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08.05.2014

00:02 Uhr

Börse New York

Tech-Titel rutschen ab, Dow legt zu

Beteuerungen der Fed, erstmal keine Zinsen zu erhöhen, gaben dem Dow neuen Schub. Doch bei den Tech-Titeln im Nasdaq gab es kleine Katastrophen: AOL war mit einem Minus von fast einem Viertel nur ein Beispiel.

Wie der Wall-Street-Handel lief

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New YorkDie US-Börsen haben sich am Mittwoch erneut gegensätzlich präsentiert: Während Äußerungen von US-Notenbank-Chefin Janet Yellen und von Russlands Präsident Wladimir Putin den Standardwerten Auftrieb gaben, gab es bei den Technologieaktien einmal mehr Verluste.

Investoren zeigten sich erleichtert über den Auftritt Yellens vor einem Kongressausschuss. Dort betonte die Fed-Chefin die Risiken für den Wirtschaftsaufschwung und bezeichnete die sehr konjunkturstimulierende Geldpolitik der Notenbank als weiter angebracht.

„Sie sagte nicht, dass die Zinsen schon bald wieder nach oben gehen werden, und das war genau das, was die Leute erwartet hatten“, erklärte Ken Polcari vom Wertpapierhandelshaus O'Neil Securities.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Hoffnung auf eine Entspannung in der Ukraine-Krise schürte Putin. Er rief die prorussischen Separatisten auf, ihr für Sonntag geplantes Abspaltungsreferendum in der Region Donezk zu verschieben. Zugleich forderte er einen Dialog zwischen der Regierung in Kiew und den Separatisten. Das half auch den europäischen Aktienmärkten. In Frankfurt schloss der Dax 0,6 Prozent im Plus mit 9521 Zählern.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,7 Prozent höher mit 16.518 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gewann 0,6 Prozent auf 1878 Zähler. Die US-Technologiebörse Nasdaq verlor dagegen 0,3 Prozent auf 4067 Zählern. Sie machte damit im späten Geschäft aber einen Großteil ihrer Verluste wieder wett. Zeitweise war der Index bis auf 4021 Punkte abgesackt.

Tech-Titel weiten Verluste aus

Belastet wurde die Nasdaq vom Wertverlust mehrerer Schwergewichte. Facebook verloren 1,9 Prozent, Amazon 1,6 und Google 0,9 Prozent. Marktbeobachter Peter Kenny, Chef der Clearpool Group, sagte, an der Nasdaq mehrten sich die Zweifel, dass die Kurse zwangsläufig immer weiter steigen. „Das hat mittlerweile Auswirkungen auf die Marktpsychologie.“

AOL -Aktien verloren nach einem Gewinnrückgang des Internet-Konzerns ein Fünftel an Wert. Zu den Verlierern zählte zudem die Biomarkt-Kette Whole Foods Market. Sie verlor 19 Prozent, nach einer gesenkten Geschäftsprognose.Der Kurs des US-Süßwarenkonzerns Mondelez stieg indes um acht Prozent. Mondelez gibt sein Kaffeegeschäft an die deutsche Milliardärs-Familie Reimann, die damit ihr aufstrebendes Kaffee-Imperium erweitern will.

Electronic Arts stiegen um 21 Prozent. Der Computerspiele-Hersteller erfreute die Investoren mit einem überraschend starken Quartalsergebnis.

Von

rtr

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