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08.12.2011

22:47 Uhr

Börse New York

Wall Street schaudert vor Europa

Die Wall Street blickt skeptisch auf die Entscheidungen in Europa. Der Dow-Jones-Index rutschte bis zum Börsenschluss um 1,6 Prozent auf 11.997 Punkte ab. Besonders hart trifft der Abwärtstrend die Finanzwerte.

Broker an der Wall Street dpa

Broker an der Wall Street

New YorkDie Weigerung der EZB, zur Linderung der Schuldenkrise massiv Staatsanleihen zu kaufen, hat am Donnerstag an der Wall Street für lange Gesichter gesorgt. „In den letzten Tagen deutete sich an, dass sie diese Panzerfaust in Stellung bringen. Jetzt treten sie dem Eindruck aber entgegen“, sagte Tom Donino von First New York Securities.

Anzeichen für deutliche Meinungsunterschiede zu Beginn des EU-Gipfels in Brüssel beschleunigten die Talfahrt im Handelsverlauf. Für Enttäuschung sorgten vor allem Berichte, dass Deutschland auf seiner harten Haltung beharrt und etwa eine Banklizenz für den dauerhaften Rettungsschirm ESM weiterhin ablehnt. Dies bekamen vor allem Finanzwerte mit teils deutlichen Verlusten zu spüren. Abgebremst wurde die Talfahrt lediglich durch positive Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,6 Prozent im Minus bei 11.997 Punkten, nachdem er im Handelsverlauf zwischen 11.966 und 12.195 Punkten geschwankt hatte. Der breiter gefasste S&P-500 fiel 2,1 Prozent auf 1234 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq büßte 2,0 Prozent auf 2596 Punkte ein. Der Dax schloss zwei Prozent im Minus bei 5874 Stellen.

Auch in den Staaten blicken die Anleger weiterhin nach Europa. Sie erhoffen sich vom EU-Gipfel ein Ende der kleinen Schritte. Von der EZB-Zinssitzung hatten sie sich bereits ein stärkeres Eingreifen der Notenbank erhofft. Sie reagierten daher pessimistisch auf die Entscheidung der EZB, kein erweitertes Anleihekaufprogramm aufzulegen.

Die Anleger seien derzeit versucht, ihr Geld aus dem Markt abzuziehen, sagte ein Börsianer. Die EZB übe sich weiter darin, dem Bankensektor zu helfen, gehe das zugrundeliegende fundamentale Problem jedoch nicht an, kommentierte ein anderer Börsianer. Der am Donnerstag begonnene EU-Gipfel soll es jetzt richten, doch der Optimismus schwindet mehr und mehr. „Wir brauchen einen politischen Big Bang“, sagte ein Fondsmanager über die Erwartungen an die Gipfelteilnehmer.

Finanzwerte büßten im Schnitt fast vier Prozent an Wert ein. Die Aktien des Versicherers AIG rutschten um 5,5 Prozent, die Titel der Investmentbank Morgan Stanley sogar um mehr als acht Prozent nach unten, weil das Institut nach Ansicht von Börsianern besonders deutlich unter einer Verschärfung der Schuldenkrise in Europa leiden würde. „Der Markt will wirklich bis morgen abwarten, um zu sehen, was auf dem Gipfel passiert“, sagte Ken Polcari von ICAP Equities.

Händler zeigten sich beunruhigt über den erneuten Anstieg der Renditen italienischer Staatsanleihen in Folge der EZB-Äußerungen. Der von der europäischen Bankenaufsicht EBA diagnostizierte Kapitalbedarf der größten europäischen Geldhäuser von 115 Milliarden drückte zusätzlich auf die Gemüter.

Auch die Aktien von IBM standen im Fokus. Die Mitteilung von „Big Blue“, den Cloud-Anbieter Demandtec für 440 Millionen Dollar zu kaufen, beeindruckte die Investoren nicht. Die Papiere des Technologie-Konzerns verbilligten sich um 1,2 Prozent.

Immerhin gab der angeschlagene US-Arbeitsmarkt zur Erleichterung der Anleger ein Lebenszeichen von sich. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sank vergangene Woche auf den tiefsten Stand seit einem Dreivierteljahr. Die Anträge lagen bei 381.000 und damit um 23.000 unter der Vorwoche. Das ist der niedrigste Stand seit Ende Februar.

Wie der Wall-Street-Handel lief

Video: Wie der Wall-Street-Handel lief

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An der New York Stock Exchange wechselten rund 930 Millionen Aktien den Besitzer. 405 Werte legten zu, 2580 gaben nach und 79 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,85 Milliarden Aktien 349 im Plus, 2158 im Minus und 85 unverändert.

Kommentare (5)

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Birgit_G

09.12.2011, 00:20 Uhr

Europa schaudert vor der Wall Steet - und zwar massiv!

AMI-Comeback

09.12.2011, 07:08 Uhr

Der permanente Kapitaltransfer von Süden nach Norden über die Leistungsbilanzüberschüsse und -defizite wird mit Sicherheit zu politischer Unruhen innerhalb der Eurozone führen.
Automatische Sanktionen, wie immer wieder von Merkel verlangt, würden dieses Kapitaltransfer nur noch vergrößern.
Wichtig und richtig wären Vertragsänderungen die diese Leistungsbilanzungleichgewichte verhindern, damit die schwächere Wirtschaften nicht von den stärkeren erstickt werden. (wegen der Freihandelszone)
Diese Änderungen wären im Interesse Europas und folglich auch langfristig im Interesse Deutschlands.
Solange aber die Merkozy das Sagen haben wird genau in die entgegen und falsche Richtung hingearbeitet.
Es wäre daher wünschenswert wenn die USA wieder für Ordnung in Europa sorgten, und diesmal rechtzeitig.

Account gelöscht!

09.12.2011, 10:14 Uhr

In einem Punkt fühle ich mich mit den Wallstreet Haien verbunden: Das Schaudern vor europäischen Entscheidungen.

Wenn man als Autofahrer merkt, dass man ungewollt in eine Sackgasse gefahren ist, legt man den Rückwärtsgang ein und fährt heraus.
In der EU-Politik ist das anders:
Merkel und Sarkozy bleiben am dem Ende der Gasse stehen und verlangen den Ausbau der Gasse mit Anschluss an das übrige Strassennetz.

Solches Verhalten erwartet man normalerweise nur von Stieren in Rage, die mit dem Kopf immer weiter gegen die Wand anrennen, weil sie nicht wahrhaben wollen, dass die Welt anders ist als von Ihnen erwartet.
Politische Lern-Unfähigkeit wird zur Staatsräson erklärt. Man kann es sich leisten, da die Machtfrage nur alle 4 Jahre gestellt wird und der Wähler dumm und vergesslich ist.

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