Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.06.2013

23:21 Uhr

Börse New York

Wall Street geht mit Plus ins Wochenende

Nach zwei Verlusttagen hat die Wall Street im Plus abgeschlossen. Schnäppchenjäger hoben die Stimmung. Banken standen aber durch den "Bernanke-Schock" immer noch unter Druck. Weitere Schwankungen werden erwartet.

Wie der Handel an der Wall Street lief

Video: Wie der Handel an der Wall Street lief

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

New YorkDie US-Börsen haben sich leicht von ihrem "Bernanke-Schock" erholt: Nach zwei Tagen mit heftigen Verlusten in Folge schloss der Dow-Jones-Index am Freitag leicht im Plus. Schnäppchenjäger stützten den Markt. Dagegen lastete Oracle mit einem Minus von 9,3 Prozent auf der Technologiebörse Nasdaq. Der Softwaregigant enttäuschte erneut mit einem schwachen Umsatz. Banken standen ebenfalls unter Druck. Sorgen vor Abschreibungen im Zusammenhang mit den Bond-Anlagen bei dem von Fed-Chef Ben Bernanke angedeuteten Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik belasteten die Kurse. Citigroup -Aktien fielen um 2,2 Prozent, die Papiere der Bank of America um 1,5 Prozent.

Händler zufolge dürfte der Markt auch in nächster Zeit anfällig für kräftige Schwankungen sein. Bernanke hatte am Mittwoch skizziert, wie der Ausstieg aus dem Anleihe-Kaufprogramm aussehen könnte. "Das wird so lange weitergehen, bis wir an den Punkt kommen, an dem der Markt von einer nachhaltigen Erholung der Wirtschaft ausgeht und keine Notwendigkeit mehr für lebenserhaltende Maßnahmen sieht", sagte Analyst Peter Kenny von Knight Capital.

Rick Meckler von LibertyView Capital begründete die Zurückhaltung auch damit, dass der Schock nach einem so großen Ausverkauf wie an den beiden vorangegangenen Tagen länger andauert. Da seien eine Menge Emotionen im Spiel. Portfoliomanager John Carey erklärte: "Ich halte diese Marktschwankungen nicht für ein Zeichen eines ernsthaften Abschwungs."

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss mit einem Plus von 0,3 Prozent auf 14.799 Punkte. Im sehr volatilen Handelsverlauf pendelte der Leitindex zwischen 14.688 und 14.858 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500 legte ebenfalls 0,3 Prozent zu auf 1592 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel hingegen 0,2 Prozent auf 3357 Stellen. Auf Wochensicht verlor der Dow 1,8 Prozent, der S&P 2,1 Prozent und die Nasdaq 1,9 Prozent. Der Dax in Frankfurt schloss mit einem Minus von 1,8 Prozent auf 7789 Punkte.

Analystenstimmen zur Fed-Geldpolitik

Uwe Burkert, LBBW

„Die scharfe Reaktion der Rentenmärkte dies- und jenseits des Atlantiks bestätigt unseres Erachtens unseren Eindruck einer negativen Grundstimmung der Marktteilnehmer. Die Reduzierung des Expansionsgrads der Geldpolitik wird jedoch voraussichtlich in einem vorsichtigen Tempo erfolgen, eine Zinsanhebung in den USA dürfte bis Jahresende 2014 voraussichtlich nicht auf der Agenda stehen.“

Rob Lutts, Cabot Money Management

„Das Überraschendste war die Anhebung der Wachstumsrate für 2014. Auf die Wachstumszahlen wird sich der Anleihemarkt am stärksten konzentrieren. Die Bondanleger sagen sich: 'Wenn die Fed richtig liegt, müssen wir kurzfristig mit höheren Renditen rechnen.'“

George Rusnak, Wells Fargo Private Bank

„Die Fed wird mit der Drosselung der Wertpapierkäufe entweder im vierten Quartal oder im ersten Quartal nächsten Jahres beginnen.“

Camilla Sutton, Scotiabank

„Die Konjunkturprognosen signalisieren, dass die Arbeitslosenquote 2014 auf 6,5 Prozent sinken wird. Das bedeutet, dass die Fed die Zinsen früher anziehen könnte als erwartet, möglicherweise bereits im ersten Quartal 2015.“

Axel Merk, Merk Investments

„Die Hauptbotschaft ist, dass die Fed die Wertpapierkäufe wirklich drosseln will und dies bis zum nächsten Sommer abzuschließen hofft. Bernanke möchte kommunizieren, dass dies nicht unbedingt eine geldpolitische Straffung bedeutet, aber der Markt scheint das anders zu sehen.“

Fred Dickson, D.A. Davidson & Co.

„Er hat die Möglichkeit der Drosselung im September vom Tisch gewischt. Seine Aussagen über eine mögliche Verringerung der Wertpapierkäufe zum Jahresende und die Einstellung Mitte kommenden Jahres hat für etwas Klarheit, aber offenbar auch für Überraschung gesorgt.“

Brian Levitt, Oppenheimerfunds

„Die Fed beurteilt die US-Konjunktur offenbar optimistischer als bislang. Ich werte dies als gute Nachricht. Der Prozess der Normalisierung ist langwierig. Es bedeutet nicht, dass die Geldpolitik über Nacht gestrafft wird und die Grundlagen für den Aktienmarkt erscheinen immer noch vernünftig. Anleger sollten ihre Aktienpositionen nicht auflösen, weil die Fed mit dem langwierigen Prozess einer Normalisierung der Geldpolitik beginnt.“

Kan Mayland, Clearview Economics

„Erreicht das Wirtschaft zumindest durchschnittliche Wachstumsraten? Werden monatlich nachhaltig mehr als 200.000 neue Jobs geschaffen? Steigen die Preise zu schnell und überschreiten die Inflationserwartungen die Zielmarken? Nein, Nein und Nein. Daher kann man eine Drosselung zumindest in den kommenden Monaten vergessen.“

Ulrich Leuchtmann, Commerzbank

„Für die nächsten Wochen und Monate dürfte am wichtigsten sein, dass wir nun einen klaren Fahrplan für das "tapering" haben: Wenn sich die Rahmendaten so entwickeln, wie das FOMC erwartet, werden wir - so kündigte Bernanke an - eine erste Reduktion des QE-Volumens "später in diesem Jahr" sehen. Und "um die Mitte" 2014 würde dann QE3 ganz eingestellt. Das ist wesentlich klarer, als alles was wir bisher von der Fed zu diesem Thema gehört haben. Hinzu kommt, dass das Statement wesentlich optimistischer ausfiel als im Mai. (...) Die Kombination aus optimistischerer Konjunktureinschätzung und "Guidance" ist ein starkes Signal für die US-Währung.“

Ralf Umlauf, Helaba

„Fed-Chef Bernanke hat bei der gestrigen Pressekonferenz zur FOMC-Sitzung den zukünftigen Pfad der Geldpolitik, insbesondere die monatlichen Anleihekäufe, an die Entwicklung der Konjunkturdaten gekoppelt. Konkret heißt dies, dass die Notenbanker anhaltende Zeichen eines selbstragenden Aufschwungs und einer nachhaltigen Verbesserung sehen wollen. Sollte dies der Fall sein, könnten die Anleihekäufe im späteren Verlauf des Jahres zurückgefahren werden und gegen Mitte 2014 auslaufen. Während die Fed zukünftig den monetären Impuls allmählich verringern wird, ist die EZB noch immer bereit, der EWU-Wirtschaft mit weiteren Lockerungen unter die Arme zu greifen. Zwar hatte EZB-Präsident Draghi jüngst die Überzeugung geäußert, dass für eine weitere Zinssenkung derzeit keine Notwendigkeit bestehe, alle Optionen inklusive negativer Einlagensätze aber offen seien.“

Yuji Saito, Credit Agricole

„Bernanke ist deutlicher geworden, als der Markt es erwartet hat. Die Richtung des Dollar ist ab jetzt festgelegt.“

Neben Oracle standen bei den Einzelwerten die Facebook -Aktien im Mittelpunkt, die um 2,6 Prozent stiegen. Die Bank UBS hatte ihre Bewertung für die Papiere des sozialen Online-Netzwerks auf "kaufen" angehoben.

Tesla -Papiere fielen um rund ein Prozent. Der Elektroauto-Hersteller hat ein System vorgestellt, mit dem die Akkus in den Fahrzeugen binnen 90 Sekunden getauscht werden können. Das soll Kunden locken, die sich bislang wegen eher geringer Reichweiten der Autos zurückhalten. Anleger waren zunächst nicht überzeugt.

Die Aktien des Einzelhändlers Apollo Group wurden letztmalig im S&P 500 gehandelt. Zu Montag werden sie durch die News-Corp -Tochter News Corp ersetzt. News Corp selbst benennt sich in 21st Century Fox um. Die Apollo-Aktie verabschiedete sich mit Abschlägen von 2,5 Prozent aus dem Index.

Der Börsengang des Funknetz-Anbieters für die Luftfahrt, Gogo, verlief holprig. Am ersten Handelstag verlor der Konzern 5,9 Prozent. Anleger zogen vor allem die hohe Bewertung des Unternehmens infrage, dass in Tausenden von Flugzeugen seine Dienste anbietet.

An der New York Stock Exchange wechselten rund zwei Milliarden Aktien den Besitzer. 1515 Werte legten zu, 1498 gaben nach und 91 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,76 Milliarden Aktien 1491 Titel im Plus, 1013 im Minus und 99 unverändert.

Von

rtr

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

klartext

21.06.2013, 23:00 Uhr

Was machen eigentlich ihre Puts, die sie bei knapp über 7000 seit vergangenen November im Depot haben?

Sind sicher schon wertlos ausgebucht worden. Aber immer aufs Neue, hier die große Klappe haben *kopfschüttel*

Account gelöscht!

21.06.2013, 23:24 Uhr

Kommt mir bei dem Forist Tingeltangel bob auch so vor. Scheint nicht so, dass er Aktienanlage versteht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×