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10.07.2014

23:57 Uhr

Börse New York

US-Anleger bangen um Europa

Die US-Berichtsaison rückt in den Hintergrund. Schuld daran ist Europa. Besorgniserregende Nachrichten von der portugiesischen Bank Espirito Santo lassen die US-Börsen tief ins Minus fallen.

Wie der Wall Street-Handel lief

Turbulenzen in Portugal beeinflussen Wall Street

Wie der Wall Street-Handel lief: Turbulenzen in Portugal beeinflussen Wall Street

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New YorkTurbulenzen im portugiesischen Bankensektor haben die Anleger weltweit aufgeschreckt. Sie warfen am Donnerstag Aktien aus ihren Depots und deckten sich mit sicheren Anlagen wie Gold ein. "Die Angst vor einem neuen Ausbruch der Schuldenkrise in Europa geht um", sagte ein Börsianer. An der Wall Street schloss der Dow-Jones-Index 0,4 Prozent tiefer auf 16.915 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 tendierte mit 1964 Zählern 0,4 Prozent im Minus. Die Technologiebörse Nasdaq fiel 0,5 Prozent auf 4396 Punkte.

Auslöser der Nervosität waren Spekulationen um Zahlungsprobleme der einflussreichen portugiesischen Bankiersfamilie Espirito Santo. Am Vormittag wurden Aktien und Anleihen der Espirito Santo Financial Group (ESFG) wegen "wesentlicher Schwierigkeiten" der Muttergesellschaft Espirito Santo International (ESI) vom Handel ausgesetzt. Gegen letztere ermitteln die Behörden wegen "erheblicher Unregelmäßigkeiten". "Ein unschönes, aber beherrschbares Thema", sagte Frank Wieser, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Packenius, Mademann & Partner. "Dass Anleger jetzt erst mal Kasse machen, ist nicht verwunderlich."

ESFG ist Hauptaktionär der Banco Espirito Santo (BES), des größten börsennotierten Geldinstituts in Portugal. Es wird ab November von der Europäische Zentralbank (EZB) beaufsichtigt und soll daher auch dem Stresstest unterzogen werden. BES-Papiere wurden am Nachmittag ebenfalls vom Handel ausgesetzt. Zuvor waren ESFG und BES zeitweise jeweils um mehr als 15 Prozent eingebrochen.

Der Kursverfall dieser Werte drückte den Lissaboner Leitindex vorübergehend um 4,6 Prozent auf ein Neun-Monats-Tief von 6075,70 Zählern. Der Dax verabschiedete sich mit einem Minus von 1,5 Prozent bei 9659,13 Punkten in den Feierabend. Der EuroStoxx50 gab 1,6 Prozent auf 3152,66 Zähler nach.

Im Sog der Banco Espirito Santo gingen auch Finanzwerte an der New Yorker Börse in den Keller. Die Papiere von Goldman Sachs, Morgan Stanley, Citigroup und Bank of America verbilligten sich um jeweils rund ein Prozent.

Zudem stachen Lumber Liquidators heraus, die mehr als 21 Prozent an Wert verloren. Die Holzböden-Handelskette hatte ihre Ergebnisprognose gesenkt. Potbelly sackten um 25 Prozent ab. Für Enttäuschung sorgten die Geschäftsziele der Imbisskette.

Gefragt waren dagegen die Aktien von TRW Automotive mit einem Kursaufschlag von gut acht Prozent. Der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen hat einem Medienbericht zufolge Interesse an einer Übernahme des milliardenschweren US-Konkurrenten.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 650 Millionen Aktien den Besitzer. 930 Werte legten zu, 2117 gaben nach und 128 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,67 Milliarden Aktien 666 im Plus, 2008 im Minus und 121 unverändert.

Die US-Kreditmärkte zeigten sich uneinheitlich. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 2/32 auf 99-22/32. Die Rendite sank auf 2,538 Prozent. Sie waren im Zuge der Turbulenzen in Portugal als sicherer Hafen gesucht. Der 30-jährige Bond verringerte sich dagegen um 6/32 auf 100-3/32 und rentierte mit 3,370 Prozent. Händler erklärten die Abschläge mit einer relativ schwachen Auktion von 30-jährigen Bonds im Volumen von 13 Milliarden Dollar.


Von

rtr

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