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10.07.2012

23:33 Uhr

Börse New York

Pessimistische Wall Street verliert erneut an Boden

Nach einem freundlichen Handelsstart sind die US-Börsen schnell ins Minus gerutscht. Die schlechten Aussichten in der Berichtssaison der Topfirmen trübten die Stimmung. Vor allem Tech-Titel mussten Abschläge hinnehmen.

Wie der Wall-Street-Handel lief

Video: Wie der Wall-Street-Handel lief

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New YorkBesorgte Anleger haben der New Yorker Wall Street bei dünnen Umsätzen den vierten Handelstag in Folge Verluste eingebrockt. Der Pessimismus einer ganzen Reihe von Technologiefirmen schürte am Dienstag die Furcht der Investoren vor einer globalen Konjunkturflaute und deren Folgen für die Gewinne der US-Unternehmen. „Der Markt macht sich langsam darauf gefasst, dass wir auf dem Weg in eine globale Rezession sind“, erklärte James Dailey vom TEAM Asset Strategy Fund.

Börsianer beobachteten immerhin mit gemäßigter Zuversicht die Ereignisse in Europa und setzten darauf, dass das Bundesverfassungsgericht dem ESM-Rettungsschirm und dem EU-Fiskalpakt grünes Licht geben wird. Gleichzeitig jedoch wollten viele Investoren vor der Entscheidung keine Risiken eingehen und hielten sich deshalb dem Handel fern. „Jeder bleibt sitzen und wartet, weil das Gericht zu dem Schluss kommen könnte, dass es so nicht funktioniert“, sagte Analyst Ken Polcari von ICAP Equities.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte büßte 0,7 Prozent ein auf 12.653 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index schloss bei 1341 Punkten, ein Abschlag von 0,8 Prozent. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 1,0 Prozent und ging mit 2902 Punkten aus dem Handel. In Frankfurt ging der Dax 0,8 Prozent höher bei 6438 Punkten aus dem Handel.

Die zehn wichtigsten Aktien-Regeln

Eigene Strategie festlegen

Gegen die größer werdenden Unwägbarkeiten sollte man sich zuallererst mit einer Strategie wappnen: Wer an kräftiges Wachstum in Deutschland glaubt, an einen anhaltenden Boom der Schwellenländer und hohen privaten Konsum, kann weiter am Aktienmarkt investieren. Wer skeptisch ist, sollte seine Bestände hingegen nicht aufstocken.

Widerstandskraft zeigen

Eng verbunden mit der ersten Regel: Immer wieder kommt es vor, dass sich Dinge anders entwickeln, als man erwartet hat. Es ist wichtig, sich selbst immer wieder zu hinterfragen und nicht jeder Entwicklung hinterherzulaufen. Eine solche Reaktion zeugt nicht von einem geringen Vertrauen in die eigene Strategie. Es kostet meist auch Geld, weil die Masse schon vorher diese Richtung eingeschlagen und das Gros an Rendite eingefahren hat.

Richtig mischen

Groß oder klein, spekulativ oder konservativ, liquide oder illiquide, dividendenstark oder dividendenschwach, Substanz oder Wachstum: Bei Aktien ist die Auswahl riesig. Der richtige Mix aus spekulativen und konservativen Titeln hilft, Schwankungen zwischen guten und schlechten Zeiten auszugleichen. Nicht zu unterschätzen sind starke Dividendenzahler, die Jahr für Jahr den Grundstock für eine solide Rendite legen.

Barrieren einbauen

Keine Frage, die Börsen haben in den vergangenen zehn Jahren stärker geschwankt als in allen Dekaden zuvor. Das wird so bleiben, mit wachsendem Computerhandel sogar noch zunehmen. Wer sein Risiko minimieren will, baut Barrieren ein – sogenannte Stopps. Gerne werden Stopps bei 20 Prozent über und unterhalb des aktuellen Kurses gewählt. Dann wird automatisch verkauft, wenn diese Grenzen erreicht sind. Kommt eine Phase überraschend steigender Kurse mit anhaltendem Aufwärtstrend, lässt sich die Barriere leicht nach oben verschieben. Wichtig ist dann, auch die Barriere am unteren Ende nachzuziehen.

Herdentrieb beobachten

Wichtig in Phasen überraschender Kurssteigerungen oder -stürze ist es, das Verhalten der Masse zu beobachten. Ist es noch nachvollziehbar oder völlig irrational? Häufig ist es irrational. Dann hilft meist die zweite Regel: Widerstandskraft zeigen. Nach einigen Monaten kehrt die Rationalität von ganz allein zurück. Der Kurssturz aus dem vergangenen Jahr und die jüngste Entwicklung beweisen das gerade wieder.

Risiko rausnehmen

Sind Aktien wie seit Jahresbeginn schon um 30, 40 oder gar 50 Prozent gestiegen, dann sind Anschlussgewinne in der Regel nur noch schwer zu erzielen. Phrasenverdächtig ist zwar die alte Weisheit: „An Gewinnmitnahmen ist noch niemand zugrunde gegangen.“ Richtig ist sie trotzdem.

Insidern folgen

Firmenchefs haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber normalen Aktionären. Sie wissen weit mehr als jeder Analyst oder Kommentator, wie es in ihrem Unternehmen aussieht. Insider nennt man sie deshalb. Sie melden ihre Orders innerhalb von fünf Handelstagen an die Börsenaufsicht Bafin. Das Handelsblatt veröffentlicht alle zwei Wochen das sogenannte Insider-Barometer, das aus der Summe aller Kauf- und Verkaufsorders Schlüsse für den weiteren Verlauf in Dax & Co. zieht. Jüngste Tendenz: Vorstände und Aufsichtsräte verkaufen mehr als sie kaufen. Vorsicht also!

Geopolitische Ereignisse beachten

Terroranschläge und Naturkatastrophen kommen unerwartet. Politische Konflikte wie zwischen Israel und dem Iran schwelen meist länger. Auch entscheidende Wahlen sind vorhersehbar und haben immer Einfluss auf die Börse. Dabei gilt generell: Wahljahre sind gute Börsenjahre.

Auf reale Werte setzen

Mit Optionsscheinen oder Bonus-Zertifikaten lässt sich zwar aus einem Aufwärtstrend ein noch größerer Profit schlagen. Dies sind jedoch in der Regel Wetten ohne realen Hintergrund. Aktien sind reale Werte.

Moden misstrauen

Vor allem Aktien einzelner Branchen unterliegen immer wieder gewissen Moden. Doch die wechseln wie im realen Leben, und manchmal geht das schneller, als man denkt. Das bekommt gerade die einst angesehene Solarenergie-Branche bitter zu spüren.

Am Markt wurde im frühen Handel zunächst positiv quittiert, dass sich die Renditen für spanische Staatsanleihen auf dem Rückmarsch befanden und unter die wichtige Marke von sieben Prozent fielen. Dies hatte im Morgenhandel noch zu Kursgewinnen geführt, die jedoch im Handelsverlauf immer weiter abbröckelten.

Alcoa hatte am Vortag nach Börsenschluss traditionell als erstes Schwergewicht seine Quartalszahlen veröffentlicht. Die weltweite Konjunkturflaute und niedrige Aluminiumpreise setzen dem US-Produzenten zwar nicht ganz so stark zu wie befürchtet. Trotzdem gab die Aktie gut vier Prozent nach. Trotz des jüngsten Preisverfalls hält das von Ex-Siemens-Manager Klaus Kleinfeld geleitete Unternehmen an seiner Prognose fest.

Der US-Chiphersteller Intel steigt bei seinem niederländischen Zulieferer ASML ein und legt dafür mehr als vier Milliarden Dollar auf den Tisch. Der auch in New York notierten ASML -Aktie bekam der Vertrauensbeweis gut, sie legte um rund acht Prozent zu. Die Intel-Investoren gaben sich zurückhaltender und drückten den Anteilsschein mehr als zwei Prozent ins Minus.

Konkurrent AMD kommt hingegen aus dem schweren Fahrwasser nicht hinaus und steuert nach eigenen Angaben auf einen Umsatzrückgang im zweiten Quartal von etwa elf Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu. Bisher hatte AMD schlimmstenfalls mit stagnierenden Geschäften gerechnet. Die Aktie brach um elf Prozent ein. Ähnlich ging es dem Chipausrüster Applied Materials. Das Papier verbilligte sich um fast drei Prozent. Der Konzern teilte mit, wegen der schwachen Nachfrage seine Ziele für das Gesamtjahr sowie das dritte Quartal zu verfehlen.

Ebenfalls unter Druck stand der Bankensektor. Wegen ihres Engagements in der Euro-Zone machten Anleger einen Bogen um Finanzinstitute - so büßte das Papier von Morgan Stanley 1,6 Prozent ein.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 0,73 Milliarden Aktien den Besitzer. 1019 Werte legten zu, 1966 gaben nach und 124 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,7 Milliarden Aktien 817 im Plus, 1656 im Minus und 119 unverändert.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Zonk

10.07.2012, 23:59 Uhr

Sollte sich der heutige Eindruck weiter verstärken, dass die Entscheidung des BVG über den sog. "Fiskalpakt" und "ESM" keineswegs absehbar bzw. keineswegs mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Gunsten der "Euro-Retter" ausfallen wird, dann wird das Investoren und Anleger noch weiter von der Wallstreet fernhalten.

Schon heute ist jedenfalls klar, dass sich das BVG weder dem politischen, noch dem zeitlichen Druck ausliefert. Statt der gedachten 3-wöchigen Prüfungszeit hat das BVG heute sogar eine Entscheidung erst in DREI Monaten (!) avisiert. Wenn man bedenkt, dass der ESM eigentlich am 01.07. Inkrafttreten sollte, wird die nun anstehende zeitliche Verzögerung und Wartezeit (inkl. Unsicherheit über den Ausgang der Rechtsprüfung) die "Märkte" wohl kaum in euphorische Kaufstimmung versetzen...

Kommen in dieser Zeit dazu noch passende Meldungen aus Griechenland (Troika-Prüfung), Spanien (Zinsen für Staatsanleihen > 7%) oder bestätigende Prognosen bzgl. der befürchteten globalen Rezession, dann werden DAX und DOW die kommenden Wochen wohl noch kräftig abgeben...

Sollte "Karlsruhe", also das BVG, den Fiskalpakt und den ESM dann sogar kippen, wäre das nicht nur zur Freude der ESM-Gegner, sondern auch für diejenigen, die gern günstig Aktien deutscher Top-Unternehmen kaufen...

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