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10.10.2013

23:42 Uhr

Börse New York

Schuldenobergrenze rauf, Kurse auch

Der Spitzen-Republikaner Boehner erklärt sich zu einer Anhebung der US-Schuldenobergrenze bereit. An den Börsen wird das mit Kursanstiegen quittiert. Aktienhändler hoffen auf einen Durchbruch im Haushaltsstreit.

Händler an der NYSE: Der US-Schuldenstreit hält die Anleger in Atem. ap

Händler an der NYSE: Der US-Schuldenstreit hält die Anleger in Atem.

New YorkDie Hoffnung auf einen Durchbruch im US-Haushaltsstreit hat am Donnerstag die Aktienmärkte beflügelt: In New York schlossen alle drei großen Börsen-Indices mehr als zwei Prozent im Plus. Der Spitzen-Republikaner John Boehner hatte sich vor einem Treffen mit Präsident Barack Obama zu einer geringen Anhebung der Schuldenobergrenze bereit gezeigt. Allerdings müssten sich die Demokraten im Gegenzug zu Verhandlungen über bestimmte Haushaltsfragen bereiterklären, forderten andere führende Republikaner. Das Präsidialamt erklärte, man werde den Vorschlag prüfen.

"Der Aktienmarkt ist ein Sklave des Politik-Theaters in Washington geworden", sagte Keith Bliss von Cuttone & Co. In der Krise müsse man einfach den Worten aus der Hauptstadt folgen. Ein Scheitern der Verhandlungen hätte unabsehbare wirtschaftliche Folgen, warnte Anlagestratege Francois Duhen von CM-CIC Securities. "Der Preis für die Zahlungsunfähigkeit der USA wäre eine Depression."

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 2,2 Prozent fester bei 15.126 Punkten. Im Verlauf pendelte er zwischen 14.806 und 15.126 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500 stieg ebenfalls um 2,2 Prozent auf 1692 Zähler. Damit war es der höchste prozentuale Tagesgewinn seit dem 2. Januar. Der Index der Technologiebörse Nasdaq kletterte um 2,3 Prozent auf 3760 Stellen.

Was passiert, wenn der Supermacht USA das Geld ausgeht?

Wie wahrscheinlich ist ein Zahlungsausfall der Supermacht?

Experten sind zunehmend besorgt. „Genauso, wie in den fünfziger Jahren ein Nuklearkrieg im Bereich des Möglichen lag, ist auch ein Zahlungsausfall der USA nicht mehr ausgeschlossen“, sagt Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank.

Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank und normalerweise eher als Optimist bekannt, sieht ebenfalls „ernsthafte Risiken“. Robert Halver, Leiter der Aktienanalyse bei der Baader Bank, demonstriert hingegen Zuversicht: „Ich bin mir sicher, sie bekommen das hin.“ Doch fest steht: Die Gelassenheit schwindet. Die politischen Fronten in den USA scheinen verhärteter denn je.

Was passiert am Tag X?

Laut US-Finanzminister Jack Lew muss bis zum 17. Oktober eine Einigung erfolgen, ansonsten kommt die Pleite. Dennoch wird am Tag X zunächst kein Zahlungsausfall bei US-Staatsanleihen eintreten. Nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's könnten sich die USA mit Haushaltstricks noch bis Mitte November über Wasser halten. Dann läuft die Zeit aus. Für viele Analysten wäre dies der größte anzunehmende Unfall.

Sollte es im November zu einem Zahlungsausfall der USA kommen, könnten Anleger in Panik verfallen. „Vor allem bei US-Staatsleihen würde es starke Verwerfungen geben“, sagt Asoka Wöhrmann, oberster Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter DWS.

Nehmen die Märkte die Unsicherheit klaglos hin?

Nein. „Je länger sich die US-Streitigkeiten hinziehen, desto bedrohlicher wird die Situation auch für die internationalen Aktienmärkte und den nationalen Rentenmarkt“, warnt Analyst Jan Bopp vom Bankhaus Metzler. Zwar sind herbe Verluste oder größere Verwerfungen an den Aktienmärkten bislang ausgeblieben.

Zum Wochenstart zeigten die Kurven an den Kurstafeln an den meisten Börsenplätzen allerdings bereits nach unten - sowohl in Asien als auch in Europa. Die Angst vor einem Zahlungsausfall macht sich auch am US-Anleihemarkt bemerkbar: Die Versicherungsprämien auf amerikanische Staatsanleihen haben am Freitag den höchsten Stand in diesem Jahr erreicht.

Warum ist die Schuldenobergrenze überhaupt so wichtig?

Die USA können nur etwa 80 Prozent ihrer staatlichen Ausgaben aus Einnahmen wie beispielsweise Steuern finanzieren. Deshalb muss viel Geld in Form von Krediten an den Finanzmärkten aufgetrieben werden. Das ist grundsätzlich kein Problem. US-Staatsanleihen gelten traditionell als sicher.

Ein Grund: Die USA verschulden sich in der globalen Leitwährung Dollar, die ihre Notenbank Fed theoretisch in unbegrenzter Menge drucken kann. Allerdings hat sich das Land bereits im Ersten Weltkrieg selbst ein Schulden-Limit verordnet.

Das könnte nun zum Verhängnis werden. Das Debakel ist aber vor allem ein Ergebnis politischer Grabenkämpfe - die USA schieben zwar einen enormen Schuldenberg vor sich her, doch das hat ihre Gläubiger bislang noch nie wirklich gestört.

In Frankfurt schloss der Dax zwei Prozent im Plus bei 8685 Zählern, womit er den größten Tagesgewinn seit einem Monat verbuchte. Der EuroStoxx50 gewann 2,2 Prozent auf 2969,41 Zähler. Für den pan-europäischen Index ist dies der größte Tagesgewinn seit etwa drei Monaten.

Der Haushaltsnotstand in den USA und das Ringen um eine Erhöhung der Schuldengrenze sind weltweit in den Fokus der Anleger gerückt. Schließlich könnte die US-Regierung wegen der Blockade im Kongress ab dem 17. Oktober ihr Schuldenlimit von 16,7 Billionen Dollar erreichen. Dann könnte der Bund keine neuen Schulden aufnehmen und müsste Ausgaben massiv kürzen. Die Folgen für die Weltwirtschaft wären erheblich, weshalb jedes Hoffnungssignal auf dem Parkett dankbar aufgenommen wird.

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