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28.10.2014

23:40 Uhr

Börse New York

Starke Konjunkturdaten beflügeln die Wall Street

Blendende Stimmung an den US-Börsen: Gute Konjunkturdaten trieben die Anleger an, das Konsumbarometer ist so hoch wie seit sieben Jahren nicht mehr. Die Investoren setzen vor allem auf den Geldsegen der Fed.

Unter den Händlern in New York ist die Geldpolitik der Fed derzeit Gesprächsthema Nummer Eins. ap

Unter den Händlern in New York ist die Geldpolitik der Fed derzeit Gesprächsthema Nummer Eins.

New YorkUnerwartet starke Konjunkturdaten haben die Wall Street am Dienstag beflügelt. Die Stimmung der US-Verbraucher ist so gut wie seit sieben Jahren nicht mehr. Das Konsumbarometer stieg im Oktober überraschend um 5,5 auf 94,5 Punkte. Von Reuters befragte Experten hatten lediglich mit 87,0 Zählern gerechnet. "Die gute US-Konsumentenstimmung lässt auf anhaltend gute Geschäfte der Unternehmen hoffen", sagte Andreas Paciorek, Marktanalyst bei CMC Markets.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging 1,1 Prozent höher bei 17.005 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P 500 legte 1,2 Prozent auf 1985 Zähler zu. Der Index der Technologiebörse Nasdaq kletterte um 1,7 Prozent auf 4564 Punkte. In Frankfurt schloss der Dax 1,9 Prozent höher bei 9068 Zählern, der EuroStoxx50 legte 1,2 Prozent auf 3036 Zähler zu.

Bei den US-Einzelwerten rutschte die Twitter -Aktie um knapp zehn Prozent ab, weil der Kurznachrichtendienst etwas langsamer wuchs. Die Zahl der aktiven Nutzer stieg im abgelaufenen Quartal zwar um 23 Prozent auf 284 Millionen. Im Sommerquartal hatte Twitter dank der Fußball-WM aber noch ein Plus von 24 Prozent erreicht.

Bei der amerikanischen Tochter der Deutschen Telekom, T-Mobile US, honorierten die Anleger den Kundenansturm. Die in New York notierten Aktien stiegen um gut drei Prozent.

Der weltgrößte Biotech-Konzern Amgen stellte für das kommende Jahr einen Umsatz und Gewinn über den bisherigen Analystenschätzungen in Aussicht. Zudem kündigte das Unternehmen eine Dividenden-Erhöhung um 30 Prozent und die Wiederaufnahme eines Aktienrückkaufprogramms an. Börsianer quittierten den Ausblick mit einem Kursplus von mehr als sechs Prozent.

Börsen in Aufruhr

Was spielt sich derzeit an den Finanzmärkten ab?

Vor allem eingetrübte Konjunkturperspektiven belasten die Märkte. Die Rohstoffpreise - ein Barometer für die wirtschaftliche Lage - befinden sich auf Talfahrt. Zu den Sorgen über die Wirtschaft kommt die Verunsicherung durch Krisen im Nahen Osten und der Ukraine sowie die Furcht vor einer Ausbreitung von Ebola. „Die Anleger sind nervös und nutzen jede Gelegenheit zum Verkaufen, während noch vor Wochen jede Schwäche zum Nachkaufen genutzt wurde“, sagt Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Die Stimmung sei innerhalb kürzester Zeit von fast schon euphorisch auf sehr negativ gedreht. Auch an den Anleihemärkten dominiert die Angst. Die Risikoaufschläge für Papiere aus den europäischen Krisenländern zogen stark an, während die Renditen auf die deutschen Staatspapiere auf Rekordtiefs fielen. Letzteres deutet auf eine große Nachfrage der Investoren hin - die sogenannten Bundesanleihen gelten als sicherer Hafen in Krisenzeiten.
Quelle: dpa

Haben die Anleger die Gefahren für die Wirtschaft zu lange ignoriert?

Tatsächlich haben insbesondere die Aktienmärkte die politischen Krisen und die Gefahren einer globalen Wachstumsschwäche lange Zeit kaum beachtet. Die Notenbanken pumpten billiges Geld in den Markt. Und wegen der mickrigen Zinsen mangelte es an Alternativen, so dass die Anleger in großem Stil zu Aktien griffen. „Befürchtet wird nun ein Übergreifen der Wirtschaftsschwäche und sinkender Inflationsraten aus der Eurozone auf die USA“, sagt Volkswirt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Sind die Notenbanken mit ihrem Latein am Ende?

Während die US-Notenbank Fed jahrelang Milliarden in die Wirtschaft pumpte und Erfolge vorweisen konnte, gilt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bei vielen Ökonomen mittlerweile als wenig wirksam. „Die jüngst von der EZB beschlossenen Maßnahmen zielen auf das Angebot an Krediten ab, aber tatsächlich fehlt es angesichts der wirtschaftlichen Schwäche an Nachfrage“, sagt Volkswirt Keller. Auch die jetzt diskutierten, breit angelegte Staatsanleihekäufe würden nichts am Grundproblem ändern.

Sind die Konjunkturängste gerechtfertigt?

Laut Volkswirten gibt es zwar Grund zur Vorsicht, allerdings sollten die jüngsten Signale nicht überbewertet werden. Nach Einschätzung der Experten von Goldman Sachs gilt das vor allem mit Blick auf die USA. Dort gebe es wenig Anzeichen einer Konjunkturabkühlung. Auch die Ausbreitung des Ebola-Virus sehen die Experten der US-Investmentbank nicht sonderlich kritisch. Es müsse schon viel passieren, bis derartige Ereignisse tiefere Spuren in der Wirtschaft hinterließen. Mit Blick auf Europa hält Graham Secker, Marktstratege bei Morgan Stanley, die Konjunkturaussichten zwar nicht für rosig, aber längst nicht so trübe wie die Anlegerstimmung es signalisiere.

Droht am Ende der große Crash am Aktienmarkt?

Noch sehen Experten keinen Grund für übertriebene Angst. Nach dem starken Lauf der vergangenen Jahre sind auch größere Korrekturen nicht ungewöhnlich. Investoren sollten nicht die Nerven verlieren und blind der Masse hinterherrennen, sagt Marktexperte Saurenz. Möglicherweise nutzten manche Investoren die niedrigen Kurse auch zum Kaufen, was den Markt stützen würde. Viel schlechter könne die Stimmung am europäischen Aktienmarkt nicht werden, schrieb Morgan-Stanley-Experte Secker wie zur Beruhigung.

Mit Spannung warteten die Investoren auf das Ende der Beratungen des Offenmarktausschusses der US-Notenbank Fed am Mittwochabend. Erwartet wurde ein Beschluss zum Auslaufen des milliardenschweren Anleihenankaufprogramms zur Stützung der US-Wirtschaft. Vor allem erhofften sich viele mehr Klarheit darüber, wann die Fed die Zinsen erhöhen will. Bislang rechnen die Märkte Mitte 2015 mit der Zinswende.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 800 Millionen Aktien den Besitzer. 2582 Werte legten zu, 501 gaben nach, und 112 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,92 Milliarden Aktien 2171 im Plus, 526 im Minus und 126 unverändert.

Die US-Kreditmärkte gaben nach. Die zehnjährigen Staatsanleihen verloren 10/32 auf 100-23/32. Die Rendite stieg auf 2,29 Prozent. Der 30-jährige Bond sank um 22/32 auf 101-3/32 und rentierte mit 3,07 Prozent. Händler erklärten die Abschläge mit den Daten zum Verbrauchervertrauen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Uwe Warschkow

28.10.2014, 17:41 Uhr

Langfristig performen US Aktien besser als deutsche Wertpapiere.Man braucht sich nur den Dow Jones Total Return hernehmen und über den DAX legen.Der Dow Jones Total Return kommt seit 82 auf einen jährlichen Zuwachs von 15%.Der DAX schafft nur die Hälfte.Vom Vergeich TecDAX früher Neuer Markt genannt und Nasdaq will ich erst gar nicht reden.Da wird das Bild noch krasser.Das liegt daran,dass zum ersten US Firmen produktiver sind als Deutsche und zum Zweiten daran,dass die Aktienkultur in den Vereinigten Staaten eine andere ist.

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