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23.08.2016

22:13 Uhr

Börse New York

Ölpreis und Eigenheim-Daten stützen Wall Street

Die US-Börsen verbuchten am Dienstag Kursgewinne, nachdem neue Hoffnungen auf eine Förderbegrenzung die Ölpreise nach oben trieben. Bei den Einzelwerten ragte die führende US-Elektronikhandelskette Best Buy heraus.

Quartalszahlen und Konjunkturnachrichten sorgen für gute Stimmung an der Wall Street. AFP; Files; Francois Guillot

US-Händler reiben sich die Hände

Quartalszahlen und Konjunkturnachrichten sorgen für gute Stimmung an der Wall Street.

New YorkEin Anstieg des Ölpreises hat am Dienstag den US-Börsen etwas Auftrieb gegeben. Neue Hoffnungen auf eine Begrenzung der weltweiten Förderung machten den Rohstoff wieder teurer. Auslöser war eine Reuters-Meldung, wonach Iran für eine konzertierte Aktion zur Einschränkung des weltweiten Überangebots offen ist. Insidern zufolge sendet die Regierung in Teheran positive Signale. Zudem profitierten die New Yorker Aktienmärkte von unerwartet starken Konjunkturdaten. Der Anstieg des Eigenheim-Absatzes fiel im Juli stärker aus als von Analysten erwartet.

Gesprächsthema auf dem Börsenparkett blieb auch die US-Geldpolitik, nachdem mehrere führende Fed-Vertreter für eine baldige Zinserhöhung plädiert hatten. "Der immer wieder angekündigte, aber nie umgesetzte zweite Zinsschritt hat die Federal Reserve Glaubwürdigkeit gekostet", sagte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. "Ein großer Teil des Marktes verweigert die Teilnahme am Ratespiel über die weitere amerikanische Geldpolitik." Entsprechend groß sei die Gefahr, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Klarheit erhoffen sich Investoren von Fed-Chefin Janet Yellen auf dem Notenbanker-Treffen in Jackson Hole am Freitag.

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Der Dow-Jones-Index stieg um 0,1 Prozent auf 18.547 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 legte um 0,2 Prozent auf 2187 Stellen zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,3 Prozent auf 5260 Zähler. Im Handelsverlauf erreichte er sogar ein Rekordhoch.

Bei den Einzelwerten ragte die führende US-Elektronikhandelskette Best Buy heraus. Deren Aktien verteuerten sich um fast 20 Prozent. Das Unternehmen verdiente im abgelaufenen Quartal viel mehr als von Analysten erwartet.

Monsanto -Aktien stiegen um 2,5 Prozent. Einem Medienbericht zufolge gibt es Fortschritte in den Fusionsgesprächen zwischen Bayer und dem US-Saatgutkonzern.

Die Ankündigung eines neuen Akkus beflügelte die Aktie des Elektroauto-Pioniers Tesla. Der Anteilsschein verteuerte sich um knapp ein Prozent.

Dank ermutigender Konjunkturdaten trauten sich einige Anleger wieder in die europäischen Aktienmärkte zurück. Der Leitindex Dax schloss 0,9 Prozent höher bei knapp 10.593 Punkten. Sein europäisches Pendant, der EuroStoxx50, gewann 1,1 Prozent auf 2994 Zähler.

Die Folgen des Billigöls

1. Billiges Erdöl treibt die Wirtschaft an

Tatsache ist: Europas Verbrauchern nutzen die Niedrigpreise sehr. Im Februar war Energie im Euroraum dem Statistikamt Eurostat zufolge 8,0 Prozent günstiger als vor einem Jahr, bei Haushaltsenergie und Sprit in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamts 8,5 Prozent. Von Mitte 2014 bis Ende 2015 verbilligte sich das „schwarze Gold“ um zwei Drittel, das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut meldete beim Rohstoffpreis-Index den tiefsten Stand seit 2004. Die Deutschen gaben 2015 laut Mineralölverband 13,5 Milliarden Euro weniger für Sprit und Heizöl aus. Auch große Teile der Industrie freuen sich: Je billiger der Schmierstoff der Weltwirtschaft, umso mehr Entlastung im Einkauf.

Wahr ist aber auch: Die Chemie zum Beispiel muss bessere Konditionen oft mit niedrigeren Preisen für Kunst- oder Farbstoffe an ihre Kunden weitergeben. Beim Branchenriesen BASF etwa sank der Überschuss 2015 auch deshalb um fast ein Viertel auf rund 4 Milliarden Euro.

2. Bald steigen die Ölpreise stark, dann kommt das böse Erwachen

„Langfristig dürfte ein steigender (Öl-)Preis die Geldentwertung anheizen“, glaubt Eugen Weinberg von der Commerzbank. Die Gefahr: Wenn es mächtigen Förderländern gelingt, das Fracking in den USA aus dem Markt zu drängen, könnte das Angebot knapp werden und die Kosten hochkatapultieren. Für Flüssigtreibstoffe ermittelte die französische Bank Société Générale von 2005 bis 2015 einen Rückgang der Preise um fast 30 Prozent. Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht aber allerspätestens 2021 deutliche Erhöhungen. „Für Verbraucher ist es einfach, sich durch niedrige Preise einlullen zu lassen, aber sie sollten die Signale nicht überhören“, warnte IEA-Chef Fatih Birol.

Zwar ist vor allem die kühlere Konjunktur in China ein Grund; dort gab es 2015 mit 6,9 Prozent das schwächste Wachstum seit 25 Jahren. Aber auch unklare Ziele des Opec-Kartells spielen eine Rolle. Der Iran will nach dem Ende der Sanktionen Öl exportieren, die Saudis und das Nicht-Opec-Mitglied Russland peilen eine Deckelung der Produktion an. Wenn mehr US-Quellen dicht machen, könnten am Ende Engpässe - so fürchtet Birol - zu „nach oben schießenden Ölpreisen“ führen.

3. Das Billigöl würgt den Börsen-Boom endgültig ab

Weltweit haben Aktienbesitzer nach dem Jahreswechsel herbe Verluste einstecken müssen. Ein Grund, der neben der befürchteten schwächeren Weltkonjunktur oft genannt wird: das Ölpreis-Tief. Dauerhaft billige Rohstoffe werten die Märkte als Zeichen schrumpfender Nachfrage.

Chinas Schwäche sorgt weiter für Zweifel - zusammen mit den dortigen Finanzmarkt-Turbulenzen und Exporten, die im Februar um ein Fünftel einbrachen. Und wie lange können Förderer Kredite voll bedienen? „Wir erwarten, dass Banken in ölexportierenden Regionen ein höheres Gläubiger-Risiko haben“, warnt die Ratingagentur Moody's. Sie prüft eine Abstufung von zwölf Förderländern, darunter Russland und Saudi-Arabien. Das Preistief werde wohl noch „mehrere Jahre“ dauern.

4. Das Klima verliert, denn günstiges Öl blockiert die Energiewende

Beim Pariser Klimagipfel Ende 2015 einigte sich die Weltgemeinschaft auf einen Verzicht auf fossile Brennstoffe bis Ende des Jahrhunderts. Solange die Abkehr von Öl, Gas und Kohle nicht klappt, verschleppt das Ölpreis-Tief die Energiewende zusätzlich, sagte Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung im Deutschlandfunk: „Ein niedriger Ölpreis behindert den Umstieg Richtung Energiesparen.“ Prognosen zum Welt-Energiebedarf gibt es viele. So erwartet BP, dass die Fossilen auch 2035 den Löwenanteil (60 Prozent) zur globalen Versorgung beitragen, obwohl erneuerbare Quellen parallel zulegen.

Die Schwellenländer wollen jedoch mehr Wohlstand - und brauchen dafür mehr Energie. Andererseits entlasten niedrige Ölpreise sie nur dann, wenn rückläufige Verkäufe sie nicht treffen. IWF-Chefin Christine Lagarde bot Hilfe an: „Der IWF steht offen für alle Mitglieder.“

5. „Die Elektroauto-Industrie wird unter niedrigen Ölpreisen leiden“

Dies sagt nicht irgendwer - sondern der schillernde Gründer des US-Elektroautobauers Tesla, Elon Musk. Über seine bei CNN geäußerte Einschätzung kann man streiten: Es gibt viele Faktoren, die eine „Verkehrswende“ erschweren. Elektroautos sind gegenüber Benzinern meist teuer, die Reichweite ist gering. Laut Kraftfahrt-Bundesamt kamen 2015 in Deutschland gerade 12 363 reine E-Autos zusätzlich auf die Straße, verglichen mit der Gesamtzahl von 3,2 Millionen Pkw. Die Bundesregierung hat zu möglichen Subventionen noch keine klare Linie.

In der Auto-Nation USA jedenfalls schiebt das billige Öl den Absatz von Spritschluckern an. Nach Zahlen der Deutschen Bank stieg der Verkaufsanteil leichter Trucks dort zwischen 2000 und 2015 von 50 auf über 60 Prozent, während normale Pkw zuletzt 40 Prozent erzielten. Ursache: „das enorme Abrutschen der Öl- und damit der Benzinpreise“.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 730 Millionen Aktien den Besitzer. 2016 Werte legten zu, 947 gaben nach, und 143 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,54 Milliarden Aktien 1841 im Plus, 985 im Minus und 182 unverändert.

Die US-Kreditmärkte bewegten sich vor Yellens Rede am Freitag kaum. Die zehnjährigen Staatsanleihen verloren 4/32 auf 99-17/32. Die Rendite stieg auf 1,55 Prozent. Der 30-jährige Bond erhöhte sich um 1/32 auf 100-11/32 und rentierte mit 2,23 Prozent.

Von

rtr

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