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01.10.2015

23:03 Uhr

Börse New York

US-Anleger trauen sich nicht

Kommt die Talsohle erst in diesem Monat? Gemischte Konjunkturdaten und Sorgen um Apple sorgten an der Wall Street für Zurückhaltung unter den Anlegern. Unter den Einzelwerten rückte auch Twitter in den Fokus.

Mit Spannung blicken Anleger auf die Zahlen des US-Aluminiumgiganten Alcoa. dpa

New York Stock Exchange

Mit Spannung blicken Anleger auf die Zahlen des US-Aluminiumgiganten Alcoa.

New YorkDie New Yorker Börsen haben am Donnerstag kaum verändert geschlossen. Die Anleger bleiben nach einem sehr schwachen Quartal vorsichtig. Das dritte Quartal brachte den größten Verlust des Dow Jones seit vier Jahren. Einige rechnen nun wohl damit, dass der Markt sein Tief erst im Oktober sehen könnte, bevor er zu einer nachhaltigen Erholung ansetzen könnte, sagte ein Börsianer.

Wie es nach dem Fed-Entscheid weitergeht

Zinswende bleibt vorerst aus

Noch scheuen sich die Geldpolitiker um Fed-Chefin Janet Yellen, erstmals seit Jahren wieder am Geldhahn zu drehen. Allerdings könnte die US-Notenbank noch in diesem Jahr handeln – und damit auch die Konjunktur im Euroraum anschieben. Seit Ende 2008 liegen die Zinsen in den USA, zu dem Banken Zentralbankgeld leihen können, auf dem Tief zwischen null und 0,25 Prozent.

Warum hat die Fed die Zinsen diesmal nicht angehoben?

Ein Hauptgrund sind die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten. Im August hatte ein Kurssturz in China Europas Börsen in einen Abwärtsstrudel gezogen und an der Wall Street für massive Verluste gesorgt. „Wir achten insbesondere auf China und aufstrebende Märkte“, sagt Yellen. Die Fed spricht von „globalen wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen“, die den Aufschwung gefährden könnten.

Spielt das die Hauptrolle für die Entscheidung der Notenbanker?

Nein. Am wichtigsten sind hohe Beschäftigung und ein stabiles Preisniveau. Die Inflation liegt aber noch deutlich unter dem Zielwert von zwei Prozent, und vom Arbeitsmarkt kommen trotz hoffnungsvoller Zeichen zwiespältige Signale. Aus Sicht von Ökonomen wie Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau ist eine Zinserhöhung angesichts der US-Konjunktur aber schon lange überfällig: „Die US-Wirtschaft dürfte weiter kräftig wachsen, es herrscht praktisch Vollbeschäftigung und die Inflation, obwohl auf niedrigem Niveau, sollte sich in Richtung Zielwert der Fed von zwei Prozent bewegen.“ Die aktuelle US-Konjunkturlage verlange eine Bewegung hin zu Leitzinsen zwischen 2 und 3 Prozent.

Also geht die Spekulation um die Zinswende weiter?

Die Mehrzahl der Notenbanker ist nach wie vor der Meinung, dass die Fed das Ende ihre Nullzinspolitik noch dieses Jahr einläuten sollte. Der Offenmarktausschuss tagt bis Jahresende nur noch zweimal: Ende Oktober und am 16. Dezember. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, erwartet spätestens im Dezember die Zinswende: „Reagieren Janet Yellen und ihre Kollegen auch nicht zum Jahresende, verspielen die Notenbanker ihre Glaubwürdigkeit.“

Ist die Fed zu zaghaft?

Nach Einschätzung vieler Beobachter schon. „Einen Zeitpunkt, zu dem eine Zinserhöhung in einer völlig stabilen weltwirtschaftlichen Situation erfolgt und keine Risiken birgt, wird es kaum geben“, warnt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Das Problem ist, dass der Druck mit jedem Aufschub zunimmt. Schließlich soll beim ersten Zinsschritt nicht der Eindruck entstehen, dass die Ära des ultrabilligen Geldes schlagartig vorüber ist. „Die Haltung der Geldpolitik wird vermutlich noch für einige Zeit nach der anfänglichen Erhöhung der Leitzinsrate hochexpansiv bleiben“, versichert Yellen deshalb.

Warum sind die Zinsen überhaupt auf dem Rekordtief?

Mit den Mini-Zinsen hatte die Fed auf die Finanzkrise von 2008 und die folgende Rezession reagiert. Bei niedrigen Zinsen investieren Unternehmen tendenziell mehr, Verbraucher geben mehr Geld aus. Das schiebt die Konjunktur an.

Welche Folgen hätte eine Zinserhöhung?

Höhere Zinsen verhindern Blasen etwa an Immobilien- und Aktienmärkten sowie eine zu hohe Inflation. Banken verleihen mehr Geld, statt es zu parken. Für viele Sparer sind Zinserträge auch eine wichtige Einnahmequelle. Allerdings würde der Dollar an Wert gewinnen, wenn gleichzeitig andere Notenbanken auf Null-Zins-Kurs bleiben. Das hätte zwei Konsequenzen, betont Targobank-Chefvolkswirt Otmar Lang: „Zum einen brächen die US-Exporte weg, zum anderen würden aus den Schwellenländern sehr hohe Geldbeträge abfließen und dort einen dramatischen konjunkturellen Einbruch herbeiführen. Und das könnte die gesamte Weltwirtschaft schwer in Mitleidenschaft ziehen.“

Wird die EZB die Zügel im Euroraum bald anziehen?

Nein. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Geldschleusen noch lange weit geöffnet und den Zins nahe der Nulllinie lassen. EZB-Präsident Mario Draghi hat sogar weitere Lockerungen in Aussicht gestellt. Liane Buchholz vom Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) rechnet frühestens 2017 mit einem ersten Zinsschritt: „Die extreme Niedrigzinsphase in Europa wird uns noch länger begleiten.“ Das ist gut für Häuslebauer, die ihre Immobilie extrem günstig finanzieren können. Aber es ist schlecht für Sparer, weil vermeintlich sichere Anlagen kaum Geld abwerfen.

Was würde eine frühere Zinserhöhung in den USA für Europa bedeuten?

Steigen die Zinsen in den USA, aber nicht in Europa, gewinnt der Dollar gegenüber dem Euro an Wert. In Dollar gehandelte Importe wie Rohstoffe werden so im Euroraum teurer. Das stärkt den mickrigen Preisauftrieb. Gleichzeitig werden hiesige Produkte auf dem Weltmarkt günstiger. Das befeuert den Export und die Konjunktur im Euroraum.

Zudem wirft der Arbeitsmarktbericht der US-Regierung seinen Schatten voraus, der an diesem Freitag auf der Agenda steht. Die US-Notenbank Fed macht ihre Geldpolitik auch stark vom Arbeitsmarkt abhängig. Neben gemischten US-Konjunkturdaten lastete zudem die Apple -Aktie auf den Handel.

Der Dow-Jones-Index schloss 0,1 Prozent tiefer auf 16.272 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 rückte dagegen 0,2 Prozent auf 1923 Punkte vor. Die Technologiebörse Nasdaq erhöhte sich um 0,1 Prozent auf 4627 Punkte. In Frankfurt schloss der Dax mit 9509 Punkten 1,6 Prozent im Minus.

Das Stimmungsbarometer der US-Einkaufsmanager fiel im September überraschend stark auf 50,2 Punkte von 51,1 Zählern und lag damit nur noch knapp über der Wachstumsschwelle von 50 Stellen. Dagegen blieb die Zahl der Neuanträge für Arbeitslosenhilfe nahe einem 15-Jahres-Tief. "Die Unruhe wegen der Situation mit Syrien und Russland ist eine weitere Belastung", sagte Andrew Frankel von Stuart Frankel & Co.

Technologiewerte zählten zu den größten Verlierern im Dow Jones. Die Aktien des Netzwerkausrüsters Cisco Systems fielen um knapp 2 Prozent. Die Papiere des IT-Konzerns IBM büßten rund 1 Prozent ein und die Anteilsscheine des „iPhone“-Herstellers Apple sanken um 0,65 Prozent.

Zu den Favoriten im Dow zählten die Aktien des Pharmakonzerns Pfizer. Ihr Kurs stieg um 1,37 Prozent. Microsoft-Papiere profitierten Händlern zufolge von einem Analystenkommentar und verteuerten sich um mehr als ein halbes Prozent.

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