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05.02.2016

00:00 Uhr

Börse New York

Wall Street fährt vor US-Arbeitsmarktdaten Achterbahn

Die Nervosität an der Wall Street war hoch: Am Freitag werden die US-Arbeitsmarktdaten veröffentlicht, am Donnerstag gab es schlechte Nachrichten aus der Industrie. Für Verunsicherung sorgte auch der Ölpreis.

Der Ölpreis hat die Händler an der New Yorker Börse fest im Griff. ap

Wall Street

Der Ölpreis hat die Händler an der New Yorker Börse fest im Griff.

New YorkZweifel an der Erholung der US-Wirtschaft haben am Donnerstag Anleger an der Wall Street verunsichert. Die Kurse legten erneut eine Berg- und Talfahrt hin. Auch das Auf und Ab beim Ölpreis belastete den Markt.

Der Dow-Jones-Index schloss bei 16.416 Punkten 0,49 Prozent im Plus. Im Verlauf pendelte er zwischen 16.266 und 16.485 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 ging mit 1915 Zählern 0,15 Prozent höher aus dem Handel. Die Technologiebörse Nasdaq gewann 0,12 Prozent und schloss bei 4509 Punkten. In Frankfurt war der Dax mit 9393 Punkten und damit einem Minus von 0,44 Prozent aus dem Handel gegangen.

„Vor den US-Arbeitsmarktdaten am Freitag ist die Nervosität am Markt extrem hoch“, erklärte Analyst Tobias Basse von der Nord LB. Die US-Notenbank Fed hat ihre Zinspolitik von einer Verbesserung des Jobangebots abhängig gemacht. Doch angesichts enttäuschender Daten aus der US-Industrie und dem Dienstleistungssektor häufen sich nun die Stimmen derer, die für 2016 anders als bislang nicht mehr mit weiteren Zinserhöhungen in den USA rechnen. Ursprünglich hatten Anleger nach der Zinserhöhung im Dezember - es war die erste seit der Finanzkrise 2007/2008 - mit drei bis vier weiteren Schritten gerechnet.

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Eine andauernde Auftragsflaute in der US-Industrie - sie wird auch mit dem hohen Dollar-Kurs in Verbindung gebracht, der US-Waren auf dem Weltmarkt verteuert - schürt derweil die Furcht vor einem Schwächeanfall der weltgrößten Volkswirtschaft. Zudem äußerten sich US-Notenbanker skeptisch mit Blick auf weitere Zinserhöhungen. Nach dem New Yorker Fed-Chef William Dudley, der unter anderem vor gravierenden Folgen der Dollar-Stärke für die US-Konjunktur gewarnt hatte, dämpfte am Donnerstag sein Kollege Robert Kaplan aus dem Bezirk Dallas die Erwartungen: Man müsse in der Zinspolitik Geduld haben, erklärte er.

Die Kursbewegungen an der Wall Street waren ebenso hektisch und schnell wie am Ölmarkt. Dort fielen die Kontrakte auf Nordseeöl der Sorte Brent und US-Leichtöl WTI in der Spitze um 2,5 und 1,9 Prozent auf 34,15 und 31,68 Dollar je Barrel (159 Liter), ehe sie um bis zu 2,3 und vier Prozent in die Höhe schnellten. Zum europäischen Aktien-Handelsschluss lagen Brent und WTI rund ein Prozent niedriger - danach setzten sie ihre Achterbahn fort und knickten wieder um rund zwei Prozent ein.

Der Euro setzte seinen Höhenflug fort und knackte die Marke von 1,12 US-Dollar. Zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,1207 Dollar.

Bei den Einzelwerten legten Mattel und Hasbro zu. Zum Handelsschluss lagen sie 1,67 Prozent beziehungsweise 1,2 Prozent im Plus. Die Agentur Bloomberg hatte zuvor berichtet, beide Unternehmen verhandelten über eine Fusion.

Zu einem Einbruch kam es bei den Aktien der Modefirma Ralph Lauren und dem Einzelhändler Kohl's. Sie hatten schwache Zahlen aus dem vierten Quartal gemeldet und vor einem schwierigen Jahr 2016 gewarnt. Die Kurse beider Unternehmen gingen 22 und 19 Prozent in den Keller. Das sorgte auch für Verkäufe bei anderen Einzelhandelstiteln wie Macy's, Target und J.C. Penney die zwei bis fast fünf Prozent verloren.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Die Anteilsscheine des Baumaschinenherstellers Caterpillar legten an der Dow-Spitze um mehr als vier Prozent zu. Auf dem ersten Platz des S&P 500 schnellten die Aktien des Bergbauunternehmens Freeport-McMoRan um rund 18 Prozent nach oben. Sie profitierten insbesondere von den gestiegenen Kupferpreisen. Papiere des Aluminiumkonzerns Alcoa legten um gut 10 Prozent zu, Anteilsscheine des Stahlherstellers United States Steel zogen um rund neuneinhalb Prozent an.

Die Aktien von ConocoPhillips sackten nach der Zahlenvorlage des Ölkonzerns um gut achteinhalb Prozent ab. Der Verlust im vierten Quartal fiel größer aus als von Analysten befürchtet, nachdem der Preisverfall beim Rohöl die Geschäfte sehr stark belastet hatte.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,208 Milliarden Aktien den Besitzer. 1950 Werte legten zu, 1087 gaben nach und 141 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,18 Milliarden Aktien 1659 im Plus, 1123 im Minus und 166 unverändert.

Die schwächeren Konjunkturdaten drückten auch auf die Renditen der US-Staatsanleihen, zumal die Anleger mit Skepsis die Arbeitsmarktdaten am Freitag erwarteten. Die zehnjährigen Papiere stiegen um 10/32 auf 103-16/32. Sie rentierten mit 1,85 Prozent nach 1,88 Prozent am Vortag. Die 30-jährigen Bonds stiegen um 20/32 auf 106-12/32 und hatten eine Rendite von 2,69 Prozent.

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