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12.01.2017

23:23 Uhr

Börse New York

Trumps Pressekonferenz ist eine Luftnummer

Kein Wort über Steuersenkungen, Infrastrukturprogramme oder Deregulierung. Donald Trumps erste Pressekonferenz seit seinem Wahlsieg kommt ohne Hinweise auf seine Wirtschaftspolitik aus. Das missfällt der Wall Street.

Was kann und was wird Donald Trump liefern? AFP; Files; Francois Guillot

Händler diskutieren in New York

Was kann und was wird Donald Trump liefern?

New YorkEnttäuschung über den Auftritt des künftigen US-Präsidenten Donald Trump hat am Donnerstag die Wall Street belastet. Anleger bemängelten, Trump habe auf seiner Pressekonferenz am Mittwoch nicht erläutert, wie er den versprochenen Wirtschaftsboom erreichen will. Weder zu Steuersenkungen und Infrastrukturinvestitionen noch zum Thema Deregulierung habe er Details genannt, bemängelten Investoren.

Dem Markt sei ein bisschen der Wind aus den Segeln genommen worden, sagte Analyst Jeff Zipper von Private Client Reserve. „Es wird höchstwahrscheinlich zu weiteren Schwankungen kommen, wenn er sein Programm nicht durchbekommt oder es länger dauert als gedacht.“ Die Hoffnung auf ein großangelegtes Konjunkturprogramm hatte die Börsen seit Trumps Wahlsieg Anfang November in die Höhe getrieben.

„Wie bei vergangenen Auftritten blieb Trump nahezu alle Antworten schuldig“, kommentiert Dirk Gojny, Experte bei der National-Bank. Es sei jedoch deutlich geworden, dass es wahrscheinlich nicht unerhebliche Einschränkungen im Freihandel geben könne. „Insgesamt ist die Pressekonferenz aus Sicht der Investoren als Enttäuschung zu verbuchen. Vermutlich sehen die US-Notenbanker das ähnlich.“ Die in der vergangenen Woche weniger als erwartet gestiegenen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe belasteten in diesem Umfeld den Anleihemarkt kaum.

Der Dow-Jones -Index der Standardwerte ging 0,3 Prozent tiefer aus dem Handel mit 19.891 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 0,2 Prozent auf 2270 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank 0,3 Prozent auf 5547 Stellen. In Frankfurt schloss der Dax 1,1 Prozent tiefer auf 11.521 Punkten.

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In New York standen wie bereits am Mittwoch Pharmawerte unter Druck. Trump hatte die Branche insbesondere wegen der seiner Ansicht nach zu hohen Medikamentenpreise scharf attackiert. Der Viagra-Hersteller Pfizer verlor 0,7 Prozent an Börsenwert, Konkurrent Mylan 1,4 Prozent. Merck konnte sich allerdings mit einem Kursanstieg von 0,9 Prozent gegen den Trend stemmen. Hintergrund sind verschiedene Heraufstufungen durch Analysten.

Nach schwerwiegenden Vorwürfen der US-Umweltbehörden brachen die Wertpapiere von Fiat Chrysler in New York zeitweise um knapp 18 Prozent ein - so stark wie noch nie. Der Kurs erholte sich aber wieder etwas und schloss noch 10,3 Prozent im Minus. Der US-Umweltbehörde EPA zufolge hat der Autobauer in Diesel-Fahrzeugen eine illegale Software eingesetzt, die eine Überschreitung der erlaubten Schadstoffemissionen ermögliche. Der Konzern wies dies vehement zurück und bezeichnete sein Vorgehen als rechtens.

Welche politischen Stolperfallen Anlegern 2017 drohen

Aktien

Von Reuters befragte Analysten sehen den Dax im Schnitt bis Ende 2017 bei rund 11.470 Punkten. Das wäre in etwa auf dem Niveau vom Jahresende 2016 "Die Dividendenrendite ist im Vergleich zu den Anleihe-Renditen weiterhin so hoch wie seit Jahrzehnten nicht. Das Gewinnwachstum der Unternehmen ist in Ordnung", sagt Lars Thörs, Aktien-Chef der Fondsgesellschaft Danske Capital. Gertrud Traud, Chef-Volkswirtin der Helaba, verweist auf einen weiteren Aspekt: „Angesichts weiterhin extrem günstiger Finanzierungsbedingungen dürften Unternehmen auf das bislang nur verhalten eingesetzte Instrument der Aktienrückkaufe zurückgreifen.“

Über weite Strecken kam der Dax 2016 kaum vom Fleck. Das Plus von knapp sieben Prozent seit Jahresbeginn geht zum größten Teil auf die Kursentwicklung im Dezember. Anfang des Monats übersprang der Dax die 11.000er Marke.

Als großen Risikofaktor für die Aktienmärkte sehen Börsianer die Wahlen in Deutschland, Frankreich den Niederlanden und möglicherweise auch in Italien. „Die Welle der populistischen Ergebnisse ist für Europa 2017 eine große Bedrohung“, sagt Craig Erlam, Marktanalyst des Brokerhauses Oanda. Ein zunehmender Nationalismus könnte der Anfang vom Ende der Euro-Zone sein.

Anleihen

An den Rentenmärkten werde es 2017 kaum etwas zu verdienen geben, ist sich Lars Edler, Co-Chefanleger des Bankhauses Sal. Oppenheim sicher. „Bei zehnjährigen Bundesanleihen gehen wir von einer negativen Gesamtrendite von etwa einem Prozent aus.“ Wenig besser dürfte es Anlegern mit US-Staatsanleihen ergehen: Hier sei eine Nullrendite zu erwarten. Die Ökonomen der Rabobank geben sich ähnlich skeptisch: „Wir sind nicht davon überzeugt, dass Donald Trumps Politik der Wirtschaft nachhaltigen Schub verleiht.“ Mögliche politische Spannungen könnten zudem die Attraktivität deutscher und US-Bonds als relativ sichere Anlagen erhöhen und damit die Renditen drücken.

Wegen der politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen liegt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen derzeit mit rund 0,3 Prozent etwa halb so hoch wie zu Jahresbeginn. Ihre US-Pendants rentieren mit knapp 2,3 Prozent zwar höher als Anfang 2016. Jenseits des Atlantik erwarten Börsianer aber auch eine Serie von Zinserhöhungen durch die Notenbank Fed. Staatsanleihen sind seit Jahren für Investoren ein schlechtes Geschäft, da die großen Notenbanken diese Papiere in großem Stil aufkaufen. Damit sollen die Finanzierungskosten für Staaten niedrig gehalten und die Konjunktur angekurbelt werden.

Devisen

Wegen der unterschiedlichen Geldpolitik dies- und jenseits des Atlantik ist der Euro den Analysten der Vermögensverwaltungstochter der Deutschen Bank zufolge 2017 auf dem Weg zur Parität. Aktuell notiert die Gemeinschaftswährung bei Kursen um die 1,04 Dollar - rund vier US-Cent weniger als Anfang Januar. Die Experten der Rabobank sagen dagegen ein Ende des Dollar -Höhenfluges voraus. Der konjunktur- und damit inflations- und zinstreibende Effekt höherer Infrastruktur-Investitionen in den USA werde voraussichtlich durch eine restriktivere Handelspolitik zunichte gemacht.

Die Talfahrt des chinesischen Yuan wird dem Commerzbank-Analysten Peter Kinsella zufolge weitergehen. „Der Yuan gilt zwar als künstlich billig, doch ist er die mit Abstand teuerste Schwellenländer-Währung.“ Um Börsenturbulenzen zu vermeiden, werde China seine Valuta aber nur behutsam abwerten. Kinsella sieht den Dollar Ende kommenden Jahres bei 7,15 Yuan. In den vergangenen Monaten kletterte er um rund sechs Prozent auf etwa 6,90 Yuan. Anfang 2016 hatte eine rasche Abwertung der chinesischen Währung ein weltweites Börsenbeben ausgelöst.

Erdöl

Im Januar treten die niedrigeren Förderquoten für die Opec-Staaten in Kraft. Viel hängt davon ab, ob sich die Mitglieder des Export-Kartells sowie Russland an die Vereinbarung halten. Viele Analysten rechnen für das erste Halbjahr mit Preisen um 55 Dollar je Fass (159 Liter). Danach werden die Preise der US-Bank Goldman Sachs zufolge aber fallen. Denn geringere Exporte der Opec und Russlands ließen Raum für Konkurrenten wie die US-Schieferölindustrie.

Dank der geplanten Kürzung der Fördermengen durch die großen Exportländer verteuerte sich die Ölsorte Brent aus der Nordsee binnen Jahresfrist um etwa die Hälfte auf 56 Dollar je Barrel (159 Liter).

Andere Rohstoffe

Auf Kursverluste müssten sich Anleger an den Metallbörsen einstellen, sagt Commerzbank-Analyst Eugen Weinberg. Zwar steige durch die geplanten Infrastruktur-Investitionen in den USA und China die Nachfrage, gleichzeitig wachse aber auch das Angebot. Außerdem sei die Rally nach der US-Präsidentschaftswahl überzogen gewesen. Weinberg sieht den Kupfer -Preis bis Ende 2017 bei rund 5600 Dollar je Tonne. Seit September ist der Preis für das wichtige Industriemetall um ein Fünftel auf rund 5538 Dollar gestiegen.

Die Nachfrage nach der „Anti-Krisen-Währung“ Gold wird Analysten zufolge wegen der politischen Unwägbarkeiten anhalten. Die Experten der Commerzbank rechnen damit, dass der Preis für eine Feinunze Gold bis Ende 2017 auf rund 1300 Dollar von derzeit etwa 1150 steigt. 2016 verteuerte sich das Edelmetall um rund zehn Prozent.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 0,8 Milliarden Aktien den Besitzer. 1142 Werte legten zu, 1768 gaben nach und 159 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,8 Milliarden Aktien 962 im Plus, 1883 im Minus und 204 unverändert.

Die US-Kreditmärkte tendierten wenig verändert. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 3/32 auf 96-27/32. Sie rentierten mit 2,36 Prozent. Die 30-jährigen Bonds sanken 2/32 auf 98-9/32 und hatten eine Rendite von 2,96 Prozent.

Kommentare (1)

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