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04.01.2012

22:49 Uhr

Börse New York

Wall Street bangt wieder um Europa

Die Schuldenkrise in Europa macht in den USA wieder auf sich aufmerksam. Verbraucher- und Industriewerte legen zu und begrenzen die Verluste - doch zwei US-Unternehmen Federn müssen lassen.

Gewinnmitnahmen machen den US-Börsen zu schaffen AFP

Gewinnmitnahmen machen den US-Börsen zu schaffen

New YorkNach einem furiosen Jahresauftakt schaut die Wall Street wieder mit bangem Blick nach Europa. Finanzwerte standen in New York wie zuvor in Europa auf dem Verkaufszettel. Allerdings sorgten ermutigende Konjunkturdaten für Beruhigung. Verbraucher- und Industriewerte legten zu.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zum Handelsschluss mit einem Plus von 0,2 Prozent bei 12.418 Punkten. Im Handelsverlauf pendelte das Marktbarometer zwischen 12.337 und 12.430 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index schloss nahezu unverändert bei 1277 Punkten. Der Index der Technologiebörse Nasdaq bewegte sich ebenfalls kaum und ging mit 2648 Punkten aus dem Handel. In Frankfurt schloss der Dax mit einem Minus von 0,9 Prozent bei 6111 Punkten.

Die Auftragslage der US-Industrie hatte sich im November erwartungsgemäß aufgehellt. Die Bestellungen stiegen im Vergleich zum Vormonat um 1,8 Prozent nach einem revidierten Minus von 0,2 Prozent im Oktober. Es war der stärkste Anstieg seit Juli. Analysten hatten für November mit einem Plus von 1,7 Prozent gerechnet. Andererseits kamen an der Wall Street neue Sorgen über die Fähigkeit der europäischen Banken auf, ihr Eigenkapital zu stärken.

„Die Realität ist zurück“, sagte Tim Ghriskey von Solaris Asset Management mit Blick auf die Vortagsrally: „Gestern wurden Aktien gekauft, die zuvor besonders verloren hatten. Heute wird klar, dass die Hauptthemen immer noch dieselben sind.“ Im Blickpunkt stand Italiens größte Bank UniCredit, die ihre Aktionäre mit massiven Rabatten locken muss, um dringend benötigte 7,5 Milliarden Euro frisches Kapital einzusammeln. Investoren können die neuen Aktien der Mutter von HypoVereinsbank und Bank Austria mit einem Abschlag von mehr als zwei Drittel zum Börsenkurs vom Dienstag kaufen.

Bei den Einzelwerten trennten sich Investoren vor allem von Finanzwerten, die am Vortag noch verstärkt gekauft wurden. So büßte Morgan Stanley etwa 0,9 Prozent ein. Die Aktien des Internet-Konzerns Yahoo mussten 3,1 Prozent Federn lassen. Der angeschlagene Internet-Konzern ist bei seiner Suche nach einem neuen Chef fündig geworden und ernannte den PayPal-Präsidenten Scott Thompson zum neuen CEO. Experten führten das Minus darauf zurück, dass Yahoo mit Thompson einen fähigen Manager an Bord geholt habe. „Der Verkauf von Yahoo an einen Rivalen wie etwa Microsoft ist dadurch unwahrscheinlicher geworden“, sagte Analyst Brett Harris von Gabelli & Co. Das drücke den Kurs.

Aufwärts ging es für Autobauer, die im Dezember in den USA mehr Fahrzeuge verkauft hatten. General Motors schloss 0,5 Prozent höher, Ford 1,5 Prozent. Die Opel-Mutter General Motors setzte im Dezember fünf Prozent mehr ab als im gleichen Vorjahresmonat. Ford steigerte seine Verkäufe um zehn Prozent. Trotz der besseren Nachfrage bleiben die Konzerne für 2012 aber vorsichtig.

Die Anteilsscheine von Eastman Kodak stürzten 28 Prozent ab auf nur noch 47 Cent. Der schwer angeschlagene US-Fotokonzern Eastman Kodak schließt einem Bericht „Wall Street Journal“ zufolge einen Insolvenzantrag nicht mehr aus. Dem Fotokonzern droht der Börsenausschluss, wenn sich der Aktienkurs in den nächsten sechs Monaten nicht verbessert.

Wie der Wall-Street-Handel lief

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An der New York Stock Exchange wechselten rund 760 Millionen Aktien den Besitzer. 1465 Werte legten zu, 1541 gaben nach und 87 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,69 Milliarden Aktien 963 im Plus, 1521 im Minus und 120 unverändert.

Die ermutigenden Konjunkturdaten haben die Nachfrage nach US-Staatsanleihen am Mittwoch abkühlen lassen. Investoren erschienen die als sicher geltenden Bonds unattraktiver, nachdem sich die Auftragslage der US-Industrie im November aufgehellt hatte.

Das zehnjährige Papier verlor deshalb 08/32 auf 100-04/32. Die Rendite lag bei 1,9859 Prozent. Die dreißigjährige Anleihe gab um 29/32 nach auf 101-25/32 und rentierte mit 3,0330 Prozent.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Poilu

05.01.2012, 06:11 Uhr

L'excédent commercial permanent et impressionnant de l'Allemagne, réalisé aux dépens des économies de la Zone Euro mois compétitives et réinvesti en dehors de celle-ci, représente une fuite de capitaux légale, il saigne ainsi à blanc la Zone Euro. Après la Grèce, l'Espagne, le Portugal et l'Italie ce sera la France. Il faut à tout prix stopper l'hémorragie que représente l'excédent commercial allemand puisque réalisé dans la Zone Euro et réinvesti en dehors de celle-ci. Le chômage des jeunes dans certains pays a dépassé les 40%. A quand la révolution?

Poilu

05.01.2012, 06:29 Uhr

Die enorme Gewinne die deutsche Konzerne im Euroraum realisiert haben, sind, wegen des starken Euro, fast allein ins Nichteuroausland reinvestiert worden. Bsp.: VW will größter Autobauer der Welt werden und baut Fabriken in der ganzen Welt mit Gewinne die im Euroraum realisiert wurden.
Egal wer die Gewinne macht, Hauptsache sie werden wieder da reinvestiert wo sie realisiert wurden und die Wirtschaften der Euroländer nicht eingeht.
Die deutsche Vakuum- oder Schleuderpumpe, bewirkt aber gerade dies.
Wir erleben, über den permanenten deutscher Leistungsbilanzüberschuss, eine Kapitalflucht vom Euroraum ins Nichteuroausland.
Das dürfen wir uns Europäer aller Couleurs und aller Ländern nicht gefallen lassen, mit allen Mitteln, legal oder illegal, muss das verhindert werden.

Poilu

05.01.2012, 06:34 Uhr

Tragischerweise sind diese Gewinne dank der Überschuldung von Euroländer, also für Europa Scheingewinne und zum Teil durch Bestechung von korrupten Beamten erzielt. Das Ergebniss:
"Immer mehr verarmte Griechen geben ihre Kinder ins Heim"

http://www.focus.de/politik/ausland/eu/schwere-wirtschaftskrise-immer-mehr-verarmte-griechen-geben-ihre-kinder-ins-heim_aid_697994.html

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