinsen irgendwann möglich ist, selbst wenn dies noch zwei oder drei Jahre hin sein sollte."

KfW - Chefvolkswirt Jörg Zeuner

"Wir sind auf dem Weg in die Normalität. Die US-Konjunktur läuft solide, der Arbeitsmarkt hat Vollbeschäftigung erreicht und die Kerninflation ist jetzt schon hoch genug, um mit dem Zinserhöhungszyklus zu starten. Mit dem Zinsschritt beginnt die Fed, Handlungsspielraum für neue Herausforderungen zurückzugewinnen. Denn ein langfristig starker Dollar und ein dauerhaft niedriger Ölpreis bringen durchaus Schwierigkeiten für die US-Wirtschaft."

Münchener Rück - Chefvolkswirt Michael Menhart

"Mit der Zinsentscheidung der Fed ist der lange erwartete Einstieg in eine restriktivere Geldpolitik da. Für nächstes Jahr ist mit weiteren Zinsschritten zu rechnen. Gleichwohl wird die US-Zentralbank unter den Notenbanken der großen Volkswirtschaften wohl erst mal alleine bleiben - die EZB hat ja jüngst sogar ihre expansive Politik noch zeitlich ausgeweitet. Angesichts der Risiken für die Finanzstabilität wäre eine Abkehr von der Politik des billigen Geldes wünschenswert."

Institut für Weltwirtschaft - Stefan Kooths

"Klar ist, dass sich im Zuge der Normalisierung des Zinsniveaus die Preisblasen an Anleihe-, Aktien- und Immobilienmärkten zurückbilden werden. Bei diesem Prozess lauern erhebliche Gefahren eines sprunghaften Verlaufs, nicht zuletzt auch für die Devisenmärkte und die in US-Dollar verschuldeten Schwellenländer. Es nützt aber nichts, aus Furcht davor den Ausstieg aus der ultra-expansiven Zentralbankgeldversorgung immer weiter hinauszuzögern. Je länger die künstlich niedrigen Zinsen bestehen bleiben, umso mehr Verzerrungen entstehen und desto schmerzhafter würde eine noch spätere Korrektur. Von einer Normalisierung ist die US-Geldpolitik immer noch meilenweit entfernt. Entscheidend wird jetzt sein, wann die Marktteilnehmer den nächsten Schritt erwarten."

GDV (Versicherungsverband) - Chefvolkswirt Klaus Wiener

"Die erste Straffung der US-Leitzinsen seit dem Jahr 2006 markiert sicher einen historischen Wendepunkt, das allgemeine Zinsniveau wird sich dadurch aber kaum ändern. Für die EZB hat der Zinsentscheid der Fed keine Signalwirkung – dazu sind auch die konjunkturellen Rahmenbedingungen zu unterschiedlich. Die Kapitalmarktzinsen im Euroraum werden wohl noch für sehr lange Zeit auf ihrem extrem niedrigen Niveau verharren."

Disney -Aktien ließen fast vier Prozent Federn, nachdem ein Broker die Aktie des Unterhaltungskonzerns zum Verkauf empfohlen hatten.

Besonders schwach zeigten sich zudem die Bankaktien. So büßte Goldman Sachs im Dow knapp 4 Prozent ein, und JPMorgan gab um knapp 3 Prozent nach. Die Papiere von Morgan Stanley und Citigroup verloren gut 3 Prozent. Unter den kleineren Bankwerten gaben die Anteilsscheine der Regions Financial Corp um knapp 4 Prozent nach. „Zunächst haben die Finanzwerte positiv auf die Fed-Entscheidung reagiert“, sagte ein Börsianer. „Aber nun gibt es zunehmend Bedenken, vor allem wegen Kreditvergaben im Energiebereich.“ Besonders regionale Banken litten darunter.

Dax im Minus

Zinswende und Hexensabbat machen Anleger nervös

Dax im Minus: Zinswende und Hexensabbat machen Anleger nervös

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In Frankfurt fiel der Dax nach der jüngsten Börsenrally um 1,2 Prozent auf 10.608,19 Punkte, der EuroStoxx50 gab um 1,4 Prozent auf 3260,72 Zähler nach. Da die Optionen auf Indizes sowie auf einzelne Aktien und die Index-Futures verfielen, schwankten die Kurse für einzelne Aktien stark. „Gewinnmitnahmen prägen nach der jüngsten Erholungsbewegung das Marktgeschehen“, sagte Gregor Kuhn vom Brokerhaus IG.

Der Euro legte im US-Handel zu und kostete zum Handelsschluss an der Wall Street 1,0873 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,0836 (Donnerstag: 1,0841) US-Dollar festgesetzt. Am US-Rentenmarkt gewannen zehnjährige Staatsanleihen 8/32 Punkte auf 100 15/32 Punkte und rentierten mit 2,193 Prozent.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 2,45 Milliarden Aktien den Besitzer. 1072 Werte legten zu, 2015 gaben nach und 101 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 3,4 Milliarden Aktien 1084 im Plus, 1813 im Minus und 106 unverändert.

Die US-Kreditmärkte waren angesichts der niedrigen Ölpreise und Abschläge an den Aktienmärkten als sicherer Hafen gefragt. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 13/32 auf 100-16/32. Die Rendite ging auf 2,193 Prozent zurück. Der 30-jährige Bond erhöhte sich um 20/32 auf 101-28/32 und rentierte mit 2,906 Prozent.

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