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27.05.2014

23:20 Uhr

Börse New York

Wall Street honoriert gute Konjunkturdaten

In New York steigen die Kurse, weil man in Europa auf eine Lockerung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank hofft. Für Unterstützung sorgen außerdem starke US-Konjunkturdaten.

Ein US-Händler zeigt es an. An der Wall Street steigen die Kurse. ap

Ein US-Händler zeigt es an. An der Wall Street steigen die Kurse.

New YorkDie New Yorker Börsen haben ihren Höhenflug am Dienstag fortgesetzt. Gestützt wurden die Kurse von Konjunkturdaten: Die US-Industrie konnte im April überraschend mehr Aufträge an Land ziehen. Zudem hellte sich die Stimmung der amerikanischen Verbraucher auf. Das Konsumbarometer stieg auf 83,0 von 81,7 Zählern im Vormonat.

Angesichts der starken Bestellungen im Februar und März seien die nochmals höheren Auftragseingänge für April besonders positiv zu bewerten, schrieb Analyst Ralf Umlauf von der Landesbank Helaba: „Das Wachstumsszenario ist intakt.“ Die Daten seien ein gutes Omen für die Investitionstätigkeit im zweiten Quartal.

Angetrieben wurden die Kurse darüber hinaus von Spekulationen auf eine weitere geldpolitische Lockerung der Europäischen Zentralbank. Ratsmitglied Ewald Nowotny bekräftigte die Handlungsbereitschaft der EZB zur Abwehr einer Deflationsspirale aus fallenden Preisen und Investitionen.

Geht die Börsenrally weiter?

Wie reagieren die Börsen auf den Wahlausgang in Europa?

Die Anleger scheinen recht unbeeindruckt von den Wahlerfolgen der Eurokritiker. „Das ist sicherlich ein Schock für Europa“, sagte Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. „Für das Europäische Parlament als gesamtes gilt aber: Die etablierten Parteien verfügen über mehr als zwei Drittel der Sitze. Der pro-europäische Kurs in Straßburg ist also nicht gefährdet.“ Der Eurokurs stieg am Tag nach der Wahl, an wichtigen europäischen Börsen ging es aufwärts, der Dax erreichte am Montag zwischenzeitlich ein Rekordhoch. Kornelius Barczynski vom Brokerhaus GKFX hält es sogar für möglich, dass der deutsche Leitindex noch in dieser Woche über die 10 000-Punkte-Marke springt.

Was bedeutet das Wahlergebnis für den Fortgang der Euro-Schuldenkrise?

Zunächst ändert die neue Zusammensetzung des EU-Parlaments nicht viel am Brüsseler Krisenkurs. Akuten Handlungsbedarf gibt es derzeit ohnehin nicht. Die Sorgenkinder Spanien, Irland und Portugal haben den Euro-Rettungsschirm bereits verlassen. Sie und andere potenzielle Krisenländer kommen am Kapitalmarkt längst zu deutlich günstigeren Konditionen an frisches Geld, als in der Hochzeit der Krise. Griechenland ist zumindest symbolisch an die Finanzmärkte zurückgekehrt. Selbst wenn Athen weitere Hilfe benötigen würde, läge die Entscheidung darüber bei den Mitgliedsstaaten und nicht beim EU-Parlament.

Können Eurokritiker die bisherige Politik woanders stören?

Interessant dürfte es werden, wie die französische Regierung auf den Erfolg der rechten Front National reagiert. Präsident François Hollande wird sich überlegen müssen, wie er enttäuschte Wähler zurückgewinnt. Ließe er sich von den Rechten in Eurofragen zu Untätigkeit verleiten, könnte das auf absehbare Zeit die gesamte EU lähmen. Denn Frankreich hat seit geraumer Zeit selbst Probleme mit seiner Staatsverschuldung - und leidet zugleich unter einer ausgeprägten Konjunkturschwäche.

Haben die Wähler in den Eurokrisenländern der EU einen Denkzettel verpasst?

In Griechenland ist es bei der Europawahl eindeutig so gekommen: Die EU-kritische, radikallinke Syriza wurde stärkste Kraft. Europafeindlich ist Syriza allerdings nicht: Sie kritisieren zwar scharf die internationalen Sparvorgaben, wollen aber zum Beispiel nicht mehrheitlich aus der Eurozone austreten. Im ebenfalls wirtschaftlich nicht gerade florierenden Italien entschieden die Wähler anders: In der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone, holte die Partei des als reformfreudig und proeuropäisch geltenden Premierministers Matteo Renzi mehr als 40 Prozent der Stimmen. Der italienische Aktienindex legte daraufhin kräftig zu, italienische Staatsanleihen waren bei Anlegern gefragt.

In der Ukraine gewann der Petro Poroschenko die Präsidentenwahl deutlich. Sind die Börsen erleichtert?

Ja, das eindeutige Votum hat für Entspannung an den Märkten gesorgt. Zum Beispiel gab der Ölpreis merklich nach, was Händler vor allem als Folge der Entspannung zwischen Kiew und Moskau werteten. Die Ukraine ist ein wichtiges Transitland für Energielieferungen in den Westen. Deshalb reagiert der Ölmarkt stark auf die Entwicklung im Ukraine-Konflikt. Der relativ klare Ausgang der Präsidentschaftswahl in dem Land dürfte die Stimmung stützen, sagte Jan Bottermann, Chefvolkswirt bei der National-Bank.

Was treibt die Märkte im Moment am meisten?

Entscheidender Treibstoff für die Aktienkurse sind weiterhin Spekulationen über weitere geldpolitische Lockerungen der EZB. In der kommenden Woche könnte Zentralbankchef Mario Draghi eine weitere Senkung der Leitzinsen verkünden. Andeutungen in diese Richtung macht Draghi bereits seit Tagen. Damit würde noch mehr billiges Geld in Umlauf kommen. Die EZB fürchtet, dass die extrem niedrige Inflation in eine gefährliche Deflation umschlägt - weil Investoren und Konsumenten in Erwartung weiter sinkender Preise weniger kaufen und investieren. Das könnte die - in weiten Teilen Europas ohnehin lahmende - Wirtschaft weiter schwächen. Für Anleger bedeuten niedrigere Zinsen vor allem steigende Aktienkurse. Den denn wenn Staatsanleihen, Sparbuch und Festgeld fast nichts mehr abwerfen, sind Aktien stärker gefragt.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte bis zum Schluss 0,4 Prozent auf 16.675 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P 500 erhöhte sich um 0,6 Prozent auf einen Rekordwert von 1912 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 1,2 Prozent auf 4237 Stellen. In Frankfurt rückte der Dax an die 10.000-Punkte-Marke heran. Der Leitindex beendete den Handel mit einem Plus von 0,5 Prozent auf 9940 Punkte und markierte damit den dritten Schlussrekord in Folge.

Übernahmen als bestimmendes Thema an der Börse

In einem ansonsten nachrichtenarmen Umfeld zogen erneut Übernahmethemen das Interesse der Börsianer auf sich. Der im Dow notierte Pharmakonzern Pfizer etwa gibt sich im Übernahmepoker um den britischen Rivalen AstraZeneca vorerst geschlagen. Die Pfizer-Aktien gewannen 0,41 Prozent, wohingegen die Papiere von AstraZeneca in London 1,76 Prozent tiefer aus dem Handel gegangen waren.

Völlig vom Tisch ist eine mögliche Fusion allerdings nicht. Zwar muss Pfizer nach britischem Recht nun mindestens sechs Monate lang abwarten, allerdings könnte AstraZeneca schon Ende August die Verhandlungen neu beleben. Wie die „Financial Times“ vergangene Woche berichtet hatte, forciert unter anderem der Vermögensverwalter Blackrock als größter Investor bei AstraZeneca eine Rückkehr an den Verhandlungstisch.

Im Blickpunkt stand auch der Übernahmereigen in der US-Lebensmittelbranche. Der weltweit zweitgrößte Geflügelproduzent Pilgrim's Pride will für 5,5 Milliarden Dollar den Hersteller von Fertiggerichten Hillshire Brands übernehmen. Hillshire-Aktien schossen um 22 Prozent in die Höhe. Die Papiere des Konkurrenten Pinnacle Foods fielen dagegen um rund fünf Prozent. Pinnacle soll für 4,3 Milliarden Dollar von Hillshire übernommen werden - diese Pläne könnten nun in Gefahr geraten.

Die Anteilsscheine von Aeropostale sprangen 15 Prozent in die Höhe, nachdem sich der Modekonzern eine dringend benötigte Kreditlinie von 150 Millionen Dollar gesichert hatte.

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