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11.03.2016

23:03 Uhr

Börse New York

Ölpreis und EZB-Feuerwerk beflügeln Wall Street

Mit etwas verspäteter Wirkung freuen sich auch die US-Börsianer über die massiven EZB-Maßnahmen. Zudem steigt der Ölpreis wieder – die New Yorker pflegen eine routinierte Beziehung zu ihm: Steigt er, steigen die Kurse.

Welche Richtung die Kurse nehmen, hängt derzeit vor allem von Äußerungen der US-Notenbank ab. Reuters

Aktienhändler an der Wall Street

Welche Richtung die Kurse nehmen, hängt derzeit vor allem von Äußerungen der US-Notenbank ab.

New YorkSteigende Ölpreise und die geldpolitische Lockerung der Europäischen Zentralbank (EZB) haben der Wall Street zum Wochenausklang Gewinne beschert. In der Hoffnung auf eine wieder anziehende Nachfrage aus China verteuerte sich die Öl-Sorte Brent aus der Nordsee um rund ein Prozent auf 40,44 Dollar je Barrel.

Genährt wurden diese Spekulationen von der Aufwertung der chinesischen Währung, die Rohöl für Käufer aus der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft günstiger macht. Zudem reduzierten US-Branchengrößen die Zahl ihrer Ölplattformen schon die zwölfte Woche in Folge, wie aus Daten des Unternehmens Baker Hughes hervorgeht.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss mit einem Plus von 1,3 Prozent auf 17.213 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 erhöhte sich um 1,6 Prozent auf 2022 Zähler - dem höchsten Schlussstand in diesem Jahr. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte um 1,9 Prozent auf 4748 Stellen vor. Auf Wochensicht ergibt sich für den Dow ein Plus von 1,2, für den S&P von 1,1 Prozent und für die Nasdaq von 0,7 Prozent.

Wie der Wall-Street-Handel lief

Sorgen über EZB-Entscheid sind überwunden

Wie der Wall-Street-Handel lief: Sorgen über EZB-Entscheid sind überwunden

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Die massiven Geldspritzen der EZB zeigten auch am europäischen Aktienmarkt doch noch Wirkung: Am Freitag überwanden Anleger ihre Nervosität und langten ordentlich zu. Der Dax stieg um 3,5 Prozent auf 9831 Punkte, der EuroStoxx50 gewann ebenfalls 3,5 Prozent.

Die Anleger richten ihre Aufmerksamkeit nun auf die Zinssitzung der US-Notenbank Federal Reserve in der kommenden Woche. Die Fed hat eine schrittweise Zinserhöhung in diesem Jahr signalisiert, macht ihre Entscheidung aber von der Konjunkturentwicklung abhängig.

Beschlüsse der EZB am 10. März 2016

Niedrigerer Leitzins

Die EZB senkt den Leitzins von 0,05 auf 0,00 Prozent. Der Schritt selbst hat wenig direkte Auswirkungen. Hierbei geht es vor allem um das damit verbundene Signal, dass die EZB entschlossen handelt.

Höherer Strafzins

Die EZB senkt den Einlagenzins im Euro-Raum von minus 0,3 auf 0,4 Prozent. Das heißt: Banken, die über Nacht Geld bei der EZB parken, zahlen dafür eine noch höhere Strafe. Damit will die Notenbank die Geldhäuser dazu animieren, mehr Kredite zu vergeben, statt überschüssige Liquidität bei ihr zu horten. Je höher die Strafe, desto stärker der Anreiz, so das Kalkül. Allerdings belastet dies den labilen Bankensektor. Deshalb war im Vorfeld der Ratssitzung auch über eine Staffelung des Einlagezinses diskutiert worden, ähnlich wie in der Schweiz. Dabei würde der negative Einlagenzins erst dann greifen, wenn die bei der Notenbank geparkte Liquidität einer Bank eine bestimmte Obergrenze überschreitet.
Draghi hat sich aber gegen ein solches Modfell entschieden. Dies sei in einer Währungsunion mit sehr unterschiedlichen Banken nur schwer umzusetzen, sagte er.

Mehr Anleihenkäufe

Die EZB weitet das Volumen ihrer monatlichen Anleihekäufe von 60 auf 80 Milliarden Euro aus. Dadurch erhöht sich Gesamtvolumen bis März 2017 um 240 Milliarden auf 1,74 Billionen Euro. Anleihekäufe seien ein Signal, das der Markt versteht, hatte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding im Vorfeld gesagt.

Dieser Schritt galt aber als durchaus umstritten. Für die Deutsche Bundesbank, die eine weitere Lockerung der Geldpolitik kritisch sieht, ist diese Pille schwerer zu schlucken, als die Senkung des Einlagenzinses. Draghi sagte jedoch, der EZB-Rat habe die Maßnahmen mit einer „überwältigenden Mehrheit“ beschlossen. Durch das höhere Volumen stößt die EZB bei ihren Käufen schneller an Grenzen: Ihren selbst auferlegten Regeln zufolge darf sie keine Bonds kaufen, deren Zinsen unter dem Einlagesatz liegen (jetzt minus 0,4 Prozent). Und sie darf auch nicht mehr als 33 Prozent der ausstehenden Anleiheschulden eines Landes erwerben.

Bei Anleihen von internationalen Organisationen oder Entwicklungsbanken wie der Europäischen Investitionsbank (EIB) weitet sie dieses Limit nun auf 50 Prozent der ausstehenden Anleihen aus.

Firmenanleihen

Um Knappheit zu verhindern, weitet die EZB außerdem die Auswahl der von ihr gekauften Anleihen aus. Im Dezember hat sie das Sortiment bereits um Anleihen von Regionen und Kommunen im Euro-Raum erweitert. Nun kauft sie außerdem auch von in Euro notierenden Unternehmensanleihen mit gutem Rating (Investment Grade).

Kredite zum Traumtarif

Die EZB weitet ihr Programm aus, mit dem sie Banken zu sehr günstigen Konditionen langfristig Geld leiht, wenn sie mehr Kredite vergeben. Ab Juni sollen vier spezielle Kreditlinien – im Fachjargon TLTRO II genannt – für die Finanzinstitute mit einer Laufzeit von vier Jahren aufgelegt werden. Die Kosten orientierten sich am Einlagenzins, den die EZB jetzt auf minus 0,4 Prozent gesenkt hat. Banken können also Geld damit verdienen, sich Geld zu leihen.

Bereits seit 2014 bieten die Währungshüter gezielte Geldspritzen an. Sie sollen Geschäftsbanken dazu bewegen, mehr Kredite an Firmen zu vergeben. Allerdings brauchen viele Banken gar nicht mehr Liquidität. Dies hilft deshalb wohl lediglich einigen angeschlagenen Instituten.

An der Wall Street gaben Microsoft-Aktien mit einem Plus von knapp zwei Prozent der Nasdaq Auftrieb, während IBM mit einem Kursgewinn von 1,6 Prozent den Dow stützte. Zu den Gewinnern zählte auch der Softwarekonzern Symantec. Die Papiere verteuerten sich um 3,9 Prozent, nachdem die Bank RBC sie auf „outperform“ heraufgestuft hatte.

Alnylam Pharmaceuticals profitierten davon, dass JPMorgan die Aktie auf „übergewichten“ setzte. Sie verbesserte sich um rund sieben Prozent. Die Dividendenpapiere der Kosmetikkette Ulta Salon sprangen mehr als 17 Prozent in die Höhe. Die Quartalszahlen des Unternehmens übertrafen die Erwartungen der Wall Street.

Die Anteilsscheine der Opel-Mutter General Motors (GM) erhöhten sich um 1,4 Prozent. Im Wettstreit um das Auto-Geschäft der Zukunft übernimmt GM die auf selbstfahrende Wagen spezialisierte Start-Up-Firma Cruise Automation. Mit dem Unternehmen aus San Francisco will der Autobauer die eigene Entwicklung autonomer Fahrzeuge vorantreiben.

Aktien und Börsen: Was den Bullenmarkt stärker macht

Aktien und Börsen

Was den Bullenmarkt stärker macht

Seit 2009 bewegen sich die Börsen nach oben. Doch mittlerweile haben die Investoren Angst, dass der Aufwärtstrend nicht anhalten wird. Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen aber, dass das Gegenteil der Fall sein dürfte.

Aus Branchensicht gehörten die konjunktursensiblen Banken- und Technologiewerte zu den Favoriten. So gewannen die Aktien der Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley knapp 2 beziehungsweise rund 5,5 Prozent. Sie profitierten auch von der Hoffnung auf einen weiteren Anstieg der Renditen am Anleihenmarkt, der ihre Profitabilität steigern könnte.

Die Papiere des Halbleiterkonzerns Broadcom legten um gut 3 Prozent zu. Für die Anteilsscheine des Festplattenherstellers Western Digital ging es um mehr als 4 Prozent nach oben.

Klarer Spitzenreiter im Nasdaq 100 waren die Papiere von Ulta Salon mit einem Kurssprung von mehr als 17 Prozent. Die Kosmetikkette hatte mit ihrer Prognose für den Gewinn je Aktie die Markterwartung übertroffen.

Favorit im Dow waren die Aktien des Pharmakonzerns Pfizer, die um gut 3 Prozent anzogen. Unter den wenigen Verlieren gaben die als defensiv geltenden Anteilsscheine des Konsumgüterunternehmens Procter & Gamble 0,64 Prozent nach.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 997 Millionen Aktien den Besitzer. 2555 Werte legten zu, 504 gaben nach und 87 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,8 Milliarden Aktien 2227 Titel im Plus, 596 im Minus und 132 unverändert.

Der Eurokurs hielt sich auf hohem Niveau und notierte zuletzt bei 1,1151 US-Dollar. An den Kreditmärkten sorgte die Einschätzung, dass die Fed die amerikanische Wirtschaft als stark genug für Zinserhöhungen in diesem Jahr einstufen dürfte, für Abschläge. Die zehnjährigen Staatsanleihen gaben um 14/32 auf 96-26/32 nach. Sie rentierten mit rund 1,99 Prozent. Die 30-jährigen Bonds büßten 31/32 auf 94-30/32 ein und hatten eine Rendite von etwa 2,75 Prozent.

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