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17.10.2014

00:05 Uhr

Börse New York

Positive Konjunkturdaten stoppen Talfahrt

Die US-Börsen haben leicht zugelegt. Vor allem die positiven Konjunkturdaten stoppen die Talfahrt der letzten Tage. Auch die Hoffnung auf eine Verschiebung von US-Zinserhöhung hilft den Werten.

Die Stimmung an den Märkte weltweit ist angespannt, auch an der Wall Street. dpa

Die Stimmung an den Märkte weltweit ist angespannt, auch an der Wall Street.

New YorkDie US-Börsen haben am Donnerstag angesichts erfreulicher Konjunkturdaten ihre jüngste Talfahrt unterbrochen und nahezu unverändert tendiert. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel auf ein 14-Jahres-Tief und auch die Industrieproduktion übertraf die Erwartungen. "Was für eine Erleichterung!", erklärte Eric Wiegand von der U.S. Bank in New York. In den vergangenen Tagen hatten Anzeichen für eine neue Abkühlung der Wirtschaft die Kurse stark belastet. Für zusätzlichen Auftrieb sorgte zudem ein hochrangiges Mitglied der US-Notenbank Fed, der eine weitere Stützung der Konjunktur in Aussicht stellte.

Der Dow-Jones-Index beendete den Handel bei 16.117 Punkten und damit knapp 0,2 Prozent schwächer. Das Barometer hatte nach der Eröffnung zunächst seine deutlichen Verluste bis auf 15.935 Punkte fortgesetzt, um dann zwischenzeitlich ins Plus bis auf 16.211 Zähler zu drehen. Der breiter gefasste S&P-500 schloss mit 1862 Zählern auf Vortagesniveau. Die Technologiebörse Nasdaq dagegen legte minimal auf 4217 Stellen zu. Der Dax schloss 0,1 Prozent höher bei 8582,90 Punkten.

Die Aktien von Goldman Sachs fielen trotz eines überraschend hohen Gewinns um 2,6 Prozent. Händler befürchten, dass sich das Geschäft der Investmentbank wegen der jüngsten Marktturbulenzen bald wieder verschlechtern könnte. Die Online-Videothek Netflix vermeldete ein schwaches Kundenwachstum und wurde dafür mit einem Kursrutsch von 20 Prozent bestraft.

Knapp zwei Prozent abwärts ging es auch für den weltgrößten Einzelhändler Wal-Mart, der von einem geringeren Umsatzwachstum im Jahr ausgeht. Der Online-Handelsriese eBay senkte ebenfalls seine Prognose und schickte seine Dividendentitel dadurch fünf Prozent ins Minus.

Aufwärts ging es dagegen erneut mit Firmen, die von der derzeitigen Ebola-Panik in den USA profitieren. So zogen etwa die Titel der Biotech-Firma Ibio um mehr als 35 Prozent an, weil das Unternehmen der US-Regierung Hilfe anbot und seine Technik für Notfall-Einsätze bereitstellen will.

Börsen in Aufruhr

Was spielt sich derzeit an den Finanzmärkten ab?

Vor allem eingetrübte Konjunkturperspektiven belasten die Märkte. Die Rohstoffpreise - ein Barometer für die wirtschaftliche Lage - befinden sich auf Talfahrt. Zu den Sorgen über die Wirtschaft kommt die Verunsicherung durch Krisen im Nahen Osten und der Ukraine sowie die Furcht vor einer Ausbreitung von Ebola. „Die Anleger sind nervös und nutzen jede Gelegenheit zum Verkaufen, während noch vor Wochen jede Schwäche zum Nachkaufen genutzt wurde“, sagt Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Die Stimmung sei innerhalb kürzester Zeit von fast schon euphorisch auf sehr negativ gedreht. Auch an den Anleihemärkten dominiert die Angst. Die Risikoaufschläge für Papiere aus den europäischen Krisenländern zogen stark an, während die Renditen auf die deutschen Staatspapiere auf Rekordtiefs fielen. Letzteres deutet auf eine große Nachfrage der Investoren hin - die sogenannten Bundesanleihen gelten als sicherer Hafen in Krisenzeiten.
Quelle: dpa

Haben die Anleger die Gefahren für die Wirtschaft zu lange ignoriert?

Tatsächlich haben insbesondere die Aktienmärkte die politischen Krisen und die Gefahren einer globalen Wachstumsschwäche lange Zeit kaum beachtet. Die Notenbanken pumpten billiges Geld in den Markt. Und wegen der mickrigen Zinsen mangelte es an Alternativen, so dass die Anleger in großem Stil zu Aktien griffen. „Befürchtet wird nun ein Übergreifen der Wirtschaftsschwäche und sinkender Inflationsraten aus der Eurozone auf die USA“, sagt Volkswirt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Sind die Notenbanken mit ihrem Latein am Ende?

Während die US-Notenbank Fed jahrelang Milliarden in die Wirtschaft pumpte und Erfolge vorweisen konnte, gilt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bei vielen Ökonomen mittlerweile als wenig wirksam. „Die jüngst von der EZB beschlossenen Maßnahmen zielen auf das Angebot an Krediten ab, aber tatsächlich fehlt es angesichts der wirtschaftlichen Schwäche an Nachfrage“, sagt Volkswirt Keller. Auch die jetzt diskutierten, breit angelegte Staatsanleihekäufe würden nichts am Grundproblem ändern.

Sind die Konjunkturängste gerechtfertigt?

Laut Volkswirten gibt es zwar Grund zur Vorsicht, allerdings sollten die jüngsten Signale nicht überbewertet werden. Nach Einschätzung der Experten von Goldman Sachs gilt das vor allem mit Blick auf die USA. Dort gebe es wenig Anzeichen einer Konjunkturabkühlung. Auch die Ausbreitung des Ebola-Virus sehen die Experten der US-Investmentbank nicht sonderlich kritisch. Es müsse schon viel passieren, bis derartige Ereignisse tiefere Spuren in der Wirtschaft hinterließen. Mit Blick auf Europa hält Graham Secker, Marktstratege bei Morgan Stanley, die Konjunkturaussichten zwar nicht für rosig, aber längst nicht so trübe wie die Anlegerstimmung es signalisiere.

Droht am Ende der große Crash am Aktienmarkt?

Noch sehen Experten keinen Grund für übertriebene Angst. Nach dem starken Lauf der vergangenen Jahre sind auch größere Korrekturen nicht ungewöhnlich. Investoren sollten nicht die Nerven verlieren und blind der Masse hinterherrennen, sagt Marktexperte Saurenz. Möglicherweise nutzten manche Investoren die niedrigen Kurse auch zum Kaufen, was den Markt stützen würde. Viel schlechter könne die Stimmung am europäischen Aktienmarkt nicht werden, schrieb Morgan-Stanley-Experte Secker wie zur Beruhigung.

Genährt wurden die Spekulationen auf eine längerfristig lockere US-Geldpolitik von Aussagen des Chef der Federal Reserve Bank von St. Louis, James Bullard. Dieser brachte in einem Interview mit Bloomberg TV eine Pause bei der Drosselung der Wertpapierkäufe durch die US-Notenbank ins Gespräch. Abhängig von der Konjunkturentwicklung könnten sie sogar wieder ausgeweitet werden. Damit schürte er Börsianern zufolge Spekulationen auf eine Verschiebung der geplanten US-Zinserhöhung. Bislang rechnen Anleger für Mitte 2015 mit diesem Schritt.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,06 Milliarden Aktien den Besitzer. 2180 Werte legten zu, 903 gaben nach und 116 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,57 Milliarden Aktien 1833 im Plus, 879 im Minus und 111 unverändert.

An den US-Kreditmärkten nutzten Anleger die rasanten Kursgewinne der letzten Tage und die Stabilisierung an der Aktienbörse für Gewinnmitnahmen. Deshalb fielen die zehnjährigen Staatsanleihen um 18/32 auf 101-30/32. Sie rentierten mit 2,16 Prozent. Die 30-jährigen Bonds gaben sogar 1-6/32 auf 103-23/32 nach und rentierten mit 2.94 Prozent.

Von

rtr

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