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23.10.2013

00:21 Uhr

Börse New York

Schwache Arbeitsmarktdaten treiben Wall Street an

Anleger deuteten das schwache Job-Wachstum als Zeichen für die Weiterführung der lockeren US-Geldpolitik. Die Wall Street schloss mit satten Gewinnen. Mit Apple gab es jedoch auch Verlierer.

Wie der Wall-Street-Handel lief

Video: Wie der Wall-Street-Handel lief

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New YorkDie Erwartung einer unverminderten Geldschwemme durch die US-Notenbank heizt die Rekordjagd an der Wall Street weiter an. Das breit gefasste Börsenbarometer S&P 500 erreichte am Dienstag mit 1.759,33 Punkten zwischenzeitlich einen Höchststand. Auslöser war der wegen des vorübergehenden Verwaltungsstillstands verspätet veröffentlichte Arbeitsmarktbericht für September. Die Beschäftigtenzahl wuchs weniger stark als erwartet. Die Anleger werteten dies als Hinweis darauf, dass die Fed ihre Konjunkturspritzen erst im kommenden Jahr zurückfahren könnte.

„Die September-Zahlen rechtfertigen die Entscheidung der Fed, die Drosselung aufzuschieben“, sagte Portfoliomanager Brian Jacobsen von Wells Fargo Funds Management.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,5 Prozent fester bei einem Stand von 15.467 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 stieg um 0,6 Prozent auf 1754 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq kletterte um 0,2 Prozent auf 3929 Stellen.

In den USA standen vor allem Technologiewerte im Blick. Belastet wurde die Nasdaq von Apple -Aktien, die knapp 0,3 Prozent tiefer schlossen. Das Unternehmen stellt sein Mac-Betriebssystem und das Office-Konkurrenzprodukt iWork künftig kostenlos zur Verfügung und präsentierte neue Tablet-PCs. Bevor das Unternehmen seine Produktpräsentation begann, war der Kursrückgang allerdings stärker.

Netflix -Titel legten eine spektakuläre Berg- und Talfahrt hin. Nach einem rasanten Anstieg im frühen Geschäft brachen sie ein und notierten sechs Prozent schwächer. Am Montag hatte der Videodienste-Anbieter erklärt, im September in den USA 1,3 Millionen neue Kunden gewonnen zu haben. Zudem stieg der Gewinn im dritten Quartal deutlich.

So beeinflussen die USA die weltweiten Börsen

Warum steigen die Börsenkurse trotz des US-Haushaltsstreits?

Erstmals in seiner 25-jährigen Geschichte knackte der Dax in dieser Woche die Marke von 8800 Punkten, auch an anderen Aktienmärkten ging es nach oben. Getrieben wurden die Kurse von der Hoffnung der Anleger, dass im Haushaltspoker in Washington noch eine Lösung gefunden wird. Doch das ist nicht der einzige Grund.

Was bewegt die Börsen sonst noch?

Die Notenbanken fluten die Märkte mit extrem billigem Geld, damit soll die Konjunktur angeregt werden. Die Hoffnung auf Kursgewinne und Dividenden in Zeiten extrem niedriger Zinsen locken Investoren seit Monaten an den Aktienmarkt. „Die Finanzmarktexperten bleiben optimistisch. Ein größerer Einfluss des Streits über die Schuldenobergrenze in den USA ist derzeit nicht sichtbar“, sagt ZEW-Präsident Clemens Fuest. Zudem sorgt der Beginn der Berichtssaison mit guten Zahlen einiger US-Konzerne für Lichtblicke.

Wie lange pumpen die Notenbanken noch billiges Geld in den Markt?

Ein rascher Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik ist angesichts der schwachen Konjunktur weder bei der US-Notenbank Fed noch bei der Europäischen Zentralbank wahrscheinlich. Im Gegenteil: Die EZB hatte klar gemacht, dass sie den Geldhahn so schnell nicht zudrehen wird.

Hatte die Fed nicht die Drosselung ihrer Anleihenkäufe angekündigt?

Notenbankchef Ben Bernanke hatte im Juni in Aussicht gestellt, die Anleihenkäufe noch in diesem Jahr zurückzufahren und Mitte 2014 eventuell auslaufen zu lassen - vorausgesetzt, die Konjunktur zieht an. Doch die Fed kauft weiter jeden Monat Anleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar (63,6 Milliarden Euro). Da Etatstreit und Verwaltungsstillstand das Wachstum bremsen dürften, könnte der Einstieg in den Ausstieg auch in den USA noch auf sich warten lassen. „Wenn die Etatschlacht Wirtschaft und Finanzmärkte zu hart trifft, dürfte die Drosselung der Anleihenkäufe auf März verschoben werden“, schätzt Unicredit-Ökonomin Chiara Silvestre.

Was passiert, wenn es keine Einigung gibt?

Je länger die Hängepartie dauert, umso nervöser dürften die Märkte werden. Sobald ernsthafte Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der USA aufkämen, sei mit schwersten Erschütterungen zu rechnen, sagen Experten. Ökonom Brian Horrigan von Natixis Global Asset Management warnt vor einem Absturz: „Die Kombination aus einer Panik im Finanzsektor mit plötzlichen, tiefen Einschnitten bei den Staatsausgaben und steigender Unsicherheit könnten leicht zu einer Rezession führen.“ Die Ratingagentur Fitch droht den USA mit dem Verlust ihres Spitzenratings. Fitch fürchtet, dass die Regierung ihre Angestellten im schlimmsten Fall nicht mehr bezahlen kann und Sozialleistungen ausbleiben: „All das würde die Wahrnehmung der US-Kreditwürdigkeit sowie die Wirtschaft beschädigen.“ Für die Ratingexperten wäre aber am schlimmsten, wenn das Vertrauen in das System und in den Dollar als weltweite Reservewährung verloren ginge.

Wie lange kann die Hängepartie dauern?

An diesem Donnerstag ist die Schuldengrenze erreicht: Wenn sich die politischen Lager nicht auf eine Anhebung verständigen, dürfen sich die Vereinigten Staaten kein neues Geld mehr am Kapitalmarkt leihen. Mit dem Stichtag ist aber nicht automatisch Schluss: Dem Staat bleiben dann noch rund 30 Milliarden Dollar an Barreserven, um seine Verpflichtungen zu erfüllen. Das ist allerdings zu wenig, um zum Beispiel bald anstehende 60 Milliarden Dollar an Rentenzahlungen zu leisten. Ohne neue Kredite würde es danach richtig ernst, auch um die Zinsen und Tilgungen für US-Staatspapiere zu zahlen.

Ist bei einer Einigung alles im Lot ?

Das Image der USA als Weltmacht ist bereits angekratzt. Die Streitereien untergraben das Vertrauen in das Funktionieren des politischen Systems. Hinzu kommen ökonomische Folgen. „Untersuchungen zeigen, dass die Konjunktur durch einen Anstieg der politischen Unsicherheit zumindest vorübergehend erheblich gedämpft werden kann“, erklärt Ökonom Nils Jannsen vom Institut für Weltwirtschaft (IfW). Unternehmen hielten sich mit Investitionen zurück, Verbraucher zögerten größeren Anschaffungen hinaus. Erste Ökonomen haben bereits ihre Prognosen für die weltgrößte Volkswirtschaft gesenkt.

Was bedeutet das für die Anleger?

Die Börsen sind nervös. Am Dienstag sorgte die Hoffnung auf eine Einigung im Haushaltsstreit für einen Höhenflug. Doch die Luft ist dünn. Weil sich der Poker am Mittwoch hinzog, erstarrten die Börsianer wie das Kaninchen vor der Schlange. Privatanleger sollten sich derzeit also gut überlegen, ob sie ein- oder aussteigen wollen. Doch alternative Anlagen sind weiter unattraktiv. Das Sparbuch wirft so gut wie nichts mehr ab, Staatsanleihen von Ländern mit guter Bonität wie Deutschland bringen mickrige Erträge, meist unter der Inflationsrate.

Bei United Technologies übertraf der Gewinn je Aktie knapp die Schätzungen der Analysten. Zudem fiel der Gewinnausblick des Mischkonzerns für das Gesamtjahr optimistischer aus als zuvor. Die Umsatzprognose wurde hingegen gesenkt. Für die Titel ging es am Index-Ende um 1,38 Prozent bergab.

Die Papiere von Texas Instruments büßten 1,73 Prozent ein, nachdem der Chip-Spezialist die Investoren mit seiner Umsatzprognose für das gerade angebrochene vierte Quartal enttäuscht hatte. Zudem hatte der Konzern im Vorquartal einen Umsatzrückgang erlitten. Unter dem Strich sorgte eine höhere Steuerlast für einen deutlichen Ergebnisrückgang.

Der Schadensversicherer Travelers hatte dank vergleichsweise geringer Katastrophenschäden und höherer Tarife seinen Gewinn stabil gehalten, was die Analysten positiv überraschte. So hatte die Gesellschaft auch die angesichts der ultralockeren US-Geldpolitik geringen Zinserträge der eigenen Anlagen wettmachen können. Vom Erfolg sollen auch die Aktionäre profitieren. Der Versicherer will sein Aktienrückkaufprogramm um fünf Milliarden Dollar aufstocken. Dennoch verloren die Aktien 0,06 Prozent.

Der Softwarekonzern stellte derweil die neue Generation seiner Tablet-Marke Surface vor. Den Aktien beider Unternehmen halfen diese Nachrichten wenig - sie verloren 0,28 beziehungsweise 1,17 Prozent.

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