Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.10.2014

22:01 Uhr

Börse New York

Rekorde an Wall Street

Japans Zentralbank pumpt noch mehr Geld in die Wirtschaft. Das beflügelt den Dow Jones. Exxon kann seinen Gewinn trotz sinkender Ölpreise steigern. Aktien von Madison Square Garden waren nach Zahlen gefragt.

Händler an der Wall Street: Auch heute kam ein Bündel an US-Konjunkturdaten. AFP

Händler an der Wall Street: Auch heute kam ein Bündel an US-Konjunkturdaten.

New YorkNeue Geldgeschenke der japanischen Notenbank haben am Freitag auch die Wall Street beflügelt. Um die Wirtschaft in Schwung zu bringen und die Teuerung anzuheizen, wollen die Zentralbanker bis zu 80 Billionen Yen (572 Milliarden Euro) pro Jahr an Wertpapieren aufkaufen. Bislang waren nur 60 bis 70 Billionen Yen geplant. Regierung und Notenbank haben sich auf die Fahnen geschrieben, Japan von der langjährigen Deflation - also einem konjunkturschädlichen Preisverfall auf breiter Front - zu befreien.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,1 Prozent höher auf 17.390 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 kletterte um 1,2 Prozent auf 2018 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte um 1,4 Prozent auf 4630 Punkte vor. Im Wochenvergleich verbesserte sich der Dow um 3,4 Prozent, der S&P um 2,7 Prozent und der Nasdaq-Index um 3,3 Prozent. Auf Monatssicht erzielte der Dow ein Plus von zwei Prozent, der S&P von 2,3 Prozent und der Nasdaq von drei Prozent.

In Frankfurt legte der Dax 2,3 Prozent auf 9326 Punkte zu, der EuroStoxx50 gewann 2,6 Prozent auf und 3113 Zähler. Der Nikkei-Index in Tokio kletterte auf den höchsten Stand seit sieben Jahren.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

"Die Wünsche und Hoffnungen vieler Anleger wurden erfüllt, nach dem Ende der Anleiheaufkäufe der US-Notenbank tritt nun eine andere Notenbank geldpolitisch aufs Gaspedal", schrieb Jens Klatt vom Brokerhaus FXCM. Börsianer sagten, dies könne auch die Europäer ermuntern, mehr gegen die Stagnation in der Euro-Zone zu tun. In den USA wächst die Wirtschaft dagegen momentan so stark wie in sonst kaum einem anderen Industrieland, weswegen die Zentralbank ihre Geldspritzen auslaufen lässt.

Im Fokus standen nach Quartalszahlen Exxon Mobil, die um 2,4 Prozent zulegten. Bei dem Energiekonzern sprudeln trotz des zuletzt gesunkenen Ölpreises die Gewinne. Abbvie -Anteile verteuerten sich um 3,7 Prozent, weil der Pharmakonzern im abgelaufenen Quartal unerwartet viel Umsatz und Gewinn einfuhr.

Überraschend hohe Umsätze hievten Madison Square Garden zeitweise auf ein Rekordhoch. Die Aktien des Besitzers der gleichnamigen New Yorker Veranstaltungshalle stiegen bis zum Schluss 2,3 Prozent. Das Unternehmen, dem auch das Basketball-Team New York Knicks gehört, verbuchte im abgelaufenen Quartal einen Umsatz von 241,7 Millionen Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit 224,1 Millionen Dollar gerechnet.

Gefragt waren die Anteilsscheine von Expedia mit einem Kursplus von 5,3 Prozent. Das Reiseportal hatte die Börsianer mit seinen Quartalszahlen überzeugt. Starbucks-Aktien ließen dagegen 2,3 Prozent Federn. Die weltgrößte Kaffeehaus-Kette hatte am Vortag ihre Bilanzdaten vorgestellt.

An der New York Stock Exchange wechselten rund eine Milliarde Aktien den Besitzer. 2363 Werte legten zu, 717 gaben nach und 127 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von rund 2,4 Milliarden Aktien 1921 im Plus, 816 im Minus und 111 unverändert.

Die US-Kreditmärkte gaben nach. Die zehnjährigen Staatsanleihen verloren 9/32 auf 100-11/32. Die Rendite stieg auf 2,337 Prozent. Der 30-jährige Bond sank 16/32 auf 101-8/32 und rentierte mit 3,061 Prozent. Anleger seien angesichts eines positiveren Konjunkturausblicks aus den als sicher geltenden Anleihen geflohen, sagten Händler. Stattdessen hätten die Investoren ihr Geld in riskantere Anlagen mit einer höheren Rendite gesteckt.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×