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29.10.2014

23:13 Uhr

Börse New York

US-Händler verharren in Wartestellung

Nach der Veröffentlichung der Fed-Sitzungsergebnisse schließt die Wall Street im Minus, der Dollar klettert. Zuvor war vor allem Stagnation angesagt. Im Fokus der Anleger: Die Papiere von Marriott International.

Die Händler schauen gespannt auf die Nachrichten der US-Notenbank Fed. AFP

Die Händler schauen gespannt auf die Nachrichten der US-Notenbank Fed.

New YorkDas Ende der Konjunkturspritzen der US-Notenbank hat am Mittwoch zu Kursverlusten an der Wall Street geführt. Der Offenmarktausschuss entschied, das entsprechende Programm wie geplant zum Monatsende auslaufen zu lassen. Die Fed erneuerte zugleich ihr Bekenntnis, nach Beendigung des Wertpapierkaufprogramms ihre sehr lockere Geldpolitik noch „geraume Zeit“ beizubehalten.

Der Dow-Jones-Index schloss 0,2 Prozent tiefer auf 16.974 Punkten. Beim S&P 500 betrug das Minus 0,1 Prozent auf 1982 Zähler. Der Nasdaq-Index fiel um 0,3 Prozent auf 4549 Stellen. In Frankfurt war der Dax vor der Fed-Entscheidung mit 9082 Punkten 0,2 Prozent höher aus dem Handel gegangen. Am Devisenmarkt sorgten die Währungshüter dafür, dass der Euro um 0,8 Prozent nach unten rutschte.

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Bei den Einzelwerten am Aktienmarkt stand Facebook im Mittelpunkt und sorgte bei Anlegern mit der Aussicht auf höhere Kosten für Ernüchterung. Das weltgrößte Online-Netz will so die milliardenschweren Zukäufe WhatsApp und Oculus weiterentwickeln. Zudem rechnet der Konzern von Mark Zuckerberg damit, nicht mehr ganz so stark zu wachsen. Die Aktie sank um rund sechs Prozent.

Dagegen überzeugte der Hotelkonzern Marriott mit seinen Quartalszahlen und dem Ausblick die Investoren. Vor allem in Nordamerika übernachten immer häufiger Geschäftsreisende und Touristen in den Hotels und zahlen dafür mehr. Marriott-Papiere legten um knapp drei Prozent zu.

Börsen in Aufruhr

Was spielt sich derzeit an den Finanzmärkten ab?

Vor allem eingetrübte Konjunkturperspektiven belasten die Märkte. Die Rohstoffpreise - ein Barometer für die wirtschaftliche Lage - befinden sich auf Talfahrt. Zu den Sorgen über die Wirtschaft kommt die Verunsicherung durch Krisen im Nahen Osten und der Ukraine sowie die Furcht vor einer Ausbreitung von Ebola. „Die Anleger sind nervös und nutzen jede Gelegenheit zum Verkaufen, während noch vor Wochen jede Schwäche zum Nachkaufen genutzt wurde“, sagt Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Die Stimmung sei innerhalb kürzester Zeit von fast schon euphorisch auf sehr negativ gedreht. Auch an den Anleihemärkten dominiert die Angst. Die Risikoaufschläge für Papiere aus den europäischen Krisenländern zogen stark an, während die Renditen auf die deutschen Staatspapiere auf Rekordtiefs fielen. Letzteres deutet auf eine große Nachfrage der Investoren hin - die sogenannten Bundesanleihen gelten als sicherer Hafen in Krisenzeiten.
Quelle: dpa

Haben die Anleger die Gefahren für die Wirtschaft zu lange ignoriert?

Tatsächlich haben insbesondere die Aktienmärkte die politischen Krisen und die Gefahren einer globalen Wachstumsschwäche lange Zeit kaum beachtet. Die Notenbanken pumpten billiges Geld in den Markt. Und wegen der mickrigen Zinsen mangelte es an Alternativen, so dass die Anleger in großem Stil zu Aktien griffen. „Befürchtet wird nun ein Übergreifen der Wirtschaftsschwäche und sinkender Inflationsraten aus der Eurozone auf die USA“, sagt Volkswirt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Sind die Notenbanken mit ihrem Latein am Ende?

Während die US-Notenbank Fed jahrelang Milliarden in die Wirtschaft pumpte und Erfolge vorweisen konnte, gilt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bei vielen Ökonomen mittlerweile als wenig wirksam. „Die jüngst von der EZB beschlossenen Maßnahmen zielen auf das Angebot an Krediten ab, aber tatsächlich fehlt es angesichts der wirtschaftlichen Schwäche an Nachfrage“, sagt Volkswirt Keller. Auch die jetzt diskutierten, breit angelegte Staatsanleihekäufe würden nichts am Grundproblem ändern.

Sind die Konjunkturängste gerechtfertigt?

Laut Volkswirten gibt es zwar Grund zur Vorsicht, allerdings sollten die jüngsten Signale nicht überbewertet werden. Nach Einschätzung der Experten von Goldman Sachs gilt das vor allem mit Blick auf die USA. Dort gebe es wenig Anzeichen einer Konjunkturabkühlung. Auch die Ausbreitung des Ebola-Virus sehen die Experten der US-Investmentbank nicht sonderlich kritisch. Es müsse schon viel passieren, bis derartige Ereignisse tiefere Spuren in der Wirtschaft hinterließen. Mit Blick auf Europa hält Graham Secker, Marktstratege bei Morgan Stanley, die Konjunkturaussichten zwar nicht für rosig, aber längst nicht so trübe wie die Anlegerstimmung es signalisiere.

Droht am Ende der große Crash am Aktienmarkt?

Noch sehen Experten keinen Grund für übertriebene Angst. Nach dem starken Lauf der vergangenen Jahre sind auch größere Korrekturen nicht ungewöhnlich. Investoren sollten nicht die Nerven verlieren und blind der Masse hinterherrennen, sagt Marktexperte Saurenz. Möglicherweise nutzten manche Investoren die niedrigen Kurse auch zum Kaufen, was den Markt stützen würde. Viel schlechter könne die Stimmung am europäischen Aktienmarkt nicht werden, schrieb Morgan-Stanley-Experte Secker wie zur Beruhigung.

Beim Reifenhersteller Goodyear betrug der Zuwachs 5,4 Prozent. Der Continental -Rivale, der auch Marken wie Dunlop oder Fulda im Programm hat, überraschte die Aktionäre mit einem unerwartet hohen Gewinn.

Die Aktien der Raumfahrtunternehmen Orbital Sciences und Alliant Techsystems standen dagegen auf den Verkaufslisten. Grund war die Explosion einer Rakete von Orbital, die für die Nasa zur Internationalen Raumstation ISS fliegen sollte. Der Aktienkurs fiel um 16,7 Prozent. Bei der Firma Alliant, die mit Orbital zusammengehen soll, betrug der Verlust 6,5 Prozent.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 820 Millionen Aktien den Besitzer. 1322 Werte legten zu, 1763 gaben nach, und 124 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,16 Milliarden Aktien 1245 im Plus, 1437 im Minus und 133 unverändert.

Die US-Kreditmärkte zeigten sich uneinheitlich. Die zehnjährigen Staatsanleihen verloren 8/32 auf 100-18/32. Die Rendite stieg auf 2,31 Prozent. Händler erklärten die Abschläge mit der optimistischen Einschätzung der Fed. Der 30-jährige Bond legte dagegen um 11/32 auf 101-21/32 zu und rentierte mit 3,04 Prozent.

Von

rtr

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