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25.06.2014

23:30 Uhr

Börse New York

US-Börsen legen den Vorwärtsgang ein

Die US-Börsen haben am Mittwoch ins Plus gedreht. Überraschend schwache Konjunkturdaten bereiten den Anlegern Sorgen, doch sie hoffen auf wetterbedingte Besserung. Ein Medizinkonzern sorgt für Überraschung.

US-Händlern bereitet die Irak-Krise sorgen. ap

US-Händlern bereitet die Irak-Krise sorgen.

New YorkDie New Yorker Börsen haben am Mittwoch wieder den Vorwärtsgang eingelegt. Trotz der Unsicherheit sähen Anleger weiterhin kaum Alternativen zum Aktienmarkt, begründete ein Börsianer die Kursgewinne.

Im frühen Handel hatte eine überraschend schwache Wirtschaftsleistung der USA im ersten Quartal die Wall Street noch ausgebremst. Hinzu kam die politisch weiter gespannte Lage im Irak und in der Ukraine. Aktienhändler Joe Rundle vom Londoner Broker ETX Capital sagte aber: „Einige Anleger hatten auf fallende Kurse gesetzt und wurden auf dem falschen Fuß erwischt.“ Dies habe sie zum Rückkauf ihrer Papiere gezwungen und die Kurse nach oben gebracht. Die derzeit extrem geringen Umsätze am Markt verstärkten diese Bewegung.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Die Wirtschaftsleistung war im ersten Quartal wegen des eisigen Wetters noch stärker geschrumpft als bislang angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt sank mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 2,9 Prozent. Das ist das schlechteste Ergebnis seit fünf Jahren. Zudem musste die US-Industrie im Mai ein überraschendes Auftragsminus hinnehmen. Viele Börsianer setzten darauf, dass die US-Wirtschaft nach einem schwachen ersten Quartal im Zuge des bitterkalten Winters im zweiten Vierteljahr Fahrt aufgenommen hat, erklärten Händler.

Der Dow-Jones-Index für die Standardwerte ging 0,3 Prozent höher bei 16.867 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P 500 rückte um 0,5 Prozent auf 1959 Zähler vor. Der Index der Technologiebörse Nasdaq erhöhte sich um 0,7 Prozent auf 4379 Stellen.

An den europäischen Aktienmärkten stimmten die Krisen im Irak und in der Ukraine die Anleger dagegen vorsichtig. Der Dax schloss 0,7 Prozent tiefer bei 9867 Punkten. Der EuroStoxx50 sank um ein Prozent.

"Während im Irak der Vormarsch der Isis-Milizen nach wie vor nicht gestoppt werden konnte, erlitt der erst jüngst gestartete Friedensprozess in der Ukraine durch den Abschuss eines ukrainischen Militärhubschraubers einen argen Dämpfer", stellte LBBW-Investmentanalyst Uwe Streich fest. "Jederzeit ist eine Eskalation in beiden Krisenherden möglich. Da will sich kein Anleger auf dem erreichten Niveau noch positionieren", fügte DailyFX-Chefanalyst Jens Klatt hinzu.

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