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22.09.2015

00:03 Uhr

Börse New York

Wall Street erholt sich von Verlusten der vergangenen Woche

Zwar schick Hillary Clinton Biotech-Aktien mit einer Kampfansage auf Talfahrt, doch scheint nach dem Fed-Entscheid der vergangenen Woche wieder etwas Zuversicht eingekehrt zu sein. Die US-Börsen schließen mit Gewinnen.

Die Wall Street lag leicht im Plus. dpa

Händler in New York

Die Wall Street lag leicht im Plus.

New YorkDie US-Börsen haben am Montag die Verluste der vergangenen Woche zum Teil wettgemacht. Zu den Gewinnern gehörten Finanztitel, die nach der Sitzung der US-Notenbank Fed am Donnerstag die meisten Federn lassen mussten. Für negative Impulse sorgte indes die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, die überhöhten Preisen von Medikamenten den Kampf ansagte. Sie wolle am Mittwoch einen Plan gegen „Wucher“ im Arzneimittelsektor vorlegen, kündigte Clinton an und schickte damit Biotech-Aktien auf Talfahrt.

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Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging mit einem Plus von 0,8 Prozent bei 16.510 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 0,5 Prozent auf 1966 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq präsentierte sich kaum verändert bei 4828 Stellen. Zu den größten Verlierern gehörten Biotech-Aktien wie Biogen, die fast sechs Prozent nachgaben.

Wie es nach dem Fed-Entscheid weitergeht

Zinswende bleibt vorerst aus

Noch scheuen sich die Geldpolitiker um Fed-Chefin Janet Yellen, erstmals seit Jahren wieder am Geldhahn zu drehen. Allerdings könnte die US-Notenbank noch in diesem Jahr handeln – und damit auch die Konjunktur im Euroraum anschieben. Seit Ende 2008 liegen die Zinsen in den USA, zu dem Banken Zentralbankgeld leihen können, auf dem Tief zwischen null und 0,25 Prozent.

Warum hat die Fed die Zinsen diesmal nicht angehoben?

Ein Hauptgrund sind die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten. Im August hatte ein Kurssturz in China Europas Börsen in einen Abwärtsstrudel gezogen und an der Wall Street für massive Verluste gesorgt. „Wir achten insbesondere auf China und aufstrebende Märkte“, sagt Yellen. Die Fed spricht von „globalen wirtschaftlichen und finanziellen Entwicklungen“, die den Aufschwung gefährden könnten.

Spielt das die Hauptrolle für die Entscheidung der Notenbanker?

Nein. Am wichtigsten sind hohe Beschäftigung und ein stabiles Preisniveau. Die Inflation liegt aber noch deutlich unter dem Zielwert von zwei Prozent, und vom Arbeitsmarkt kommen trotz hoffnungsvoller Zeichen zwiespältige Signale. Aus Sicht von Ökonomen wie Deutsche-Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau ist eine Zinserhöhung angesichts der US-Konjunktur aber schon lange überfällig: „Die US-Wirtschaft dürfte weiter kräftig wachsen, es herrscht praktisch Vollbeschäftigung und die Inflation, obwohl auf niedrigem Niveau, sollte sich in Richtung Zielwert der Fed von zwei Prozent bewegen.“ Die aktuelle US-Konjunkturlage verlange eine Bewegung hin zu Leitzinsen zwischen 2 und 3 Prozent.

Also geht die Spekulation um die Zinswende weiter?

Die Mehrzahl der Notenbanker ist nach wie vor der Meinung, dass die Fed das Ende ihre Nullzinspolitik noch dieses Jahr einläuten sollte. Der Offenmarktausschuss tagt bis Jahresende nur noch zweimal: Ende Oktober und am 16. Dezember. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, erwartet spätestens im Dezember die Zinswende: „Reagieren Janet Yellen und ihre Kollegen auch nicht zum Jahresende, verspielen die Notenbanker ihre Glaubwürdigkeit.“

Ist die Fed zu zaghaft?

Nach Einschätzung vieler Beobachter schon. „Einen Zeitpunkt, zu dem eine Zinserhöhung in einer völlig stabilen weltwirtschaftlichen Situation erfolgt und keine Risiken birgt, wird es kaum geben“, warnt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Das Problem ist, dass der Druck mit jedem Aufschub zunimmt. Schließlich soll beim ersten Zinsschritt nicht der Eindruck entstehen, dass die Ära des ultrabilligen Geldes schlagartig vorüber ist. „Die Haltung der Geldpolitik wird vermutlich noch für einige Zeit nach der anfänglichen Erhöhung der Leitzinsrate hochexpansiv bleiben“, versichert Yellen deshalb.

Warum sind die Zinsen überhaupt auf dem Rekordtief?

Mit den Mini-Zinsen hatte die Fed auf die Finanzkrise von 2008 und die folgende Rezession reagiert. Bei niedrigen Zinsen investieren Unternehmen tendenziell mehr, Verbraucher geben mehr Geld aus. Das schiebt die Konjunktur an.

Welche Folgen hätte eine Zinserhöhung?

Höhere Zinsen verhindern Blasen etwa an Immobilien- und Aktienmärkten sowie eine zu hohe Inflation. Banken verleihen mehr Geld, statt es zu parken. Für viele Sparer sind Zinserträge auch eine wichtige Einnahmequelle. Allerdings würde der Dollar an Wert gewinnen, wenn gleichzeitig andere Notenbanken auf Null-Zins-Kurs bleiben. Das hätte zwei Konsequenzen, betont Targobank-Chefvolkswirt Otmar Lang: „Zum einen brächen die US-Exporte weg, zum anderen würden aus den Schwellenländern sehr hohe Geldbeträge abfließen und dort einen dramatischen konjunkturellen Einbruch herbeiführen. Und das könnte die gesamte Weltwirtschaft schwer in Mitleidenschaft ziehen.“

Wird die EZB die Zügel im Euroraum bald anziehen?

Nein. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Geldschleusen noch lange weit geöffnet und den Zins nahe der Nulllinie lassen. EZB-Präsident Mario Draghi hat sogar weitere Lockerungen in Aussicht gestellt. Liane Buchholz vom Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB) rechnet frühestens 2017 mit einem ersten Zinsschritt: „Die extreme Niedrigzinsphase in Europa wird uns noch länger begleiten.“ Das ist gut für Häuslebauer, die ihre Immobilie extrem günstig finanzieren können. Aber es ist schlecht für Sparer, weil vermeintlich sichere Anlagen kaum Geld abwerfen.

Was würde eine frühere Zinserhöhung in den USA für Europa bedeuten?

Steigen die Zinsen in den USA, aber nicht in Europa, gewinnt der Dollar gegenüber dem Euro an Wert. In Dollar gehandelte Importe wie Rohstoffe werden so im Euroraum teurer. Das stärkt den mickrigen Preisauftrieb. Gleichzeitig werden hiesige Produkte auf dem Weltmarkt günstiger. Das befeuert den Export und die Konjunktur im Euroraum.

In der vergangenen Woche hatte die Fed die von manchen Volkswirten erwartete erste Anhebung der US-Zinsen seit fast zehn Jahren gescheut. Zur Begründung verwies sie auf die Lage der Weltwirtschaft, auf Schwankungen an den Finanzmärkten und die niedrige Inflation. US-Zentralbanker Dennis Lockhart dämpfte am Montag auch Erwartungen an eine US-Zinserhöhung im Oktober.

Insgesamt sei der Handel sehr volatil gewesen und folge damit dem jüngsten Trend, sagten Händler. „Wir haben ein neues Niveau an Unsicherheit und das hindert den Anleger daran, sich den Ball zu schnappen und mit ihm wegzulaufen“, sagte Bucky Hellwig von BB&T Wealth Management.

Die Papiere von US-Autobauern profitierten zunächst nicht von der Abgasaffäre des deutschen Konkurrenten Volkswagen. Die Kurse von General Motors und Ford blieben fast unverändert.

Zu den Verlierern gehörten die Papiere des Actionkamera-Herstellers GoPro. Sie verloren mehr als acht Prozent. Auslöser war ein Bericht des Anlegermagazins „Barron's“, wonach die jüngsten Produkte bei den Kunden schlechter als erwartet ankämen.

Auf dem Frankfurter Parkett versetzte die Affäre um Abgas-Manipulationen in den USA die Volkswagen-Aktionäre in Angst und Schrecken und verunsicherte den ganzen Aktienmarkt. Der Dax hinkte mit einem Plus von 0,3 Prozent auf 9948,51 Punkten den übrigen Börsen in Europa hinterher. Der EuroStoxx50 legte 0,9 Prozent auf 3184,72 Punkte zu und machte damit einen kleinen Teil seines dreiprozentigen Kursrückgangs nach der Fed-Entscheidung der vorigen Woche wieder gut. „Aber hier in Frankfurt hat der VW-Skandal die Diskussion um die Zinspolitik der Fed völlig verdrängt“, sagte ein Händler. VW stürzten um 18,6 Prozent auf ein Drei-Jahres-Tief von 132,20 Euro ab.

Der Kurs des Euro rutschte wieder unter 1,12 Dollar und wurde in New York zuletzt bei 1,1194 Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,1250 (Freitag: 1,1419) Dollar festgesetzt. Am Markt für US-Staatsanleihen fiel der Kurs der richtungweisenden zehnjährigen Papiere um 17/32 auf 98 9/32 Punkte. Sie rentierten mit 2,19 Prozent.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 820 Millionen Aktien den Besitzer. 1827 Werte legten zu, 1216 gaben nach und 120 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,02 Milliarden Aktien 1308 im Plus, 1492 im Minus und 163 unverändert.

Die anhaltende Unsicherheit über den Zeitpunkt der Zinswende in den USA drückte die Kurse an den US-Kreditmärkten. Die zehnjährigen Papiere fiel um 19/32 auf 98-6/32. Sie rentierten mit 2,2 Prozent. Die 30-jährigen Bonds gaben um 22/32 auf 97-6/32 nach und hatten eine Rendite von 3,02 Prozent.

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