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13.12.2012

22:35 Uhr

Börse New York

US-Haushaltsstreit belastet Wall Street

Der andauernde Streit um den US-Haushalt sorgt bei vielen Anlegern für Verunsicherung. Der Dow Jones tendiert leicht nach unten. Die Erleichterung über Fed-Konjunkturspritzen rückt in Hintergrund.

Händler an der NYSE: Die Angst vor einem Scheitern der US-Haushaltsverhandlungen ist allgegenwärtig. Viele Anleger gehen deswegen sicherheitshalber in Deckung. dapd

Händler an der NYSE: Die Angst vor einem Scheitern der US-Haushaltsverhandlungen ist allgegenwärtig. Viele Anleger gehen deswegen sicherheitshalber in Deckung.

New YorkDer andauernde Haushaltstreit in den USA hat am Donnerstag die Kurse an der Wall Street belastet. Damit rückte bei den Anlegern die Erleichterung über neue Konjunkturspritzen der US-Notenbank Fed wieder in den Hintergrund. "Offensichtlich schauen die Leute auf die Verhandlungen in Washington", sagte ein Börsianer. "Wir sind in einer Art Stand-By-Modus." Sollten sich Demokraten und Republikaner bis zum Jahresende nicht auf Kompromisse in der Haushaltspolitik einigen, drohen automatisch Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen. Wegen ihres massiven Volumens könnten beide Schritte die weltgrößte Volkswirtschaft in die Rezession stürzen, weshalb Experten auch von einer Fiskalklippe sprechen.

So beeinflussen die US-Etatverhandlungen die Börsen

Szenario I: Einigung

Demokraten und Republikaner verständigen sich auf einen Haushalt, der einen Mix aus Steuererhöhungen für Wohlhabende und Ausgabenkürzungen beinhaltet.

"Die Wahrscheinlichkeit einer Einigung liegt bei 50 Prozent, denn wir befinden uns nicht mehr im Wahlkampf", sagt Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research. "Dollar und die Aktienmärkte werden von einer Einigung profitieren." Wegen der starken Exportorientierung der deutschen Wirtschaft könne beim Dax mit einem überdurchschnittlichen Plus gerechnet werden.

Gertrud Traud, Chef-Volkswirtin der Helaba, betont dagegen, eine große Erleichterungsrally sei nicht zu erwarten. Schließlich werde allseits mit einer Einigung gerechnet. Auch Marktanalyst Giuseppe Amato vom Brokerhaus Lang & Schwarz äußert sich skeptisch. Angesichts der kräftigen Kursgewinne in den vergangenen Wochen sei das Enttäuschungspotenzial gewachsen.

Szenario II: Hängepartie

US-Präsident und Parlament einigen sich auf einen Minimal-Kompromiss, der vor allem die Anhebung der Schuldenobergrenze vorsieht. Damit verschaffen sie sich Luft für weitergehende Verhandlungen.

Dieses Ergebnis und eine umfassende Einigung machten für Anleger keinen großen Unterschied, sagt Otmar Lang, Chef-Anlagestratege der Targobank. "Dass es bei den Verhandlungen Reibungsverluste gibt, ist klar. Man wird zu einer Lösung kommen, die den USA nicht schadet. Und was den USA nicht schadet, schadet auch den Märkten nicht."

Szenario III: Keine Einigung

Die US-Politik kann sich nicht auf einen neuen Haushalt einigen. Steuererleichterungen laufen aus und die automatischen Ausgabenkürzungen greifen. Das Land stürzt über die "Fiskalklippe" in eine Rezession.

Dies würde die chinesische Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen und damit auch eine Gefahr für das weltweite Wachstum, warnt Analyst Ruland. "Der Dollar wird voraussichtlich nicht allzu tief fallen, denn schließlich hat die Euro-Zone ebenfalls Probleme. Denkbar wäre eine Aufwertung des chinesischen Yuan."

Lang & Schwarz-Experte Amato malt ein weniger schwarzes Bild. "Wir haben einige Fallschirme im Gepäck." Die Notenbanken - allen voran die Federal Reserve Bank der USA - würden mit frischen Geldspritzen sicher alles daran setzen, einen Absturz der Weltwirtschaft zu verhindern.

Der Dow-Jones-Index für die Standartwerte schloss 0,6 Prozent schwächer bei 13.170 Punkten. Im Verlauf pendelte er zwischen 13.147 und 13.264 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500 fiel ebenfalls um 0,6 Prozent auf 1419 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq notierte mit 2992 Stellen 0,7 Prozent im Minus. In Frankfurt schloss der Dax 0,4 Prozent schwächer bei 7581 Punkten.

Im Haushaltsstreit wollte Präsident Barack Obama noch am Donnerstag erneut mit dem Wortführer des gegnerischen Lagers, John Boehner, zu Gesprächen im Weißen Haus zusammenkommen. Die Republikaner haben Obamas Forderung bislang kategorisch abgelehnt, die Steuern nur für besonders reiche Bürger steigen zu lassen und den Großteil der Bevölkerung davon zu verschonen.

Frische US-Konjunkturdaten gaben den Anlegern keine klare Richtung vor. So war das Umsatzplus im Einzelhandel im November mit 0,3 Prozent etwas niedriger als im Schnitt mit 0,5 Prozent erwartet. Dafür ist die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe erneut gefallen. Dies wiederum gab Hoffnung, dass bei einer sinkenden Arbeitslosigkeit das Weihnachtsgeschäft doch besser laufen könnte.

Ein Zeitungsbericht, wonach der angeschlagene Elektronik-Händler Best Buy nun doch von seinem Gründer und Großaktionär Richard Schulze für fünf bis sechs Milliarden Dollar gekauft werden könnte, hievte die Aktien der Kette um rund 16 Prozent in die Höhe. Best Buy wollte sich zu dem Bericht der "Minneapolis Star Tribune" nicht äußern.

Die Aktien von Clearwire kletterten um rund 15 Prozent, nachdem der drittgrößte US-Mobilfunkanbieter Sprint Nextel 2,1 Milliarden Dollar für die Komplett-Übernahme seiner Internet-Tochter angeboten hatte. Sprint-Aktien gaben 0,4 Prozent nach.

Ein Kursfeuerwerk legte die Aktie von SolarCity bei ihrem Börsendebut hin: Die Papiere verteuerten sich um 47 Prozent.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 0,66 Milliarden Aktien den Besitzer. 902 Werte legten zu, 2099 gaben nach und 117 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,83 Milliarden Aktien 926 im Plus, 1545 im Minus und 123 unverändert.

Von

rtr

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