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17.10.2013

23:25 Uhr

Börse New York

S&P 500 klettert auf Rekordhoch

Die Freude über die Einigung im Haushaltsstreit hat an den US-Börsen weitgehend für gute Stimmung gesorgt. Der S&P 500 schloss auf einem Allzeithoch. Die Quartalszahlen von IBM waren allerdings schwach.

Anleger an der Wall Street: Kompromiss im Etat-Streit war bereits eingepreist. dpa

Anleger an der Wall Street: Kompromiss im Etat-Streit war bereits eingepreist.

New YorkDie Einigung im US-Haushaltsstreit hat an den US-Börsen für überwiegend gute Stimmung gesorgt und den S&P-500-Index auf den höchsten Stand seiner Geschichte getrieben. Schwache Quartalszahlen von IBM verhinderten aber steigende Kurse auch beim Standardwerte-Index Dow Jones. Händler sagten, da sich der Haushaltsstreit lange hingezogen habe, werde die US-Notenbank ihre Konjunkturhilfen wohl nicht so schnell zurückfahren wie noch vor Wochen erwartet. Das stütze die Kurse. Allerdings werde es nach IBM und eBay wohl noch weitere Firmen geben, die enttäuschende Geschäftszahlen oder Prognosen vorlegten.

Der Dow-Jones-Index schloss mit einem Abschlag von zwei Punkten bei 15.371 Zählern. Im Verlauf pendelte er zwischen 15.229 und 15.376 Stellen. Der breiter gefasste S&P 500 stieg hingegen um 0,7 Prozent auf 1733 Zähler, der Index der Technologiebörse Nasdaq legte 0,6 Prozent auf 3863 Stellen zu. In Frankfurt hatte der Dax 0,4 Prozent leichter bei 8811 Punkten geschlossen.

IBM bereitet ein schwaches Geschäft mit Großrechnern und die schwindende Nachfrage aus China Probleme. Deshalb sank der Umsatz im abgelaufenen Quartal überraschend stark. Die Aktie verlor 6,4 Prozent.

So beeinflussen die USA die weltweiten Börsen

Warum steigen die Börsenkurse trotz des US-Haushaltsstreits?

Erstmals in seiner 25-jährigen Geschichte knackte der Dax in dieser Woche die Marke von 8800 Punkten, auch an anderen Aktienmärkten ging es nach oben. Getrieben wurden die Kurse von der Hoffnung der Anleger, dass im Haushaltspoker in Washington noch eine Lösung gefunden wird. Doch das ist nicht der einzige Grund.

Was bewegt die Börsen sonst noch?

Die Notenbanken fluten die Märkte mit extrem billigem Geld, damit soll die Konjunktur angeregt werden. Die Hoffnung auf Kursgewinne und Dividenden in Zeiten extrem niedriger Zinsen locken Investoren seit Monaten an den Aktienmarkt. „Die Finanzmarktexperten bleiben optimistisch. Ein größerer Einfluss des Streits über die Schuldenobergrenze in den USA ist derzeit nicht sichtbar“, sagt ZEW-Präsident Clemens Fuest. Zudem sorgt der Beginn der Berichtssaison mit guten Zahlen einiger US-Konzerne für Lichtblicke.

Wie lange pumpen die Notenbanken noch billiges Geld in den Markt?

Ein rascher Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik ist angesichts der schwachen Konjunktur weder bei der US-Notenbank Fed noch bei der Europäischen Zentralbank wahrscheinlich. Im Gegenteil: Die EZB hatte klar gemacht, dass sie den Geldhahn so schnell nicht zudrehen wird.

Hatte die Fed nicht die Drosselung ihrer Anleihenkäufe angekündigt?

Notenbankchef Ben Bernanke hatte im Juni in Aussicht gestellt, die Anleihenkäufe noch in diesem Jahr zurückzufahren und Mitte 2014 eventuell auslaufen zu lassen - vorausgesetzt, die Konjunktur zieht an. Doch die Fed kauft weiter jeden Monat Anleihen im Wert von 85 Milliarden Dollar (63,6 Milliarden Euro). Da Etatstreit und Verwaltungsstillstand das Wachstum bremsen dürften, könnte der Einstieg in den Ausstieg auch in den USA noch auf sich warten lassen. „Wenn die Etatschlacht Wirtschaft und Finanzmärkte zu hart trifft, dürfte die Drosselung der Anleihenkäufe auf März verschoben werden“, schätzt Unicredit-Ökonomin Chiara Silvestre.

Was passiert, wenn es keine Einigung gibt?

Je länger die Hängepartie dauert, umso nervöser dürften die Märkte werden. Sobald ernsthafte Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der USA aufkämen, sei mit schwersten Erschütterungen zu rechnen, sagen Experten. Ökonom Brian Horrigan von Natixis Global Asset Management warnt vor einem Absturz: „Die Kombination aus einer Panik im Finanzsektor mit plötzlichen, tiefen Einschnitten bei den Staatsausgaben und steigender Unsicherheit könnten leicht zu einer Rezession führen.“ Die Ratingagentur Fitch droht den USA mit dem Verlust ihres Spitzenratings. Fitch fürchtet, dass die Regierung ihre Angestellten im schlimmsten Fall nicht mehr bezahlen kann und Sozialleistungen ausbleiben: „All das würde die Wahrnehmung der US-Kreditwürdigkeit sowie die Wirtschaft beschädigen.“ Für die Ratingexperten wäre aber am schlimmsten, wenn das Vertrauen in das System und in den Dollar als weltweite Reservewährung verloren ginge.

Wie lange kann die Hängepartie dauern?

An diesem Donnerstag ist die Schuldengrenze erreicht: Wenn sich die politischen Lager nicht auf eine Anhebung verständigen, dürfen sich die Vereinigten Staaten kein neues Geld mehr am Kapitalmarkt leihen. Mit dem Stichtag ist aber nicht automatisch Schluss: Dem Staat bleiben dann noch rund 30 Milliarden Dollar an Barreserven, um seine Verpflichtungen zu erfüllen. Das ist allerdings zu wenig, um zum Beispiel bald anstehende 60 Milliarden Dollar an Rentenzahlungen zu leisten. Ohne neue Kredite würde es danach richtig ernst, auch um die Zinsen und Tilgungen für US-Staatspapiere zu zahlen.

Ist bei einer Einigung alles im Lot ?

Das Image der USA als Weltmacht ist bereits angekratzt. Die Streitereien untergraben das Vertrauen in das Funktionieren des politischen Systems. Hinzu kommen ökonomische Folgen. „Untersuchungen zeigen, dass die Konjunktur durch einen Anstieg der politischen Unsicherheit zumindest vorübergehend erheblich gedämpft werden kann“, erklärt Ökonom Nils Jannsen vom Institut für Weltwirtschaft (IfW). Unternehmen hielten sich mit Investitionen zurück, Verbraucher zögerten größeren Anschaffungen hinaus. Erste Ökonomen haben bereits ihre Prognosen für die weltgrößte Volkswirtschaft gesenkt.

Was bedeutet das für die Anleger?

Die Börsen sind nervös. Am Dienstag sorgte die Hoffnung auf eine Einigung im Haushaltsstreit für einen Höhenflug. Doch die Luft ist dünn. Weil sich der Poker am Mittwoch hinzog, erstarrten die Börsianer wie das Kaninchen vor der Schlange. Privatanleger sollten sich derzeit also gut überlegen, ob sie ein- oder aussteigen wollen. Doch alternative Anlagen sind weiter unattraktiv. Das Sparbuch wirft so gut wie nichts mehr ab, Staatsanleihen von Ländern mit guter Bonität wie Deutschland bringen mickrige Erträge, meist unter der Inflationsrate.

EBay warnte vor einem mageren US-Weihnachtsgeschäft als Folge des Washingtoner Etatstreits. Obwohl es im dritten Quartal für das Auktionshaus rund lief, gab die Aktie vier Prozent nach.

Auch die oft als Musterschüler geltende Investmentbank Goldman Sachs wurde den Erwartungen nicht gerecht: Der Anleihenhandel schwächelte wegen der Unsicherheiten über den künftigen Kurs der Fed in den Sommermonaten beträchtlich und verhagelte die Bilanz. Die Aktien verloren 2,4 Prozent.

Im Gegensatz dazu kamen die Zahlen von American Express gut an. Firmenkunden nutzen ihre Kreditkarten wieder deutlich häufiger und ermöglichten dem Unternehmen so überraschend gute Zahlen. Die Aktien stiegen um 5,1 Prozent.

Bei Verizon führte ein überraschend starker Geschäftsverlauf zu einem Kursanstieg von 3,5 Prozent und zog auch die Aktien anderer Telekom-Firmen mit nach oben.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 760 Millionen Aktien den Besitzer. 2523 Werte legten zu, 489 gaben nach, und 66 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,97 Milliarden Aktien 1714 im Plus, 821 im Minus und 89 unverändert.

Von

rtr

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