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09.10.2013

01:52 Uhr

Börse New York

US-Budgetstreit bremst US-Börsen

Am achten Tag des Stillstands der US-Behörden und neun Tage vor der Erreichung der Schuldengrenze haben die Märkte erneut Federn gelassen. Derweil startet nach Börsenschluss die Berichtssaison.

Wie der Wall-Street-Handel lief

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New YorkDer kompromisslos geführte Haushaltsstreit in den USA hat am Dienstag die New Yorker Aktienmärkte ins Minus gezogen. Ein Telefonat zwischen Präsident Barack Obama und seinem republikanischen Gegenspieler John Boehner brachte offenbar keine Fortschritte. Sollte es keine Einigung in den kommenden Tagen gegeben, droht den USA ab Mitte Oktober die Zahlungsunfähigkeit.

„Die Sorgen auf dem Markt nehmen wegen des Stillstandes ohne Zweifel zu - und die Angst davor, dass das Undenkbare doch passieren könnte“, sagte der Volkswirt Peter Cardillo von Rockwell Global Capital.

Der Dow-Jones-Index mit den 30 Standardwerten schloss 1,1 Prozent schwächer bei 14.776 Punkten. Im Verlauf pendelte er zwischen 14.773 und 14.938 Stellen. Der S&P 500 verlor 1,2 Prozent auf 1655 Zähler. Der Nasdaq verringerte sich um zwei Prozent auf 3694 Punkte. Der Dax verabschiedete sich mit einem Minus von 0,4 Prozent bei 8555 Punkten in den Feierabend. Der EuroStoxx50 verlor 0,7 Prozent auf 2903 Zähler.

Bereits seit vergangener Woche befinden sich in den USA Hunderttausende Bundesangestellte im Zwangsurlaub, weil sich Demokraten und Republikaner unabhängig von der Schuldengrenze nicht auf einen Haushalt einigen können. Der Haushaltsnotstand hat auch dazu geführt, dass Konjunkturdaten der Regierung ausbleiben und sich Investoren auf Unternehmensdaten konzentrieren.

Was passiert, wenn der Supermacht USA das Geld ausgeht?

Wie wahrscheinlich ist ein Zahlungsausfall der Supermacht?

Experten sind zunehmend besorgt. „Genauso, wie in den fünfziger Jahren ein Nuklearkrieg im Bereich des Möglichen lag, ist auch ein Zahlungsausfall der USA nicht mehr ausgeschlossen“, sagt Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank.

Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank und normalerweise eher als Optimist bekannt, sieht ebenfalls „ernsthafte Risiken“. Robert Halver, Leiter der Aktienanalyse bei der Baader Bank, demonstriert hingegen Zuversicht: „Ich bin mir sicher, sie bekommen das hin.“ Doch fest steht: Die Gelassenheit schwindet. Die politischen Fronten in den USA scheinen verhärteter denn je.

Was passiert am Tag X?

Laut US-Finanzminister Jack Lew muss bis zum 17. Oktober eine Einigung erfolgen, ansonsten kommt die Pleite. Dennoch wird am Tag X zunächst kein Zahlungsausfall bei US-Staatsanleihen eintreten. Nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's könnten sich die USA mit Haushaltstricks noch bis Mitte November über Wasser halten. Dann läuft die Zeit aus. Für viele Analysten wäre dies der größte anzunehmende Unfall.

Sollte es im November zu einem Zahlungsausfall der USA kommen, könnten Anleger in Panik verfallen. „Vor allem bei US-Staatsleihen würde es starke Verwerfungen geben“, sagt Asoka Wöhrmann, oberster Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter DWS.

Nehmen die Märkte die Unsicherheit klaglos hin?

Nein. „Je länger sich die US-Streitigkeiten hinziehen, desto bedrohlicher wird die Situation auch für die internationalen Aktienmärkte und den nationalen Rentenmarkt“, warnt Analyst Jan Bopp vom Bankhaus Metzler. Zwar sind herbe Verluste oder größere Verwerfungen an den Aktienmärkten bislang ausgeblieben.

Zum Wochenstart zeigten die Kurven an den Kurstafeln an den meisten Börsenplätzen allerdings bereits nach unten - sowohl in Asien als auch in Europa. Die Angst vor einem Zahlungsausfall macht sich auch am US-Anleihemarkt bemerkbar: Die Versicherungsprämien auf amerikanische Staatsanleihen haben am Freitag den höchsten Stand in diesem Jahr erreicht.

Warum ist die Schuldenobergrenze überhaupt so wichtig?

Die USA können nur etwa 80 Prozent ihrer staatlichen Ausgaben aus Einnahmen wie beispielsweise Steuern finanzieren. Deshalb muss viel Geld in Form von Krediten an den Finanzmärkten aufgetrieben werden. Das ist grundsätzlich kein Problem. US-Staatsanleihen gelten traditionell als sicher.

Ein Grund: Die USA verschulden sich in der globalen Leitwährung Dollar, die ihre Notenbank Fed theoretisch in unbegrenzter Menge drucken kann. Allerdings hat sich das Land bereits im Ersten Weltkrieg selbst ein Schulden-Limit verordnet.

Das könnte nun zum Verhängnis werden. Das Debakel ist aber vor allem ein Ergebnis politischer Grabenkämpfe - die USA schieben zwar einen enormen Schuldenberg vor sich her, doch das hat ihre Gläubiger bislang noch nie wirklich gestört.

Futter kommt ab Dienstag nach Börsenschluss: Dann legt der von Ex-Siemens -Chef Klaus Kleinfeld geleitete Aluhersteller Alcoa seine Quartalszahlen vor, ebenso wie der Fast-Food-Konzern Yum Brands, zu dessen Marken KFC oder Pizza Hut gehören. Alcoa-Aktien gaben vor den mit Spannung erwarteten Quartalszahlen rund 0,4 Prozent nach.

Im Interesse der Anleger standen die Aktien der angeschlagenen Kaufhauskette JC Penney. Die Umsatzzahlen verbesserten sich im September weiter, wie das Unternehmen mitteilte. Anleger zeigten sich erfreut, so dass die Aktie um 0,8 Prozent zulegte.

Gefragt waren auch Papiere des Pharmahändlers McKesson mit einem Kursaufschlag von 3,2 Prozent. Kreisen zufolge will der US-Branchenprimus den deutschen Konkurrenten Celesio zu einem Preis von etwa 22 Euro je Aktie kaufen. Celesio gingen mit einem Aufschlag von über 20 Prozent auf 20,49 Euro aus dem Handel.

Größter Verlierer im technologielastigen Nasdaq-Index waren die Aktien von Facebook mit einem Kursabschlag von mehr als sechs Prozent. Händler verwiesen auf Gewinnmitnahmen nach den kräftigen Kurszuwächsen in diesem Jahr.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 0,73 Milliarden Aktien den Besitzer. 554 Werte legten zu, 2406 gaben nach und 121 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,07 Milliarden Aktien 504 im Plus, 2038 im Minus und 78 unverändert.

Von

rtr

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