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05.12.2016

23:53 Uhr

Börse New York

Steigende Ölpreise feuern Wall Street an

Seit der Einigung der Opec auf eine Drosselung der Förderung steigen die Ölpreise. Mit ihnen legen auch die US-Börsen zu. Das Referendum in Italien spielt indes wie in Europa keine Rolle für den Börsenhandel.

Dank steigender Ölpreise kann der Dow Jones weiter zulegen. AFP; Files; Francois Guillot

Glückliche Händler in New York

Dank steigender Ölpreise kann der Dow Jones weiter zulegen.

Die US-Börsen haben am Montag ihren Aufwärtstrend fortgesetzt. Wie in Europa sorgte die Regierungskrise in Italien nicht für einen Einbruch der Kurse. Die Märkte setzen darauf, dass es trotz des angekündigten Rücktritts von Ministerpräsident Matteo Renzi keine schnellen Neuwahlen geben wird. Zudem hoffen Anleger auf einen konjunkturellen Aufschwung. So war das Wachstum der US-Dienstleister dem ISM-Institut zufolge im November überraschend hoch ausgefallen.

Der Dow-Jones -Index der Standardwerte schloss 0,2 Prozent höher auf 19.216 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 rückte 0,6 Prozent auf 2204 Zähler vor. Der Nasdaq-Composite mit den Technologiewerten verbesserte sich um ein Prozent auf 5308 Stellen.

Weiter im Fokus stand die Zinspolitik der Fed. US-Notenbanker William Dudley sagte, die Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten schaffe eine politische Unsicherheit. Es sei noch zu früh, um zu entscheiden, ob der Fed-Plan gradueller Zinserhöhungen angepasst werden müsse. Dem Sender CNBC sagte er jedoch, die Fed werde wahrscheinlich aggressiver vorgehen, sollte die Trump-Regierung die Wirtschaft mit neuen Ausgaben anschieben.

Bei den Einzelwerten waren die Papiere des Breitband-Serviceanbieters FairPoint gefragt. Sie verteuerten sich um rund elf Prozent. Das Unternehmen wird vom Rivalen Consolidated Communications übernommen.

Wie der Wall Street-Handel lief

Italien-Referendum lässt US-Börsen kalt

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Zu den größten Dow-Gewinnern zählten Goldman Sachs mit einem Plus von über zwei Prozent. Die Aktien der Investmentbank profitierten von einer Kaufempfehlung. Auch bei Nike folgten die Anleger einem Analystenkommentar und trieben die Papiere des Adidas-Rivalen damit um knapp drei Prozent in die Höhe.

In Frankfurt schloss der Dax 1,6 Prozent höher bei 10.684 Punkten, der EuroStoxx50 legte ebenfalls mehr als ein Prozent zu. Die Mailänder Börse gab zwar zeitweilig um über zwei Prozent nach, lag am Abend aber nur noch leicht im Minus.

Die Börse setze nun auf einen anderen Italiener, sagte Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. "EZB-Chef Mario Draghi hat alle Gründe auf seiner Seite, geldpolitisch weiter auf dem Gas zu bleiben." Analysten gehen davon aus, dass die EZB am Donnerstag eine Verlängerung ihrer Wertpapierkäufe von derzeit 80 Milliarden Euro monatlich verkündet. "Draghi ist dafür bekannt, dass er mit geldpolitischen Maßnahmen nicht zögert, wenn Gefahr für die Euro-Zone droht", erklärten die Analysten der Helaba.

Ökonomen zum Ausgang des Italien-Referendums

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank

„Ich würde am heutigen Tag nicht das Wort Euro-Krise in den Mund nehmen. Italien dürfte jetzt eine Technokraten-Regierung bekommen. Das muss nichts Schlechtes bedeuten. Übergangsregierungen in Europa haben manchmal mehr hinbekommen als reguläre Regierungen.

Die Debatte über eine Absenkung der Anleihenkäufe durch die EZB dürfte nun erst einmal vom Tisch sein. EZB-Chef Draghi dürfte am Donnerstag signalisieren, dass das Kaufprogramm fortgesetzt wird. Es dürfte nachjustiert werden zugunsten von italienischen Staatsanleihen. Das dürfte diese stützen. Die EZB Sitzung am Donnerstag kommt wie gerufen, um größere Schäden vor allem für italienische Staatsanleihen zu verhindern.“

Holger Sandte, Europa-Chefvolkswirt Nordea

"Wenn man sieht, wie breit der Widerstand gegen die Reformen war, dann war es eher Renzis Niederlage als ein Sieg der Populisten. Nachdem Renzi das Land vorangebracht hat, ist nun erst einmal unklar wie es weitergeht - Neuwahl oder nicht? Dieses Vakuum dauert hoffentlich nur kurz an. Auf den Finanzmärkten könnten italienische Bankaktien mehr leiden als Staatsanleihen. Italien ist aber nicht auf dem Weg aus der EU oder dem Euro-Raum. Damit das realistisch würde, müsste die Fünf-Sterne-Bewegung die nächste Wahl gewinnen, die Verfassung ändern, damit ein Euro-Referendum möglich würde, und es gewinnen. All das ist weit weg. Italien und die EU werden den gestrigen Rückschlag überleben."

Jörg Krämer, Commerzbank-Chefvolkswirt

„Der asiatische Handel hat gefasst reagiert. Der Eurokurs ist nicht eingebrochen. Natürlich ist es tragisch, dass die Italiener die Chance vertan haben, sich einen effizienteren parlamentarischen Entscheidungsprozess zu geben. Aber das bedeutet nicht automatisch eine eurokritische Fünf-Sterne-Regierung und eine Rückkehr der Staatsschuldenkrise. Der Staatspräsident will eine Übergangsregierung einsetzen. Diese würde versuchen, eine Wahlrechtsreform durchzubekommen.

Mittelfristig ist eine wesentliche Regierungsbeteiligung der Fünf-Sterne-Bewegung nicht vom Tisch. Sie will deutlich mehr Staatsausgaben. Das könnte zu einem Käuferstreik der Investoren führen und eine Staatschuldenkrise auslösen.“

Quelle: Reuters

An der New York Stock Exchange wechselten rund 940 Millionen Aktien den Besitzer. 2130 Werte legten zu, 823 gaben nach und 143 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,76 Milliarden Aktien 2150 im Plus, 684 im Minus und 212 unverändert.

Die US-Kreditmärkte bewegten sich kaum. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 1/32 auf 96-18/32. Die Rendite sank auf 2,3886 Prozent. Der 30-jährige Bond rückte um 2/32 auf 96-14/32 vor und rentierte mit 3,0566 Prozent. Händler sagten, dass der Markt mittlerweile überverkauft sei.

Von

rtr

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